Navigation:
WUNDERMACHER: Jan Becker ist ausgebildeter Hypnosetrainer, hat nach eigenen Aussagen sonst keinen anständigen Beruf gelernt.

WUNDERMACHER: Jan Becker ist ausgebildeter Hypnosetrainer, hat nach eigenen Aussagen sonst keinen anständigen Beruf gelernt.

|
Show

Er weiß, was Sie denken

Im Apollo-Kino warten Dienstag wundersame Dinge auf die Besucher: „Wundermacher“ Jan Becker fasziniert in seiner Show mit Hypnose-Vorführungen und Gedankenlesen. Im NP-Interview erklärt Becker, was die Zuschauer erwartet.

Hannover. Herr Becker, wie wird man eigentlich Hypnotiseur, Gedankenleser und sogar Wundermacher, wie Sie sich selber nennen?

Der ausschlaggebende Punkt bei mir war, als meine Mutter mir mit zwölf Jahren ein Buch von Erik Jan Hanussen geschenkt hat. Das Buch hieß „Das Gedankenlesen“ und wurde 1920 geschrieben. Hanussen war eine sehr zwielichtige Persönlichkeit, aber mit zwölf interessiert einen das ja nicht. Seine Beschreibung des Gedankenlesens und der Hypnose habe ich zuerst nicht geglaubt. Aber dann habe ich es ausprobiert, und es hat sofort geklappt. Es war so, als hätte das auf mich gewartet. Irgendwie waren die Talente dafür da, und es hat mich nicht mehr losgelassen.

In Ihrem Buch „Du wirst tun, was ich will“ ermutigen Sie Ihre Leser, sich alltägliche Manipulationen bewusst zu machen, fordern sie jedoch zugleich auf, sich selbst und andere suggestiv zu beeinflussen. Ist das nicht widersprüchlich?

Nein. Im Grunde genommen sage ich: Werde dir bewusst, wie wir uns gegenseitig beeinflussen. Wir haben eigentlich keine Möglichkeit, uns nicht zu beeinflussen. Jedes Wort, das ich jetzt sage, löst ein Bild bei Ihnen aus. Das Gespräch wird Sie vielleicht inspirieren oder irgend etwas Anderes mit Ihnen machen. Sich das bewusst zu machen, wie einfach es ist, sich gegenseitig zu beeinflussen, ob positiv oder negativ - darauf will ich eigentlich aufmerksam machen. Und wenn man sich dieser Tatsache bewusst ist, sollte man sie sich zunutze machen, um das eigene Leben angenehmer zu gestalten.

Auf der Bühne versetzen Sie Zuschauer aus dem Publikum in Hypnose. Brauchen Menschen dazu eine bestimmte Veranlagung?

Man muss schon mit einer gewissen Offenheit daran gehen. Die Person muss sich darauf einlassen. Denn ich mache ja nur eine Tür auf, und in die Hypnose geht die Person selbst rein. Wenn sie nicht will, habe ich als Hypnotiseur keine Chance.

Sie nennen sich ja „Wundermacher“. Welche Wunder haben Sie bisher vollbracht?

Philosophisch gesehen ist es schon mal ein Wunder, dass wir überhaupt miteinander reden können, dass wir Menschen auf einem runden Ball wandeln, der frei in der Luft schwebt. Man muss sich ab und zu bewusst machen, dass das Leben, die menschliche Existenz, schon ein Wunder ist. Und ich mache das bewusst durch kleine Impulse, durch kleine, erstaunliche Momente. Es geht ja nicht darum, dass ich über Wasser laufen kann oder echte Wunder vollbringe, sondern dass ich in Erinnerung bringe, dass alles um uns herum verwunderlich und erstaunlich ist.

Erstaunlich ist auch das Spektrum Ihres Bühnenprogramms, es gilt als sehr vielfältig. Worauf können sich die Besucher im Apollo freuen?

Wer mal Hypnose am eigenen Leib verspüren will, der kann das dort auf der Bühne tun. Oder die Frage: Ist Gedankenlesen möglich? Kann ich vielleicht die Gedanken meines Nachbarn lesen? Das hat immer so eine poetisch-surreale Komponente. Ich versuche, die Sprache des Unbewussten auf die Bühne zu bringen, mache das dem Publikum verständlich. Das an dieser Stelle begreifbar zu machen, ist schwierig.

Sie haben vor zweieinhalb Jahren durch eine „Wunderansprache“ in der Arena von Mönchengladbach dazu beigetragen, dass Gladbach 4:1 gegen Hamburg gewonnen und so den Abstieg vermieden hat. Können Sie etwas Ähnliches nicht auch für Hannover 96 tun? Ein Champions-League-Platz würde fürs Erste schon reichen.

Wenn eine offizielle Anfrage kommt, kann ich das gerne mal versuchen. Das Interessante ist ja: Ich bin mir gar nicht so sicher, dass ich das damals wirklich war (lacht). Das war, glaube ich, nur so ein kurioser Moment, dass jemand auf den Platz gegangen ist, der so aussieht wie ich, und der voller Inbrunst behauptet hat, dass Gladbach gewinnen würde. Und dadurch wurde vielleicht ein winziger Schalter in den Köpfen der Gladbacher Spieler umgelegt, vielleicht kam ihnen der Gedanke: Wenn nicht jetzt, wann dann? Das war wohl eine minimale Motivation. Aber wenn es eine Garantie geben würde, dass ich einen Sieg erzwingen könnte, hätte ich ausgesorgt. Aber dann würde das Spiel ja auch keinen Spaß mehr machen.