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weedwedw© Ursula Düren

Porträt

Felix Klieser - Dieser Mann ist preisverdächtig

Welch große Ehre: Der Hornist Felix Klieser (25) erhält heute den Leonard Berstein Award, einen der renommiertesten musikalischen Nachwuchs-Preise überhaupt. Der Göttinger, der ohne Arme geboren wurde, studierte Musik in Hannover.

Weltstars wie der Pianist Lang Lang (34) zählen zu den Preisträgern des Leonard Bernstein Award, die Auszeichnung ist mit 10 000 Euro dotiert. Wie fühlt man sich, wenn man erfährt, der aktuelle Gewinner zu sein? „Es gibt schlimmere Dinge“, scherzt Felix Klieser (25), als die NP ihn in Rendsburg am Telefon erwischt - und gerät dann doch ins Schwärmen: „Man muss sich mal die Liste der Preisträger ansehen, fast alle, die heute in der Klassikwelt ganz groß sind, haben den Award gewonnen, als sie noch unbekannt waren.“ Auch die hochkarätige Jury um Star-Dirigent Christoph Eschenbach (76) beeindruckt den jungen Göttinger, der schon mit vier Jahren begann, Horn zu spielen und mit 13 Jahren an der Musikhochschule Hannover unterrichtet wurde.

Statt mit der Hand spielt Klieser das Instrument mit den Zehen seines linken Fußes; um das Horn zu halten, benutzt er ein Stativ. Um den Umstand, ohne Arme geboren zu sein, macht der 25-Jährige überhaupt kein Aufhebens. „Ich bin so, wie ich bin“, sagt er dazu, „ich will Horn spielen, dann bin ich glücklich.“

Zu seinem Instrument, gewissermaßen einem Outsider in der Kategorie der Blasinstrumente, hat er ein beinahe fürsorgliches Verhältnis: „Das Horn wird oft unterschätzt, dabei ist es so vielfältig.“ Auch deshalb sei der Preis eine „riesige Ehre“.

Zu Hause ist Felix Klieser eigentlich kaum, und wo das genau liegt, weiß er auch nicht. „Ein bisschen Göttingen, aber auch Hannover“, sagt der Solomusiker, der ständig auf Konzertreisen ist. Aber das stresst ihn nicht: „In meinem Alter ist das total toll, das Leben ist nicht so eingefahren. Ich kann mir nichts Besseres vorstellen.“

Rund fünf Stunden am Tag probt der Vollblutmusiker, selbst im Urlaub übt er täglich. Die 10 000 Euro Preisgeld freuen ihn natürlich, aber: „Dafür mache ich das nicht. Ich will Konzerte spielen und den Leuten einen schönen Abend machen.“ Dazu hat er heute bei der Preisverleihung in Lübeck Gelegenheit, aber auch im Herbst, wenn er mit dem Norwegischen Kammerorchester auf Europa-Tournee geht.

Einen internationalen Durchbruch garantiere der Leonard Bernstein Award trotz allen Renommees nicht, betont Klieser. Und kann sich eine ironische Anmerkung nicht verkneifen: „Der Karriere wird er aber nicht schaden.“ Hannover wird er so oder so treu bleiben: „Ich mag die Stadt total gern, von den meisten wird sie unterschätzt.“ Fast so wie das Horn.

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Geboren am 3. Januar 1991 in Göttingen. Mit vier Jahren verkündete er seinen Eltern, Horn spielen zu wollen, und bekam Unterricht. Seit er 13 Jahre alt war, fuhr er nach der Schule täglich zur Musikhochschule Hannover, wo er später Musik studierte. Klieser wurde mit dem Echo Klassik, dem Usedomer Musikpreis sowie dem Musikpreis des Verbandes der Deutschen Konzertdirektionen geehrt. Tourneen führten ihn durch die Schweiz, Italien, Österreich und Südafrika. Klieser lebt für die Musik, mag aber auch Sportübertragungen im Fernsehen und interessiert sich für Naturwissenschaften.


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