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KAUZIGER KERL: Holger Paetz ist Herr der Stimmungen. Er weiß, was die Deutschen bewegt und wie sie damit umgehen.

KAUZIGER KERL: Holger Paetz ist Herr der Stimmungen. Er weiß, was die Deutschen bewegt und wie sie damit umgehen.© Archiv

Interview

Er drückt sich nicht vor bissigen Themen

Er beleuchtet Politisches mit einer Portion schwarzem Humor: Holger Paetz (65) nimmt bei der Veralberung von Politikern kein Blatt vor den Mund. Am 4. November kommt er mit „Ekstase in Würde“ nach Hannover.

Hannover. Herr Paetz, was hat Sie zuletzt in Ekstase versetzt?
Das muss ich überlegen. Also so richtig ekstatisch gefreut habe ich mich neulich, als es warm war und mein Auto unter den Linden gestanden hat. Es war eine ziemlich negative Ekstase. Wenn die Läuse so runterkacken, geht das nicht mehr weg. Ich bin gleich in die Waschanlage, und es ging gerade noch weg.

Wie passt da eigentlich zusammen – Ekstase und Würde?
Eigentlich überhaupt nicht. Und das hat mir gut gefallen. Ekstase ist eine unbeherrschbare Angelegenheit, Würde genau das Gegenteil. Es ist symptomatisch für uns Deutsche, egal ob Nord, Süd, West oder Ost, dass wir uns nicht ekstatisch zeigen. Dabei herrscht im Karneval teils totale Enthemmung. Aber im Prinzip geben wir uns beherrscht, weil es gesellschaftlich nicht gewünscht ist. Auch im Vollsuff versucht man noch, im Rahmen zu bleiben (lallt). Eine südamerikanische Studentin hat mal gesagt: „Der Deutsche in der Straßenbahn sieht aus, als wäre er gerade durch eine Prüfung gefallen.“

In Ihrem Programm geht es auch um einen Mann, der die Welt in eine Art Ekstase versetzt hat – Donald Trump.
Bezüglich Trump nervt es sehr, dass von den Medien dauernd versucht wird, ihn wegzuschreiben. Nach dem Motto: Jetzt ist er gleich verschwunden! Genau dann habe ich das Gefühl, dass er sich immer mehr verfestigt, egal, was für einen Blödsinn er von sich gibt. Je mehr über ihn geschrieben wird, desto mehr wird er bestätigt. Fast zwangsläufig.

Wonach schauen Sie eigentlich, wenn Sie Ihr Programm schreiben?
Ich mache immer wieder Rückblicke, vierteljährlich. So bin ich ständig mit der Aktualität befasst und versuche gar nicht erst, mich vor unangenehmen Themen zu drücken. Die Leute erwarten das von einem Kabarettisten auch. Aufreger wie die Jamaika-Koalition, AfD, die Wahl – kommt alles auch bei mir vor.

Gibt es nicht viel zu wenig politisches Kabarett?
Grundsätzlich, ja. Das, was uns im Leben betrifft, sind ja Auswirkungen von Politik. Deshalb kann es eigentlich nicht genug Kabarett geben. Macht hat es verdient, veralbert zu werden. Sonst wird sie zu stolz. Was ich nicht mag, sind Kollegen, die den erhobenen Zeigefinger rausholen. Das ist albern.

Parodieren Sie eigentlich noch Prominente?
Wenn’s geht schon. Es gibt Kabarettisten, die haben eine tolle Begabung für so etwas. Und andere, die länger brauchen, bis sie jemanden drauf haben. Ich gehöre zu den Letzteren. Jeder hat versucht, Edmund Stoiber zu parodieren. Jetzt wo er kein Amt mehr hat, gelingt es mir endlich ziemlich gut (lacht).

Naja, dafür können Sie Camilla Parker Bowles ...
Das ist ein paar Jahre her, dass Camilla und Charles so ein Top-Thema waren. Ich bin mit meinem Kumpel Ulli Bauer auf Tour gewesen – er hat sich den Charles zugetraut und sprach: „Gut, dann bist Du Camilla!“ Das sah kostümiert auch erstaunlich gut aus und es war ein totaler Spaß, eine Frau zu spielen. Und dann noch diese!

Sie sind Bayer und spielen bei uns in Hannover. Mögen Sie die Stadt?
Als Bayer in Hannover gefällt es mir sehr gut. Die Stadt hat so eine mittlere, überschaubare Größe, etwa wie Nürnberg. Und ich mag diese von – uns aus gesehen – norddeutsche Art.

Und die ist wie?
Schnell im Kopf und lachbereit. Das gefällt dem Kabarettisten.

  • Holger Paetz ist am 4. November ab 20.20 Uhr in der Tanzschule Step by Step (Melanchthonstraße 57) zu Gast. Tickets: 24, ermäßigt 18 Euro.

Von Mirjana Cvjetkovic