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Stefan Knaak liebt das Leben im Zeitraffer

Stefan Knaak hat sein Hobby zum Beruf gemacht: Er ist selbstständiger Fotograf und auf Zeitraffer spezialisiert. Der Hannoveraner bezeichnet sich als Getriebenen, ständig auf der Suche nach neuen Motiven - je höher desto besser. Die NP hat ihn auf dem Bredero-Hochhaus getroffen.

Hannover. Stefan Knaak (35) hat ein Auge für außergewöhnliche Orte. Obwohl das Haus, auf dessen Balkon im 22. Stock er gerade steht, wohl jeder Hannoveraner kennt. „Vom Bredero-Hochhaus hat man einfach einen tollen Blick über Hannover“, sagt der 35-Jährige, „wenn ich mal wieder mehr Zeit habe, würde ich gerne von jedem Hochhaus in Hannovers Innenstadt Aufnahmen machen und sie zu einem Timelapse-Film zusammenfügen.“

Timelapse – Zeitraffer. Das ist das Stichwort. Knaak wurde 2012 mit seinem neunminütigen Film „Hannover Timelapse“ bekannt. Der Zeitrafferfilm über die Landeshauptstadt und ihre Sehenswürdigkeiten war anfangs nur als Spielerei gedacht – seit der Veröffentlichung hat sich für den gelernten IT-Fachinformatiker jedoch viel geändert. Nicht nur den neuesten Imagefilm für die Stadt hat er zusammen mit seinem Cutter Simon Knösel (29) produziert. Auch für VW, die Herrenhäuser Brauerei und die Messe hat er bereits Videos gemacht.

Das Fotografieren hat er sich selbst beigebracht. Auch seine spezielle Zeitraffertechnik, bei der sich die Kamera auf einem Schlitten bewegt, während sie alle 30 Sekunden eine Aufnahme macht. „Ich habe auf Facebook ein Video gesehen, in dem diese Technik erklärt wurde. Ich war so fasziniert davon, dass ich es gleich ausprobieren musste“, sagt Knaak.

Mit Erfolg: Vor sechs Monaten hat er sich als Fotograf selbstständig gemacht und auf eben diese Methode spezialisiert. Kein Wunder, dass nun wenig Zeit für Spielereien bleibt. „Ich bin immer viel unterwegs. Mal eine Filmproduktion, dann eine lange Reise oder ein Auftrag in einer anderen Stadt. Wenn ich Freizeit habe, möchte ich sie lieber mit meinem Sohn verbringen“, erzählt der Wahl-Hannoveraner. Der Fünfjährige ist ihm das Wichtigste: „Er ist mittlerweile in dem Alter, in dem man viel mit ihm unternehmen kann. Wir gehen in den Zoo, in Freizeitparks oder fahren zum Entspannen an die Ostsee.“

Am Meer kann Knaak wieder Kraft tanken – aber auch dort hat er immer die Kamera dabei. „Ich bin ein Getriebener“, sagt er über sich selbst, „ich brauche immer etwas zu tun. Jetzt kann ich das Reisen mit meiner Arbeit verbinden – was gibt es Schöneres?“

Dass der 35-Jährige nicht immer als Angestellter arbeiten will, war ihm schon früh klar. Bereits 2002, zwei Jahre nach seiner Ausbildung zum IT-Fachmann, machte er sich selbstständig. 13 Jahre lang entwarf und programmierte er Webseiten, ehe er seinen gelernten Beruf aufgab und sich ganz den Bildern widmete. Jetzt fotografiert er nicht nur, sondern gibt sein Wissen auch in privaten Fotokursen an andere weiter. „Ich möchte lieber meine eigene Kreativität ausleben, als anderen unterstellt zu sein“, erklärt sich Knaak.

Der Tausch Sicherheit gegen Selbstbestimmung fiel ihm daher nicht schwer. Doch der Druck auf den Fotografen wächst: „Die Menschen erwarten immer mehr von mir, und auch mein eigener Anspruch steigt.“ Mit dem Druck kann er umgehen – mit seinen Plänen für die Zukunft macht er ihn sich nicht zuletzt selbst: „Ich würde gerne mehr Videos machen. Am liebsten für internationale Produktionen, wie National Geographic oder die BBC.“ Wie realistisch das ist? „Ich denke, man muss einfach nur die richtigen Menschen zur richtigen Zeit treffen“, gibt sich Knaak optimistisch. Seinem Sohn zuliebe möchte er trotzdem vorerst in Hannover bleiben. „Ich bin gerne hier“, sagt Knaak, „aber für mich ist Heimat kein Ort, sondern ein Gefühl.“

www.knaak.org

Von Susanne Kolbeck

Hannover Timelapse 2 from Stefan Knaak on Vimeo.

Hannover Timelapse from Stefan Knaak on Vimeo.


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