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Google kann auch Brief

Konzern hilft Schillerschüler Timm Wiethe (12) bei Recherche nach „Deichhörnchen“. Und antwortet per Brief.

Hannover. So was kommt davon, wenn man einen Internet-Zugang hat, „der etwas langsamer ist als eine hüftkranke Schildkröte“. So beschreibt jedenfalls der Hannoveraner Michael Wiethe (43) den Netzempfang im „Hinrich-Wilhelm-Kopf“ in Otterndorf. In dem Sommercamp der Stadt Hannover an der Nordsee verbringt der Rettungsassistent mit seinen Söhnen Timm (12) und Henri (9) gerade die Sommerferien. Und, wie so üblich, werden abends am Lagerfeuer gern mal Geschichten erzählt - vor allem vom Deichhörnchen, das allerlei Schabernack treibt. „Gibt es das eigentlich wirklich?“, wollte Timm Wiethe wissen und machte sich auf, das Internet zu befragen. Das schlug mangels Empfang aber fehl.

„Ich schreibe einfach einen Brief an Google“, sagte der Junge von der Schillerschule und wusste zu dem Zeitpunkt ganz sicher nicht, was er damit auslösen würde. Denn der Schriftverkehr ist seit gestern der Renner im Netz - bei Facebook und Twitter sowie den Online-Ausgaben großer Medienmacher.

Der Zwölfjährige formulierte seinen Schrieb so geschickt und frech (siehe Bild), dass Google diese Steilvorlage (ging übrigens per Fax in der Hamburger Zentrale des Suchmaschinenbetreibers ein) annahm. Wie bei der echten Suche im Netz fragten Mitarbeiter des „Offline-Teams“ in dem handschriftlichen Brief (siehe Bild unten) zurück: „Meintet ihr Eichhörnchen?“ Sie lieferten aber auch die gewünschten Ergebnisse - in Form von drei lustigen Zeichnungen und einem fiktiven Wikipedia-Eintrag (bis gestern Abend gab es auch keinen echten).

„Über Funk hieß es dann drei Tage später, da ist Post für Timm“, erzählt dessen Vater. Ganz aufgeregt habe sein Sohn den Brief mit dem Google-Schriftzug aufgemacht: „Seitdem ist er total aufgeregt, dreht ein bisschen im roten Bereich und versucht, doch noch irgendwie ins Internet zu kommen, um zu gucken, was er da produziert hat.“ Er lacht. „Hier steht das Telefon nicht mehr still“, erzählt der Rettungsassistent der Johanniter, der ehrenamtlich mit drei Kollegen aus Hannover Kinder und Jugendliche im Sommercamp betreut, gestern der NP. Der Familienvater hatte nicht mit einer Antwort gerechnet, „höchstens mit so einem förmlichen Schrieb“. Beide Schriftstücke stellte er auf seine Facebook-Seite, die wurde über Nacht geteilt und läuft seitdem auf unzähligen Kanälen.

Google selbst bestätigte die Echtheit der Geschichte bei Twitter - es kursierten nämlich schon Gerüchte, das Ganze sei ein gelungener PR-Gag gewesen. Ja, und das Deichhörnchen? Was hat es damit denn nun auf sich? „Die Geschichte ist vor über 45 Jahren erfunden worden“, so Wiethe, „vielleicht sollte es Kinder davon abhalten, alleine auf die Deiche zu gehen.“

Ist ja auch nebensächlich.