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Schauspieler

Gideon Rapp begeistert nicht nur im Theater

Er ist quirlig ohne Ende, und manchmal muss man sich ganz arg konzentrieren, wenn man Gideon Rapp (34) zuhört: Der Schauspieler, der aktuell in dem Stück „Drei Mann in einem Boot“ am Neuen Theater auf der Bühne steht, war nämlich nicht nur mal Zugchef im ICE – er redet auch so schnell. Die NP traf sich mit dem Künstler, der noch bis Mitte Mai in der Stadt spielt.

Zu seiner Zeit als ICE-Zugchef hatte Gideon Rapp (34) an manchen Tagen noch Glitter im Gesicht, wenn er seine Passagiere mit „Guten Morgen, die Fahrscheine bitte!“ begrüßte. „Abends zuvor hatte ich in ,Die Phobiker’ in Frankfurt auf der Bühne gestanden und gleich morgens dann eine Schicht bei der Bahn übernommen. Das war irgendwie ja wieder eine Bühne. Jedenfalls konnte ich mir es dadurch leisten, in ganz Deutschland in Theatern zu spielen“, erzählt der 34-Jährige in einer Ge­schwindigkeit, die vermutlich den einen oder anderen ICE locker abhängen würde.

Jetzt mal langsam: Rapp war Zugchef bei der Bahn? „Ich gehörte zu den drei jüngsten in Deutschland“, erinnert er bei einem Käffchen im Café Bernini an der Georgstraße an die Zeit, als er Anfang zwanzig war. Da war er längst als Schauspieler unterwegs, „ich wollte aber etwas Richtiges lernen, auf das ich bei Misserfolg zurückgreifen kann“. Die Ausbildung zum Kaufmann für Verkehrsservice kam  dem Künstler Rapp trotzdem zugute, er fuhr jahrelang zweigleisig: „So konnte ich bundesweit umherreisen und auf diversen Bühnen auftreten.“ Das tat er in freien Theatergruppen oftmals für nur fünf Euro Lohn, ,manchmal gab es auch nur eine Wurst oder ein Getränk. Mir was das aber egal, ich wollte einfach nur spielen.“

Die Mini-Gagen sind mittlerweile passé, und Zuggäste müssen auf den schlaksigen Typen mit dem erstklassigen Humor verzichten, 2003 hat er bei der Bahn gekündigt. Ganz abgeschlossen hat er damit jedoch nicht: In der Komödie „ICE kalt erwischt“, die er selbst geschrieben und inszeniert hat, verarbeitet der Schauspieler seine Zeit bei der Deutschen Bahn: „Bei dem Insider-Wissen ...“ Im Prinzip sind es genau die Ge­schichten aus dem Leben, die den 34-Jährigen auf unterschiedliche Weise so kreativ werden lassen. „Als Nächstes kommt ein Rap über Feinstaub“, verrät er im Gespräch mit der NP. Während seines Engagements am Neuen Theater (da spielt er den verpeilten Joe Nesbit in „Drei Mann in einem Boot“) wohnt Rapp in einer Ricklinger Wohnung – Feinstaub ist in dem Stadtteil ja immer wieder mal ein Thema.
Er will ins Fernsehen

Das, was er macht, ist eigentlich immer lustig: die Mimik, die Pointen, das ansteckende Lachen. „Der Clown ist auch mein liebstes Wesen“, gibt er zu, „aber nicht, weil er ein Spaßmacher ist, sondern weil er ein reflektierter, nachdenklicher Mensch ist. Außerdem kann ich mir so die kindliche Neugier bewahren.“ Witzi­gerweise sind es oftmals die jüngsten Theatergäste, die Rapp am meisten begeistern: „Es ist so schön, wenn du es schaffst, dass sie dich angucken, als wärst du der Weihnachtsmann.“ Was er bei den Auftritten für die Kleinsten nicht mag, sind die frühen Spielzeiten (meist zwischen neun und elf Uhr) „und dass es dann oft nach Essen und Kinderpups riecht“.
Auf gut 4500 Aufführungen in rund 100 Produktionen auf ziemlich genau 253 Bühnen kann er zurückblicken, sein Repertoire ist reichhaltig: Vom kauzigen Kumpel über tragische Helden (Molière) und den gestiefelten Kater war schon so einiges dabei. „Das kann alles für sich sprechen“, sagt er dazu, „ich finde es auch nicht mehr schlimm zu sagen, dass ich keine Schauspielschule besucht habe.“

Vielleicht zündet dann bald auch die nächste Karrierestufe – das Fernsehen. Da war er bereits bei „GZSZ“ und „Verliebt in Berlin“ in Gastrollen zu sehen, und auch im „Tatort“ hatte er mal eine Drei-Sätze-Rolle. „Ir­gend­wie habe ich da Lust auf noch mehr.“ Bei der Power, die er an den Tag legt, hat er auf jeden Fall das Zeug dazu. Einen Trailer zu seinem aktuellen Theaterstück hat er übrigens gerade fertiggestellt.

„Drei Mann in einem Boot“  läuft bis zum 13. Mai am Neuen Theater (Georgstraße 54). Tickets kosten zwischen 20,40 und 32,90 Euro.

Hier geht's zum Trailer.