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Hannover, Mustafa Alin spielt bei GZSZ Mesut ;(Foto Christian Behrens)Veroeffentlichung nur bei Namensnennung und Honorar !Foto: Christian BehrensKontakt: 0177-9376876mail@christianbehrens.de

Mustafa Alin spielt bei GZSZ den "Mesut".© Christian Behrens

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"GZSZ"-Star Mustafa Alin geht eigenen Weg nach oben

Seine Fans fiebern täglich in der RTL-Erfolgssoap „GZSZ“ mit ihm mit – da spielt der Hannoveraner Mustafa Alin (37) seit Jahren Mesut Yildiz. Kürzlich hatte er Urlaub und traf sich mit der NP in seiner Heimat, erzählte wie er sich zum Fernsehliebling mauserte.

Hannover. Da ist Mustafa Alin (37) ganz ehrlich: „Also ich kann den Bösen eher leiden. Da kann man wunderbar Dinge ausleben, die nicht in den echten Alltag gehören.“ Tja, „leider“ ist Mesut Yildiz zurzeit eher ganz weich, angepasst und integriert unterwegs - die Fans von „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ werden das nur allzugut wissen. So ein Serien-Charakter muss sich schließlich auch mal verändern, mittlerweile mimt Alin den Macho Mesut seit 2011, längst ist die Figur fester Bestandteil der allabendlichen RTL-Soap.

Derzeit hat der 37-Jährige, der in Hannover aufgewachsen ist, aber Urlaub. Drehfreie Zeit, die er insbesondere seinem Sohn widmet, der Lütte ist vier Jahre alt. Wer ihm dieses Leben eines Mannes, der sich von unten nach oben gearbeitet hat, vor einigen Jahren prophezeit hätte, dem hätte Alin vermutlich ein paar Takte erzählt: Mit drei Jahren ziehen seine Eltern mit ihm und seinen fünf Geschwistern nach Urfa in den Südosten der Türkei. „Wir mussten aus politischen Gründen das Land nach zehn Jahren wieder verlassen“, erzählt Alin, der der religiösen Minderheit der Jesiden angehört, der NP bei einem Kaffee im „Hugo´s“ im Ernst-August-Carrée.

Es folgten ein Hauptschul-Besuch, Wirtschaftsschule (BBS 12 an der Brühlstraße), an der IGS in Langenhagen strebte er schließlich das Abi an. „Damals war ich als Ausländer in der Minderheit, wurde gemobbt, weil ich anders aussah“, erinnert er sich. Sogar von Lehrern musste er sich Sprüche wie „Du verkaufst doch Drogen!“ anhören. Doch anders als man heute annehmen würde, konnte er sich damals nicht richtig wehren: „Da war ich nicht imstande, habe mir die Situation aber sehr zu Herzen genommen. Es hat mich aus der Bahn geworfen.“

Die Diskriminierung wollte er nicht dulden, schmiss die Schule hin und widmete sich der Arbeit. Fünf, sechs Jahre war er im Palo Palo am Raschplatz Türsteher. „Da habe ich auch mal in den Lauf einer Pistole geguckt“, erinnert er sich an die rauen Zeiten des Lebens, die er kennengelernt hat, „Messer wurden auch gezückt.“ Um in Gefahrensituationen wie diesen gut vorbereitet zu sein, trainierte Alin an der Sportakademie Dr. Lee im Ihme-Zentrum, der Kampfsport wurde zur Leidenschaft.

„In meiner Familie wurde sehr viel Wert darauf gelegt, etwas zu schaffen“, erklärt er schließlich seine Rückkehr auf die Schulbank. In Neustadt machte er sein Fach-Abi, knüpfte daran eine zweijährige Ausbildung zur Fachkraft für Brief- und Frachtverkehr. Die Arbeit fand er aber recht langweilig, „ich habe Kollegen bezahlt, damit die meine Post austragen.“

Alin muss oft lachen, wenn er in Gedanken in seiner Vergangenheit kramt, eigentlich grinst er viel mehr. Er denkt an den Moment zurück, als er eines Tages bei seinen Eltern anrief: „Wo bist du?“, wollten die von ihrem Kind wissen. „In Berlin!“, gab er wahrheitsgemäß zu, „ich habe an mehreren Schauspielschulen vorgesprochen.“ Erfahrung hatte er zwar keine, „aber jede Menge Fantasie.“ Er lacht. Auch der Dozent schien von seinem Können angetan - trotz latenter Vorurteile: „Du siehst gar nicht so aus“, meinte der nämlich als er das erste Mal auf den trainierten, muskulösen Mann traf.

Alin überzeugte, eine Agentur nahm ihn in eine Kartei auf, es folgte prompt eine Anfrage für die Erfolgsserie „GZSZ“. Erst waren es nur ein paar Drehtage, seine Rolle wurde schließlich erweitert, der schauspielerische Horizont von Alin ebenfalls. „Manchmal fragen mich Fans auf der Straße, wann ich endlich in der Serie heirate“, beschreibt er seinen Bekannheitsgrad, bei Facebook hat er gut 30 500 Anhänger.Die dürfen natürlich auch immer um ein Foto bitten. „Nur wenn ich heimlich gefilmt werde oder sich Leute erst zu mir an den Tisch setzen und dann fragen, ob sie stören, das kann ich gar nicht leiden.“

Klare Ansagen, darauf steht der Schauspieler. Die macht er selbst in vielerlei Hinsicht, auch politisch: „Ich würde zum Beispiel gern mal wissen wollen, wann man eigentlich richtig integriert ist.“ Er ist es jedenfalls, so viel steht fest. Und der 37-Jährige ist überzeugt: „Jeder kann das schaffen.“ Auch wenn es manchmal nicht ganz so einfach ist.