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PROST AUF DIE NEUGEBURT: Am Großen Hillen 20 hat Ferry Foolandian die „Bellini-Bar“ eröffnet.© Sielski

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Porträt

Ferry Foolandian eröffnet eine Bar in Kirchrode

Blick zurück nach vorn! Der Ex-Szene-Gastronom Ferry Foolandian hat wieder eine Bar in Kirchrode eröffnet - ganz in der Nähe des Lokals, in dem er in den 90ern Schlagzeilen produzierte. „Das ist wie eine Neugeburt.“

Ex-Szenewirt Ferry Foolandian ist zurückgekehrt zu seinen Wurzeln, hat nur wenige Meter neben seiner einst legendären Schicki-Micki-Kneipe „Ferry‘s“ nun „Ferry‘s Bellini-Bar“ aufgemacht. Das ist mutig. Denn auch wenn der Gastronom in den 1990er Jahren hier in Kirchrode am Großen Hillen seine Glanzzeit erlebt hat, die Schönen, Reichen und Prominenten sich hier trafen, Champagner in Strömen floss, so war hier 1998 auch ganz radikal Schluss mit lustig.

Denn Anwohner beschwerten sich damals über dröhnende Musik, Prügeleien vor dem Taxistand, zugeparkte Gehwege. Bis das Ordnungsamt feststellte, dass „Ferry‘s“ nie eine Konzession als Bar, sondern nur als Café hatte. Schließlich setzte das Gericht die Sperrzeit auf 22 Uhr fest, daraufhin musste mehrmals die Polizei anrücken und renitente Gäste hinausbegleiten: das Aus für den Szeneladen, der Stadtgespräch war.

„Ja, das war hart. Eigentlich war es nur ein Gast, der sich beschwert hat“, behauptet Foolandian und lacht. Jetzt kann er es. Schließlich ist er das Steh-Auf-Männchen am Großen Hillen: „Ich mache so weiter, bis ich umfalle, das ist hier wie eine Neugeburt, es ist genial.“ Montags bis sonnabends macht er um 15 Uhr „Ferry‘s Bellini-Bar“ auf. Bis Mitternacht, außer das Partyvolk will länger. „Hier sind so sensationell nette Leute, ich freue mich, wieder da zu sein!“, sagt der Mann mit dem großen Selbstbewusstsein.

Er hat sich nicht verändert: perfekt gebügeltes weißes Hemd, helle Hose, Slipper ohne Socken, Sakko. Immer freundlich, akkurat, immer einen netten, schmeichelnden Spruch für die Damenwelt auf den Lippen, einen aufmunternden für die Männer. So gibt er sich gerne: die ideale und auch ein wenig eitle Mischung aus Saubermann und Schöngeist.

Foolandian wurde in Teheran geboren, um sein Alter macht er ein Geheimnis, behauptet gerne, er sei erst 45 Jahre alt. Seine Mutter ist Deutsche, die Eltern erziehen ihn und die fünf Geschwister streng, aber liebevoll. Er überspringt mehrmals ein Schuljahr, macht bereits mit 16 Abi, beginnt in Hildesheim ein Architekturstudium. In dieser Zeit fängt er an, in Bars zu arbeiten. Sein Mentor: der damals stadtbekannte Lebemann Bernd Hörstmann, der einst das Clichy an Ekkehard Reimann (74) verkaufte und Barchef im Interconti war. „Alles, was Bernd wusste, gab er an mich weiter“, sagt Foolandian.

Im „Extrablatt“ (hat nichts mit der heutigen Kette zu tun) in der Königsstraße arbeitete Ferry für Hörstmann an der Bar, später führte er den Laden (heute „Leinegold“) allein. „Am Silvestermorgen 1986 übergab mir Horst Kopp, der Chef von Brunnenkopp, den Schlüssel. Ich wurde ins kalte Wasser geworfen, hatte ja von Buchführung keine Ahnung.“ Zwei Jahre später habe der Laden mit extralangem Tresen „so etwas von gebrummt. Alle sind da gewesen“. Fünf Jahre habe er durchgearbeitet ohne Pause und Urlaub, erzählt Foolandian. Und präsentiert seine Version seines Abgangs: Als er das erste Mal in Urlaub gefahren sei, habe Kopp ihn hintergangen und „einfach so“ den Laden an die spätere Alt-Hannovera-Chefin Dagmar Huber (†48) verkauft. „In meinem Briefkasten lag ein Entschuldigungsschreiben von Kopp. Ich habe fünf Tage auf dem Sofa gelegen und war geschockt“, sagt Foolandian. Es waren die 90er Jahre, die Zeit war reif fürs „Ferry‘s“, er zog nach Kirchrode - die Stammgäste folgten ihm. Das Ende acht Jahre später ist bekannt.

Nach diversen Versuchen - unter anderem war er für kurze Zeit Barchef im „Victor‘s“ von Diskochef Werner Schrage am Weißekreuzplatz - eröffnete er ein neues „Ferry‘s“ in Isernhagen-Süd. Elf Jahre hielt sich dort das Bistro mit Vinothek, die letzten Jahren verbrachte Foolandian im Centralhotel Kaiserhof, leitete dort ganz solide die Bar - die Zeit der ausschweifenden Schickeria-Partys war vorbei. „Ich habe mich da sehr wohlgefühlt“, sagt Ferry, der verheiratet ist und einen erwachsenen Sohn hat, über seinen Ex-Arbeitgeber.

Jetzt ist Foolandian rückfällig geworden, Kirchröder Freunde hätten ihn überredet, sagt er. Die erste Party in „Ferry‘s Bellin-Bar“ soll am 6. August um 16 Uhr starten. Sein Plan: „Ich will mit netten Menschen ein Glas Champagner trinken und Bellinis ausprobieren. Da können alle Freunde und solche, die es werden wollen, kommen.“

NPVISITENKARTE

Geboren am 6. April in Teheran, er wuchs in Heidelberg und Hamburg auf. Nach der Schule und einem (abgebrochenen) Architekturstudium 1986 übernahm er das „Extrablatt“. Von 1991 bis 1998 war in seinem „Ferry‘s“ in Kirchrode Hannovers Schickeria zu Gast. Von 2001 bis 2012 leitete er das „Ferry‘s“ in Isernhagen-Süd. Der Vater eines erwachsenen Sohnes hält sich mit Yoga fit oder geht mit Coco, dem Golden Retriever seines Sohnes, spazieren. Er liest gern, hauptsächlich Sachbücher zu politischen und gesellschaftlichen Themen.


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