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Mensch-Hannover Florian Wess malt jetzt: „Ich bin kein Botox Boy mehr“
Menschen Mensch-Hannover Florian Wess malt jetzt: „Ich bin kein Botox Boy mehr“
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16:53 20.09.2018
VERTRAGEN SICH WIEDER: Florian Wess (links)hat Schauspiel-Legende Helmut Berger porträtiert. Quelle: Droese
Hannover

Mit Kunst hat man ihn bisher so gar nicht in Verbindung gebracht. Bisher. Jetzt hat Florian Wess (38) das erste Mal Bilder ausgestellt: Ein Highlight für den Mann, den viele als gebotoxten, menschgewordenen Ken (der von Barbie) und Dschungelcamp-Teilnehmer kennen dürften.

Übrigens nicht die einzige Premiere: Als Ort, um seine 14 kunterbunten und knalligen Pop-Art-Gemälde zur Schau zu stellen, wählte Wess den Hannover Airport. Auch für den Flughafen war die Veranstaltung „Art meets Airport“ eine Neuerung. „Eigentlich sind Flughäfen ja ein Hotspot für Nervosität, die Ausstellung ist aber etwas dauerhaftes und ein Ruhepol“, erläuterte der 38-Jährige bei der Vernissage mit geladenen Gästen am Mittwochabend im Raum „Cockpit“.

Wess und Berger: Bitterböse Trennung nach Blitzehe

Eine Tatsache dürfte Wess aber am meisten erfreut haben: Dass sein Ex-Mann vorbeischaute – nämlich Schauspiellegende Helmut Berger (74). Das Paar hatte sich nach zwei Jahren Beziehung und neun Wochen Blitzehe bitterböse getrennt, in Hannover sahen sie sich das erste Mal nach drei Jahren wieder. „Helmut und ich hatten Kontakt, haben uns Briefe geschrieben“, so Wess. „Wenn wir uns sehen, freuen wir uns und genießen die Zeit“, ergänzte er noch kurz und wechselte das Thema zurück zu seinen Werken.

Helmut Berger lobt „tiefgründiges“ Werk

Die zeigte der Neu-Künstler Berger exklusiv vor Veranstaltungsbeginn in der extra angefertigten Blackbox – die NP durfte mit rein. Der rabenschwarze Raum ist notwendig, weil Wess mit fluoreszierender Farbe und Schwarzlicht arbeitet. Unter den Werken ist auch ein riesiges Porträt des legendären Enfant Terrible. Und dem 74-Jährigen gefiel es! „Eine sehr gute Idee, die er da hatte. Sehr tiefgründig“, lobte Berger sein Konterfei in der Bilderreihe „Legenden – jede Zeit hat ihre Helden“. Weiter Motive: Beatles-Legende Paul McCartney (76), Ex-Pornoqueen Sibylle Rauch (58), Sänger Peter Kraus (79) und Mick Jagger (75) von den Rolling Stones.

LEUCHTKRAFT: Florian Wess malt mit fluoreszierenden Farben – zum Beispiel Mick Jagger. Quelle: Droese

Was haben diese Künstler gemeinsam? „Sie eint die Tatsache, dass sie ohne Social Media erfolgreich und schließlich zu Legenden wurden“, erklärt Wess. Auch das erste Bond-Girl aller Zeiten, Ursula Andress (82, „James Bond jagt Dr. No“) hat Wess porträtiert: „Das war meine Jugend“, bemerkte Berger in der Ausstellung, „Ursula Andress kenne ich sogar persönlich.“ Der 74-Jährige hat übrigens kein Handy und auch keinen Internetzugang, „Es ist wie eine Krankheit, wenn Menschen nur noch auf diesen Apparat starren.“

Dass der einst so exzentrische Mann, der mal für einen Golden Globe nominiert und im Musikvideo zu „Erotica“ von Madonna (60) zu sehen gewesen ist, die Reise in die Landeshauptstadt auf sich genommen hat, nannte er „eine Hommage an Florian. Reisen ist kein Spaß mehr.“ Aus diesem Grund hat er sich dann auch zum Essen zurückgezogen und den Gästen nicht mehr gezeigt.

Gast Della: „Gott sei Dank ist Kunst Geschmackssache“

Um die kümmerte sich dann Wess persönlich und führte sie in Grüppchen durch die Schau. „Es erinnerte mich an Bilder von Jackson Pollock“, resümierte Sarah Kern (50). Die Designerin, die derzeit mit einem Insolvenzverfahren zu kämpfen hat, ist häufiger in der Stadt, verkauft ja beim hier ansässigen Shoppingsender Channel 21 ihre Klamotten.

Sylvie Kollin (69) schaute mit Künstler Della (61, „Gott sei dank ist Kunst Geschmackssache“) bei der Vernissage vorbei, und Sarah Kern in die Karten. So wie Kern strahlte, dürfte ihr Kollin wohl Positives prophezeit haben. Anfang Oktober ist die 69-Jährige wieder am Flughafen, „da hebe ich in meine zweite Heimat ab“, erzählte sie voller Vorfreude. Für die Kartenlegerin geht es mal wieder nach New York – dort trifft sie ihre Schwester Susanne (72), die zwar schon lange an der Südostküste Floridas in Fort Lauderdale lebt, aber noch nie im Big Apple gewesen ist. „Dort feiern wir ihren Geburtstag.“

LEUCHTENDE LEGENDEN: 14 Bilder sind am Airport zu sehen. Quelle: Droese

Am Flughafen hat die illustre Gesellschaft dann auch noch ein bisschen mit Prosecco, Tomatensaft und Häppchen gefeiert. Für Wess war das Ganze übrigens ein wichtiger Neuanfang: „Ich bin ein erwachsener Mann und kein Botox-Boy mehr.“ Er will es auch mit Schauspielerei versuchen und mit Dingen, die real sind – deshalb hat er Facebook und Instagram den Rücken gekehrt und auch den Leuten, „die immer nur mit mir Beiträge drehen wollten, wenn ich mit Botox spritzen lasse.“ Rückhalt von seinem Ex hat er: „Man kann immer die Courage haben, etwas Neues anzufangen. Dafür ist es nie zu spät“, findet Berger. Und wenn der 74-Jährige eins hat, dann Erfahrung.

Die Ausstellung läuft bis 15. November

Die Ausstellung auf der Ebene im Verbindungsgang zwischen Terminal A und B ist noch bis zum 15. November immer dienstags, donnerstags und sonntags von 14 bis 17 Uhr zu sehen. Eintritt: fünf Euro.

Von Mirjana Cvjetkovic

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