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UNTERWEGS: Auf der Tour ist Maurice Eschen gut gesichert: Helm und Warnweste zählen zur Ausstattung.Durch ein Funkgerät ist er immer mit seinem Team verbunden.

UNTERWEGS: Auf der Tour ist Maurice Eschen gut gesichert: Helm und Warnweste zählen zur Ausstattung. Durch ein Funkgerät ist er immer mit seinem Team verbunden.

Lebenstraum

Gibraltar: Rollstuhlfahrer bricht Tour ab

Im Rollstuhl nach Gibraltar: Das Vorhaben von Maurice Eschen (24) war sehr gewagt. Weder Hitze noch Regen hielten ihn auf. Nichts - bis auf einen Sturz. Wegen einer schmerzhaften Zerrung hat er die Tour nun abgebrochen. Respekt gibts dennoch von allen Seiten.

Hannover. Sein Wille schien grenzenlos, sein Ziel hatte er klar vor Augen: mit dem Rollstuhl und bloßer Muskelkraft einmal quer durch Europa - bis nach Gibraltar. Rund zehn Wochen sollte die 3500 Kilometer lange Tour dauern. „Ein Mann, eine Straße, ein Ziel“ - unter diesem Motto war Maurice Eschen (24) vor mehr als drei Wochen von Hannover aus aufgebrochen, um sich einen Lebenstraum zu erfüllen. Seit frühester Kindheit ist er wegen einer Entwicklungsstörung auf den Rollstuhl angewiesen.

Deutschland und die Niederlande hatte der Journalistik-Student schon hinter sich gelassen, auch Belgien war so gut wie gemeistert. Vor wenigen Tagen dann ein Sturz: Eschen verletzte sich an der Bauchmuskulatur, die Schmerzen wurden schlimmer. Schweren Herzens hat der 24-Jährige die Tour nun in der Nähe von Reims (Nordfrankreich) abgebrochen - nach mehr als 750 beachtlichen Kilometern.

Weder Hitze noch strömender Regen konnten den jungen Mann aufhalten, nur sein Körper machte zuletzt nicht mehr mit: „Wir wollen einfach kein Risiko eingehen und das Ganze noch mal von Ärzten in Deutschland durchchecken lassen“, schreibt Eschen auf seiner Facebook-Seite - und spricht damit auch für seine beiden Begleiter: Dominic Böttcher (24) und Philip Hinken (23) fuhren parallel im Wohnmobil mit. Für ihr Abschlussprojekt im Studium hielten sie den Lebenstraum ihres Kommilitonen mit der Kamera fest.

„Traurig und enttäuscht“ ist das Team, so Eschen, „aber die Verletzung am Bauchmuskel wird von Tag zu Tag schmerzhafter.“ Der Abbruch ist „die einzig vernünftige Lösung“, meint auch Böttcher im Gespräch mit der NP. „Das ist natürlich nicht schön, aber höhere Gewalt.“

Rückblick: Am 13. Juli war Eschen vom Maschsee aus gestartet. Nach fünf Tagen und 200 Kilometern erreichte er seine Heimatstadt Münster. Freunde und Familie nahmen ihn in Empfang und gaben ihm die besten Wünsche mit auf den Weg. Hier stieß auch Florian Götting (24) hinzu: Sein bester Freund begleitete ihn zwei Tage lang auf dem Fahrrad.

Am 21. Juli passierte das Team die Grenze zu den Niederlanden. An Eindhoven vorbei, war es nur noch ein Katzensprung bis nach Belgien. „Es läuft prima, komme super voran“, teilte der Rollstuhlfahrer am 22. Juli seinen Facebook-Fans mit. Immer wieder erreichten ihn während der Tour Grüße übers Internet. Mehr als 1500 Nutzer drückten ihm die Daumen.

Doch dann ein erster Rückschlag: Bei brennender Sonne und 33 Grad stieß Eschens Körper an seine Grenzen, er musste eine unfreiwillige Pause einlegen. 40 bis 50 Kilometer fuhr er bis dahin pro Tag - aufgeben kam für den Studenten aber nie in Frage. Nach etwas Ruhe in Brüssel hatte er neue Kraft getankt - es konnte weitergehen. Bis ihn letzte Woche nach einem Sturz eine Zerrung erneut aus der Bahn warf. Es folgten ein kurzer Krankenhausaufenthalt und eine Zwangspause auf einem Campingplatz. „Trotz mehreren versuchten Neustarts müssen wir die Tour leider abbrechen“, teilte Eschen schließlich mit.

Klar, jeder seiner Fans hätte dem sympathischen jungen Mann seinen Traum gegönnt - mehr als 70 Kommentare gingen bei Facebook ein. Tenor: Schade, aber Gesundheit geht vor. Respekt erhielt er von allen Seiten. Gut 750 Kilometer im Rollstuhl - das soll Maurice Eschen erst mal einer nachmachen.