Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Mensch-Hannover Grüne auf Kiosk-Tour mit Claudia Roth
Menschen Mensch-Hannover Grüne auf Kiosk-Tour mit Claudia Roth
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
06:16 10.09.2012
MULTIKULTI: Kiosk-Besitzer Abdul Koudmida erzählt Claudia Roth von seiner Herkunft und seinem Leben. Quelle: Natalie Becker
Anzeige
Hannover

Etwa 15 Leute drücken sich im Kiosk von Onkel Olli in der Nordstadt, es ist halb zehn am Donnerstagabend. Mittendrin steht Claudia Roth (57), Bundesvorsitzende der Grünen. „Los, kommt rein, ich schmeiß ’ne Runde!“, brüllt sie zu denen, die sich unentschlossen vor der Tür herumdrücken. Onkel Olli hat mehr als hundert Sorten Bier, die Auswahl fällt schwer. Aber dann entdeckt Roth ein Stück Heimat: „Ich trink ein Stiegl-Bier. Das schmeckt wie das bayerische Ayinger, ist aber günstiger“, erklärt die Schwäbin.

Ihr Kollege, der hannoversche Bundestagsabgeordnete Sven-Christian Kindler (27), hatte zum Kiosk-Rundgang auf dem Kiez eingeladen. Obwohl er selbst, laut Homepage, in einer „Öko-WG im multikulturellen links-alternativen Linden“ wohnt, ist der Rundgang in der Nordstadt angesetzt: „In Linden haben wir in letzter Zeit schon so viel gemacht.“ Diese beiden seien Hannovers lebendigste Kieze, findet er.

Die Grüne Bundestagsfraktion war zur Klausurtagung in hannover. Bei der Gelegenheit lud Sven-Christian Kindler seine Bundesvorsitzende Claudia Roth auf seinen Kiez in die Nordstadt eion. Ein Spaziergang mit Herri und veganer bunter Tüte - und Garmin Wendt (Text) und Natalie Becker (Fotos).

Seine Chefin Claudia Roth er-zählt gerade von befremdlichenTrinkgewohnheiten in Süddeutschland („Sahara-Maß“: Bier mit Eierlikör), als ein Kamera-Team von RTL in den kleinen Laden drängt. Das Kameralicht blendet, ein Puschel-Mikrofon wird rüberschoben. „Frau Roth, was verbinden Sie mit Niedersachsen?“ Roth muss überlegen und trinkt erstmal einen Schluck Stiegl. „Das Herrengedeck“, fällt ihr jetzt als Erstes ein, „und die Aggro-Tier-Industrie.“

Sie kauft noch schnell eine vegane bunte Tüte, und weiter gehts. Mittlerweile hat sich ein Tross von etwa 30 Leuten gebildet, die Stadtteilgruppe Nordstadt formiert sich zum Gruppenfoto. Die Bundestagsmitglieder Konstantin von Notz und Manuel Sarrazin mischen sich unters Volk. „Guck mal, Konstantin trinkt Flaschenbier, davon müssen wir ein Foto machen“, spottet Roth. „Das ist doch eine Kiosk-Tour“, verteidigt der sich.

Auf dem E-Damm findet man den nächsten Kiosk. Besitzer Abdul Koudmida ist Jeside, Roth erkundigt sich nach seiner Herkunft. Kindler diskutiert derweildas Getränkeangebot (Bier oder Brause?), zwei Herri will er bezahlen, der Kiosk-Betreiber will keinGeld. „Nein: Haushaltsausschuss!“ Kindler besteht darauf. Roth lässt sich mit einer Flasche Ouzo fotografieren: „Das ist europäische Solidarität!“ Eigentlich sei sie Raki-Fan. Kaum wieder auf der Straße, stürmt die Bundesvorsitzende den Döner-Laden Mangal. Inhaberin Tamara Abijeva rollt gerade gefüllte Weinblätter, Roth ist begeistert. Dann entdeckt sie ihre Leibspeise und stößt Freudenrufe aus: „Hier gibt es selbstgemachte Manti!“ In ganz Berlin habe sie die kleinen Teigtaschen nicht gefunden, beteuert Roth und fällt der Imbiss-Köchin um den Hals. Abijeva kommt aus Tschetschenien und ist begeistert von Roths Besuch: „Ich habe davon geträumt, sie kennenzulernen, im Fernsehen lacht sie immer so schön!“ Der Tross rollt weiter, Halt im Mini-Markt am Kleinen Felde. Auch hier ein Besitzer mit Migrationshintergrund, für Roth ist es Zeit, politisch zu werden. „Ihr Lieben“, ruft sie ihr Publikum heran. Heimat Deutschland, alle diese Menschen hätten hier ein neues Zuhause gefunden: „Ich glaube, dass Heimat dann beginnt, wenn wir miteinander reden.“

Um elf ist Feierabend, in der Destille gibt es noch Essen. Über einem „gescheiten Pfannekuchen mit Schinken und Pilzen“ gibt Roth dem Nachwuchs Wahlkampf-Tipps. Zum Nachtisch gibts die bunte Tüte - vegane Weingummis für alle.

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 00:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige