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Mensch-Hannover Gaues backt wieder für Hannover
Menschen Mensch-Hannover Gaues backt wieder für Hannover
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21:12 16.04.2014
MACHEN GEMEINSAME SACHE: Valentin Zurr (links) und Bäcker Jochen Gaues. Foto: Heusel Quelle: NANCY HEUSEL
Hannover

Leise? Der? Eher nicht. „Man muss sich auch mal verändern im Leben“, teilt sich Jochen Gaues (47) sehr bestimmt und in gewohnter Lautstärke in der Markthalle mit, „okay, bei mir ist es eine Zwangsveränderung aufgrund der Pleite. Aber, hey, alles gut. Jetzt kann ich mich wenigstens aufs Backen konzentrieren.“ Hannovers Promi-Bäcker von einst ist also wieder da: Sein Freund und Geschäftspartner, der Gastronom Valentin Zurr (40, kennt man vom Maschseefest, aus der Bar Seña und dem Puro), hat das Unternehmen „Broterbe Gaues“ für einen sechsstelligen Betrag im November 2013 aufgekauft (Gesellschafter ist Jörg Offenhausen, 40).

Und: Er hat den polarisierenden Mann, der in der Vergangenheit viel Ärger an der Backe hatte (Steuerhinterziehung, Verstoß gegen das Lebensmittelgesetz, Insolvenz), als Chefbäcker und Produktionsleiter eingestellt. Erster Streich: In der Markthalle eröffneten sie gestern einen Stand der Bäckerei (30 Quadratmeter, da, wo vorher Fisch-Müller war), es sollen bald weitere Filialen in der Südstadt (Altenbekener Damm) und in Braunschweig folgen, drei gibts weiterhin in Hamburg. Ab 1. Juni soll auch wieder in Isernhagen produziert werden: Gaues hatte 2012 die Region verlassen und war nach Lachendorf (Landkreis Celle) gegangen.

Nun also das Comeback: „Valentin ist nicht nur der Käufer, er reißt sich auch den Arsch auf!“, betont Gaues, der mittlerweile Brille statt Kontaktlinsen und ein paar Pfund mehr mit sich (herum-)trägt. „Wenn er nicht wäre, würde ich jetzt nicht hier sein, ich weiß, ich bin das Risiko“, sagt der 47-Jährige zu Zurr. Der entgegnet: „Du kündigst dreimal die Woche, nimmst es aber immer eine halbe Stunde später zurück.“ Gelächter. Die zwei scheinen sich zu verstehen, sich zu vertrauen – und sich ihrer Sache sicher zu sein. „Ich kann mit gutem Gewissen nach vorne gehen“, sagt Zurr, der Gaues seit 20 Jahren kennt, „uns eint der gleiche Blick auf Dinge wie Qualität, wir haben gleiche Träume.“

Dazu gehört, sich von Plagiaten zu distanzieren und notfalls zu klagen sowie sich in der gehobenen Gastronomie zu etablieren – Gaues’ Brotsorten (Ochsenbrot, Sylter Weißbrot, Muckstange) gehen immer noch raus in die Welt: in den Buckingham-Palast, zu Köchin Cornelia Poletto (42) nach Hamburg, zu Pierre Garnier (64, gut ein Dutzend Michelin-Sterne!) nach Paris oder ins Grand Hotel Heiligendamm. Gut 1000 Lieferkunden sollen es sein. „Eine Sensation, dass ich wieder da bin. Ich hätte auch nach London, Paris oder Hongkong gehen können“, sagt Gaues. Ist er aber nicht. Im Gegenteil: Bald zieht er mit Gattin Betty (47) von Nienhagen wieder in die Region. Und in der Stadt, so ist bereits zu vernehmen, rumort es, weil der Hüne wiederauferstanden ist – wie Phönix aus der Asche ... Ihn juckt das wenig: „Es kommt noch besser!“ Was, verrät er aber noch nicht.

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