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IM RAMPENLICHT: Emilia Schüle ist eine gefragte Schauspielerin.

IM RAMPENLICHT: Emilia Schüle ist eine gefragte Schauspielerin.
© EPA

Filmstar

Emilia Schüle macht sich lieber „seelisch nackt“

Mit Werbespots und kleinen Nebenrollen fing sie an, im zweiteiligen Hannover-„Tatort“ war sie „Das Wegwerfmädchen“. Derzeit ist Emilia Schüle (24) eine der gefragtesten Schauspielerinnen in Deutschland – und seit zehn Jahren im Geschäft. Die NP sprach mit ihr über nackte Haut, Heimweh und die Leistungsgesellschaft.

hANNOVER. Vier Kinofilme mit Ihnen innerhalb weniger Wochen: Wie geht das?

Ich habe einfach viel gearbeitet im vorigen Jahr. Dabei ist übrigens auch noch ein fünfter Kinofilm entstanden: „Professor Wall im Bordell“ mit Hanns Zischler und mir. Und ich habe die Fernsehserie „Charité“ abgedreht.

Ein bisschen viel, oder?

Ich wusste, dass dieses Jahr krass wird und ich ein bisschen auf mich aufpassen muss. Aber ich wollte es genau so, denn die Zeit war großartig. Es gibt nicht so viele tolle Hauptrollen für Frauen, was ich traurig finde. Da will ich mich nun wirklich nicht beklagen über so viele ganz unterschiedliche Filme.

In „Es war einmal Indianerland“ laufen Sie viel im Bikini rum, in „High Society“ in schwarzer Lederunterwäsche ...

Die nackte Haut hält sich ja in Grenzen. Ich zeige nichts, was man nicht auch in jeder Zeitschrift abdrucken könnte. Ich habe auch noch nie eine komplette Nacktszene hingelegt. Vor der Kamera mache ich mich lieber seelisch nackt, nicht körperlich.

Wie wichtig ist auf dem roten Teppich perfektes Aussehen?

Ich habe ein Team, das mir bei solchen Auftritten viel abnimmt: eine Stylistin, einen Maskenbildner, einen Presseagenten, eine Schauspielagentin, jemanden, der mir Züge und Hotels bucht. Früher bin ich mit Jeans und Turnschuhen aufgekreuzt, das geht heute nicht mehr. Ich will mich auf die Filme konzentrieren. Für mich ist das die gesündeste Arbeitsaufteilung, seit ich so viel in der Öffentlichkeit unterwegs bin und mich schützen muss.

Kann man in digitalen Zeiten das eigene Bild in der Öffentlichkeit noch kontrollieren?

Bei meinem eigenen Profil im Netz weiß ich genau, was aus meinem Privatleben dort einfließt. Andererseits aber leben wir in einer Zeit, in der es völlig in Ordnung ist, jederzeit von jemand anderem gefilmt zu werden. Diese Bilder werden dann auf diversen Plattformen hochgeladen und verschwinden nie wieder aus dem Netz.

Tun Sie was dagegen?

Genau deshalb umgebe ich mich ja mit einem professionellen Team, um zumindest bestimmte Bereiche zu kontrollieren. Wenn allerdings irgendwo etwas über meinen Ex-Freund und mich steht, kann ich nichts dagegen machen. Glücklicherweise habe ich aber noch nicht viele negative Dinge erlebt.

Sie sind seit zehn Jahren im Geschäft. Haben Sie als Teenager etwas verpasst?

Ich bin nicht nächtelang durch die Straßen gezogen und habe mich an langen Wochenenden auch nicht gelangweilt. Ich habe gedreht und musste in der Schule viel nachholen. Der „Tatort“ „Wegwerfmädchen“ ist parallel zur Abiturprüfung entstanden. Klar war das eine Doppelbelastung, aber eine schöne. Vielleicht habe ich manches verpasst, aber noch mehr gewonnen.

Ihre familiären Wurzeln liegen in Russland: Haben Sie sich je vorstellen können, dort zu leben?

Überhaupt nicht. Das ist so unvorstellbar weit weg, beinahe so weit wie Australien. Ich bin aber vor ein paar Monaten dorthin zurückgekehrt für ein Lufthansa-Projekt, das „Inspired by Heimweh“ hieß. Aus diesen Momenten ist ein toller Film entstanden – so habe ich die Reise auf Youtube mit anderen geteilt. Für mich war die Reise eine Chance, aber auch die Flüchtlingskrise spielte dabei eine Nebenrolle.

Wie das?

Ich bin eben nicht nur Deutsche. Und das Schicksal zweier Kulturen teilen heute viele Menschen in diesem Land, egal ob sie aus Syrien, Afghanistan oder der Türkei kommen. Darauf habe ich mit dem Film hinweisen können, und solche Inhalte möchte ich abseits des roten Teppichs vermitteln

Kennen Sie persönliche Zukunftsängste?

Ängste weniger, aber ich bin mir bewusst, dass es nicht unbedingt so bleiben muss. Dieses Bewusstsein hilft mir umso mehr, dass Hier und Jetzt wirklich zu genießen. Ich weiß um die Vergänglichkeit dieses Glücks.

Beziehen Sie zu politischen Fragen öffentlich Stellung?

Ich bin Botschafterin des Kinderhilfswerks Plan und in dieser Funktion auf die Philippinen gereist, um mit einer Klimaaktivistin zu reden. Wegen Überschwemmungen verlieren dort immer mehr Menschen ihr Zuhause.

Im Drama „Jugend ohne Gott“ geht es um die Leistungsgesellschaft: Beobachten Sie so etwas in Ihrer Generation?

Der Leistungsdruck beginnt schon in der ersten Klasse mit der Notenverteilung. An den Noten wird dein Wert gemessen. Der Einzelne wird nicht gefördert, besondere Talente werden geradezu gleichgeschaltet. Es geht in der Schule nicht um die Entwicklung der Persönlichkeit.

Höre ich da Wut heraus?

Ich empfinde es als großes Glück, dass ich die Schauspielerei zu meinem Beruf machen konnte. Kaum ein anderes Hobby wird in der Schule so sehr unterstützt. . Bei anderen werden persönliche Interessen regelrecht abgetötet. Man soll erst mal diesen Schulkreislauf absolvieren – und danach ganz plötzlich wissen, wer man sein möchte.

Von Stefan Stosch