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Mensch-Hannover Daniel Pflieger fährt 2500 Kilometer für den Cache
Menschen Mensch-Hannover Daniel Pflieger fährt 2500 Kilometer für den Cache
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16:56 09.07.2018
IN DER HEIMAT: Geocacher Daniel Pflieger ist 21 Tage unterwegs – mit dem Fahrrad und einem GPS-Gerät. Auch in seiner Heimat Hannover machte er Station. Quelle: Frank Wilde
Hannover

Dieser Mann hat ein verrücktes Ziel: In 21 Tagen will er 2500 Kilometer mit dem Fahrrad durch Deutschland fahren – und das für einen Haufen Plastikdosen. Was erst einmal wie ein Scherz klingt, ist für Daniel Pflieger (34) ein Beruf, der Hannoveraner ist Geocacher.

Dieser Art der modernen Schatzsuche ist Pflieger vor zehn Jahren verfallen. „Ich habe damals noch als Heilerziehungspfleger gearbeitet und habe mit den Kindern Aktionen und Ausfluge gemacht“, erinnert er sich. „Irgendwann fällt einem nichts Neues mehr ein, aber ein Freund, empfahl mir Geocaching.“ Also zog er mit den Kindern „im eiskalten Februar“ los in die Eilenriede, auf der Suche nach einer Dose oder Box – und schnell packte ihn diese Faszination.

Es geht nicht um Geld, es geht nicht um wertvolle Dinge – in Pfliegers erstem Cache (deutsch: Versteck) lagen eine alte Brosche und eine Briefmarke. Es geht viel mehr um Punkte. „Statistik spielt eine Rolle, man wird belohnt mit einem guten Profil. Außerdem gibt es Länderpunkte.“ Und genau damit verdient der 34-Jährige heute sein Geld.

Info Geocaching

Geocaching ist eine Art moderne Schatzsuche. Statt mit einer Schatzkarte gehen Geocacher mit einem GPS-Gerät oder einem Smartphone auf Schatzsuche. Mitmachen kann jeder, wenn er ein paar Grundregeln beachtet: Boxen nicht vergraben, um die Umwelt zu schützen. Außerdem: keine Lebensmittel, Waffen oder Pornografie verstecken. Wenn man etwas findet, dann trägt man sich ins Logbuch ein, dass in der Box ist. Entweder man lässt den Gegenstand liegen oder tauscht ihn gegen einen gleichwertigen.

Mit der Firma „Geheimpunkt“, die er vor acht Jahren gründete, organisiert er Firmenfeiern und Aktionen für Gruppen, hat sogar einen mobilen Escape-Room. Außerdem ist „Cacher-Reisen“ das einzige Geocaching-Reisebüro der Welt. Er schickt Menschen weltweit auf die Suche nach versteckten Boxen – an ungewöhnlichen Orten. „Einige Sonderpunkte gibt es nur im brasilianischen Urwald oder in Tschernobyl.“

Um seine Sucht nach Geocaching loszuwerden, machte er sechs Monate Pause

Pflieger sucht auch gerne selbst – und erkannte das Suchtpotenzial der Jagd nach Punkten. „Man plant seine Bewegungen im Alltag, vernachlässigt seine sozialen Kontakte. Mit diesem Spiel kann man sich schnell in der Community einen Namen machen“, gibt Daniel Pflieger zu. Sechs Monate Pause und Erholung verordnete er sich, dann stieg er wieder ein ins Geocacher-Geschäft. Die Faszination ist geblieben: „Es wird nie langweilig, immer wieder steht man vor neuen Herausforderungen.“ Im Urlaub erschließt sich Pflieger mithilfe vom Geocaching gerne neue Gebiete. „Ich war mal mit meinen Kindern in Carrara in der Toskana. Wir sind durch einen stillgelegten Eisenbahntunnel gegangen, weil der Cache dahinter lag. Am Ende erreichten wir einen geheimen Strand in einer einsamen Bucht.“

Auf Tour: Schwerbepackt ist Geocacher Daniel Pflieger bei seiner Tour. Auf seinem Rad hat er auch einen Schlafsack und ein Zelt dabei – für „Plan A“. Quelle: Mathias Janke

Einige der Verstecke bleiben dem gelernten Heilerziehungspfleger lange in Erinnerung. „Ich war mal bei einem Cache, der in drei aneinander geschweißten Frachtcontainern versteckt war. Darin hatte jemand ein Grusellabyrinth gebaut. Sowas Großartiges gibt es immer mal wieder.“ Allein in Hannover und der Region sind 6000 Caches zu finden „Man wird nie fertig, weil immer wieder neue hinzukommen.“ Mit einer App, die von den Geocacher-Erfindern in Portland betrieben wird, geht Pflieger auf die Suche. Die App zeigt an, wie schwer der Cache zu finden ist, wie groß er ist – und wie das Terrain um den Cache gestaltet ist.

Daniel Pflieger unterstützt mit seiner Aktion auch die Arbeit von „1000plus“

2017 fuhr Pflieger für eine Promo-Aktion vom nördlichsten zum südlichsten Punkt Deutschlands. Seine aktuelle Fahrrad-Mission quer durch Deutschland startete er in München, „das Ziel liegt irgendwo bei Nürnberg“, wo er am 18. Juli eintrifft. Auf dem Rundkurs besucht er jede Landeshaupt, sammelt Punkte, veranstaltet abends Geocacher-Treffen, übernachtet und fährt weiter – bis zu 175 Kilometer pro Tag. Zwar hat er Zelt und Schlafsack dabei, aber meist werden ihm Schlafplätze angeboten. Die Tour ist auch eine Spendenaktion für „1000plus“, das Projekt hilft ungewollt schwangeren Frauen.

www.1000plus.net

Von Karina Hörmann

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