Navigation:

Sie geben den Rhytmus vor: Awa und Abou Diarra, Boureima Kamate und Noutie Coulibaly aus Burkina Faso machen Musik im GOP, der Äthiopier Tarik Usman beherrscht den Cyr-Ring.© Frank Wilde

Varieté

GOP-Chef zwischen Show und Bürgerkrieg

„Africa unplugged“ ist der Titel der neuen GOP-Show. Hinter der Idee steht Kreativdirektor Werner Buss (53). Da fast alle Künstler aus verschiedenen afrikanischen Ländern kommen, musste er in der Planung viele Hürden überwinden. Mit der NP sprach der 53-Jährige über Pass-Probleme und Kommunikations-Krisen.

Hannover.  Wenn Buss über die aktuelle GOP-Show „Le Club – Africa unplugged“ spricht, ist seine riesige Freude spürbar. „Sie ist intensiv, voller Lebensfreude und zeigt ein modernes Bild von Afrika“, fasst er zusammen. 13 Künstler mit afrikanischen Wurzeln setzen um, was bereits lange zuvor als Idee in seinem Kopf reifte. Als Kreativdirektor der GOP Entertainment Group, unter deren Dach Spielstätten in sieben Städten bestehen, ist er für jährlich 45 Produktionen verantwortlich. Buss hat viel erlebt, doch die Arbeit an „Le Club“ hielt für den Profi einige überraschende Wendungen parat.

Das GOP begleitet der gelernte Hotelkaufmann seit dessen Neustart vor 24 Jahren, damals war er der jüngste Varieté-Chef Deutschlands. „Ehrlich gesagt hatte ich damals noch gar keine Ahnung vom Varieté“, gesteht er. „Der Lernprozess hält bis heute an.“ Die Inspiration für neue Shows begegnet ihm täglich. „Ich gehe mit offenen Augen durch die Straßen und auf Menschen zu“, erklärt er. Jedes Show-Konzept brauche den richtigen Regisseur. „Ich überlege mir immer genau, wer meine Idee am besten umsetzen kann“, so Buss. Dann beginnt die weltweite Suche nach Künstlern. Der ganze Prozess, von der Idee bis zur Premiere, kann Jahre dauern. „Es ist eine intensive Auseinandersetzung mit Mode, Kultur und Menschen“, sagt der Show-Macher. Zurzeit arbeitet der 53-Jährige an der Produktion „Song Trang“, die im Winter 2018 in der Orangerie uraufgeführt werden soll.

Die Artisten und Musiker der aktuellen Show „Le Club – Africa unplugged“ stammen aus unterschiedlichen afrikanischen Ländern. „Das haben wir bewusst so gewählt“, verrät Buss. „Wir schauen genau, welche Darbietung in welchem Land kulturell verankert ist.“ Die Zusammensetzung der Gruppe beeinflusse auch ihre Dynamik. „Äthiopier sind zum Beispiel eher schüchtern und zurückhaltend“, sagt Buss. „Ghanaer dagegen energiegeladen und intensiv.“

Die Arbeit an „Le Club“ entpuppte sich in vielerlei Hinsicht als Herausforderung für Buss. Das Sprachproblem war schnell überwunden: „Afrikaner haben eine wahnsinnig beeindruckende Körperlichkeit“, erklärt der Show-Chef, „sie können unheimlich gut mit ihrem Körper kommunizieren.“ Schwieriger zu lösen war die Tatsache, dass die Musiker aus Burkina Faso nicht im Besitz eines Passes waren. Ohne Pass gibt es aber kein Arbeitsvisum für Deutschland. „Die Musiker erklärten uns, dass in ihrem Land gerade die dritte Revolution in zwei Jahren wütet“, erinnert sich Buss. Folge: „Die Mitarbeiter im zuständigen Amt hatten seit einem Jahr kein Gehalt bekommen und deshalb ihre Arbeit niedergelegt.“ Ein Umstand, mit dem Buss nicht gerechnet hatte und den er auch nicht akzeptieren wollte. „Wir haben letztlich das Gehalt für den Mitarbeiter übernommen, damit dieser die Pässe ausstellt.“

Für eine Künstlerin aus Ghana endete es nicht so glücklich. „Wir haben uns intensiv für sie eingesetzt, sogar die deutsche Botschaft vor Ort eingeschaltet“, so Buss. Doch zwei Wochen vor Probenbeginn stand fest, dass die Bemühungen umsonst waren. „Man ist wie gelähmt“, versucht Buss sein Gefühl in Worte zu fassen. „Es passiert selten, dass ich mich ohnmächtig fühle und keine Lösung finde.“

Mit dem Ergebnis, das noch bis 2. Juli auf der GOP-Bühne zu bestaunen ist, ist Buss trotzdem sehr zufrieden. „Tempo, Poesie, Melancholie – das alles spielt hier zusammen“, sagt er. In den fast 25 Jahren seiner Tätigkeit gab es nur zwei Produktionen, mit denen er absolut unzufrieden war, die eine konzipierte er nach der Generalprobe zu großen Teilen neu und castete sogar neue Künstler dazu, weil ihm das Ergebnis nicht gefallen hatte. „Niemals würde ich eine schlechte Show auf die Bühne schicken“, betont er. Auch nach fast 25 Jahren in seinem Job hat er noch lange nicht genug. „Meine Zeit beim GOP ist mein Lebenswerk.“

Von Janina Scheer


Bildergalerien Alle Galerien
Anzeige

Bild des Tages

Endlich ist die Sonne in Hannover mal wieder rausgekommen. Hier fotografiert von Julian Stratenschulte in der Eilenriede.

zur Galerie