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IHR REICH: Friederike Rahlfes steht in ihrem Geschäft "Milles Fleurs" in der Südstadt.© Dröse

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Friederike Rahlfes: In ihren Händen werden Blumen perfekt

Seit 15 Jahren wirbelt Friederike Rahlfes (40) in ihrem Blumengeschäft "Milles Fleurs" und macht Brautleute, Geburtstagskinder und Jubilare glücklich. Die NP hat die Floristin in der Südstadt besucht.

Hannover. Eins steht nach wenigen Au­genblicken fest: Diese Frau ist eine Kämpferin! Nicht, weil Friederike Rahlfes (40) martialisch oder sonst irgendwie hart wirkt. Es ist die Art, wie sie aus ihrem Leben erzählt, den Weg zu dem beschreibt, was sie heute ist – nämlich eine der wohl erfolgreichsten Floristinnen der Stadt. „Ich denke nicht nach, ich mache einfach“ ist ein Satz, den die Frau mit dem dunklen Haar nicht nur so dahinsagt, er gehört in ihre Biografie.

Ihre Kündigung etwa, die sie gegenüber ihrem Chef ausgesprochen hat, als sie nach ihrer Ausbildung gerade einmal drei Wochen lang als Raumausstatterin ge­arbeitet hatte: „Ich habe eine frisch gestrichene Decke an­gefasst. Man hat meine Fingerabdrücke gesehen“, erinnert sie sich an diesen „Vorfall“ in einer Altbauwohnung im Zoo-Viertel. Sie stand auf einer Leiter und wollte Lö­cher bohren. Um den Halt in gut 3,50 Meter Höhe nicht zu verlieren, stützte sie sich instinktiv ab – und hinterließ die Fingerabdrücke. Sie quittierte tatsächlich ihren Job, „weil ich Perfektionistin bin“ – und machte dann eben doch das, was ihre Mutter ohnehin schon für sie vorgesehen hatte – eine Ausbildung zur Floristin. Was die junge Rahlfes aber nur nicht machen wollte, weil ihre Mutter da­rauf bestand.

Als klassische Floristin sieht sich die zweifache Mutter aber nicht: „Ich sehe bei Blumen eher die Form, ge­stalte damit.“ In ihren Händen entstehen gigantische Blumenpompons, sie erstellt für Feierlichkeiten wie Hochzeiten, runde Geburtstage oder Firmenfeiern individuelle Konzepte und stattet Messestände, Büros und Arztpraxen aus. „Dabei arbeite ich aus dem Bauch heraus, versuche nicht Trends nachzuahmen, sondern aus Ideen neue Dinge zu arrangieren, die zu den jeweiligen Menschen passen“, erklärt sie in ihrem Showroom in der Südstadt.

Die Kehrseite ihres freundlich-fröhlichen Berufs lässt sie übrigens nicht un­erwähnt: „Beerdigungen ma­che ich sehr gerne. So wichtig Hochzeiten auch sind, da hat man keine Chance auf Wiederholung.“Ganz oben möchte Rahlfes mitspielen, zur Szene gehören – „denn ich wollte schon immer irgendwer sein“, sagt sie und zieht an einer Zigarette. Die Stunden, die sie dafür arbeitet, ma­chen ihr nichts aus: „Ich kann nur arbeiten. Sonst nichts.“ Bei den floralen Kunstwerken (zu sehen auf der Instagram-Seite von Milles Fleurs) ist das „nichts“, von dem die Un­ternehmerin da spricht, von beachtlicher Bedeutung. Das wissen auch Stars, hochrangige Staatsleute und stadtbekannte Menschen, für die ihre Kreationen regelmäßig gebucht werden. Wer gehört denn so dazu? „Es schickt sich nicht, darüber zu sprechen“, hält sie sich professionell bedeckt und schweigt.

Lieber spricht sie über den Ruf, den sich „Milles Fleurs“ erarbeitet hat: „Wir sind nicht gerade die Günstigsten. Fakt ist aber, dass wir sehr gut sind“, sagt sie selbstbewusst im Hinblick auf ihre Arbeit, die sie in einer Meisterschule in Hamburg perfektioniert und am Ende als Beste mit drei Auszeichnungen abgeschlossen hat. „Es ärgert mich aber schon sehr, wenn Leute sagen, wir seien zu teuer.“ Denn in ihren Brautsträußen stecken schließlich „60 Stile, nicht 20. Und es hat nicht nur einmal eine Braut kurz vor der Hochzeit dann doch heulend vor dem Laden gestanden.“

In ein paar Tagen feiert Friederike Rahlfes mit ihren Mitarbeitern (drei Vollzeitkräfte, eine Auszubildende, fünf Aushilfen) 15-jähriges Firmenjubiläum. Was einst an der Marienstraße auf 50 Quadratmetern begann, führt sie mittlerweile auf 300 Quadratmetern in der Anna-Zammert-Straße 33 weiter. Banale Palmen hat sie nicht im Laden, „eher besondere Kakteen und tolle Grünpflanzen, außerdem so einiges an Schnittblumen“. Und natürlich ist in der Halle im Indus­triestil alles hübsch arrangiert – die Handschrift der Raumausstatterin zieht sich durch das gesamte Gebäude.

„Ich hatte es nicht leicht, überall gibt es Neider“, erzählt sie über die zurückliegenden 15 Jahre und zuckt mit den Schultern. Jemand schwärzte sie mehrfach beim Bauamt an, sie kratzte am Burnout – „das war wohl meine schwerste Prüfung“.Aufgegeben hat sie aber nicht, dafür schlägt ihr Kämpferherz viel zu stark.

Von Mirjana Cvjetkovic


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