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SEIN PLATZ: Tobias Tiedtke freut sich auf das Beachvolleyballturnier auf dem Steintorplatz.

SEIN PLATZ: Tobias Tiedtke freut sich auf das Beachvolleyballturnier auf dem Steintorplatz.
© Frank Wilde

NP-Porträt

Er baut einen Event auf Sand

Am 26. April rollen 17 Lkw mit tonnenweise Sand an: Es ist wieder Zeit für das Beachvolleyballturnier am Steintorplatz. Zum 23. Mal baggern und pritschen Promis und Profis mitten in Hannovers City. Möglich macht das dieser Mann: Die NP traf Tobias Tiedtke (49) kurz vor Beginn seines sportlichen Jahres-Highlights.

Hannover. Dieser Mann steht gern im Sand – und das nun schon zum 23. Mal. Tobias Tiedtke (49) veranstaltet das große Volleyball-Spektakel am Steintor. Für vier Tage werden ab Mittwoch wieder 500 Tonnen Sand mitten in der City aufgeschüttet. „Als ich mit einem Kumpel auf die Idee gekommen bin, Beachvolleyball in der Stadt zu veranstalten, haben uns alle für verrückt erklärt“, sagt Tiedtke rückblickend.

Volleyball liegt dem Hannoveraner im Blut – schon zu Schulzeiten hat er die Volleyball-AG für seine Mitschüler geleitet. Danach verselbstständigte sich die Laufbahn des 49-Jährigen: „Ich hatte mehr Glück als Verstand, habe mich selbstständig ge­macht und eigentlich keine Ahnung gehabt. Klinken putzen, Sponsoren gewinnen, das war für unser Turnier wichtig – und das konnte ich.“ Zwölf große Events macht Tiedtke im Jahr mit seiner eigenen Sportmarketing-Agentur. Leidenschaft treibt ihn an. Zur rechten Zeit am rechten Ort gewesen zu sein, hilft ihm. Doch er ist auch ein Perfektionist bei diesem ganz speziellen Event in seiner Heimat: „Ich musste mit der Zeit lernen, dass ich nicht alles selbst machen kann. Zu Beginn des Turniers habe ich alles organisiert, aufgebaut, als DJ bei der Party aufgelegt und moderiert. Das ist nun etwas anders.“ Viele Freunde haben sich mit der Zeit engagiert und helfen bei der One-Man-Show: „Es ist abwechslungsreich und wird immer attraktiver. Ich liebe den Job, den ich mache. Es macht einfach Spaß.“

Doch in dem Organisationstalent steckt auch ein weicher Kern. „Am letzten Tag des Turniers breche ich meistens zusammen und weine. Wenn alles gut gelaufen ist, alle glücklich sind und es Applaus gibt, dann werde ich emotional. Ich bin echt nah am Wasser gebaut“, gibt der Sportbegeisterte zu. Ge­fühlsmäßig hat sich einiges in den Jahren für ihn verändert. „Die Leistung steht viel mehr im Vordergrund. Vor einigen Jahren haben Teilnehmer sogar mal das Finale verschlafen, weil sie in der Nacht zuvor zu viel gefeiert hatten“, witzelt der Veranstalter, „inzwischen ist es hochwertiger Leistungssport. Stimmung und Publikum sind aber immer noch toll.“ Die Profis sammeln bei dem Turnier wichtige Punkte für die deutsche Meisterschaft. Die Hannoveraner kennen den Event längst, aber dennoch: Das olympische Gold im Beachvolleyball von (26) 2016 hat noch einmal einen „Aha-Effekt gebracht und gezeigt, dass es nicht nur Spaßsport ist“.

Wer, wie Tiedtke, alles selbst macht, muss privat meist zurückstecken. Jahrelang machte er keinen Ur­laub, denn „nach der Saison ist vor der Saison“. Wenn im Winter die Open-Air-Veranstaltungen flachfallen, ist er als DJ für Firmenfeiern un­terwegs: „Mir wurde klar, dass es so viel zu sehen gibt auf der Welt. Vor ein paar Jahren habe ich angefangen, Fernreisen zu machen.“ Australien und Neuseeland hat er lieben gelernt – doch auch eine Frau konnte sein Herz erobern. Seit Dezember ist Tiedtke an eine Lehrerin aus Lüneburg vergeben. Die Liebesgeschichte ist einzigartig: Über einen Freund lernten sich die beiden kennen, telefonierten nur und verabredeten sich schließlich für Silvester – ohne sich vorher gesehen zu haben. Fazit: Seine Freundin hat sich nach Hannover versetzen lassen, ihre Wohnung aufgegeben und ihre Sachen bei Tiedtke untergestellt. „Als wir uns kennenlernten, war ihr schon klar, dass sie sich ein Jahr Auszeit nimmt. Ich habe sie auf Hawaii besucht, aber wenn sie im Mai wiederkommt, zieht sie gleich zu mir.“ Er weiß: „Ich brauche jemanden, der versteht, was ich mache.“ Viel Glück!

Von Karina Hörmann