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Mensch-Hannover Eliot Sumner: Ich bin kein Popstar
Menschen Mensch-Hannover Eliot Sumner: Ich bin kein Popstar
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22:26 09.02.2018
Hannover

Ihr Sound ist melancholisch, manchmal sehr dunkel. Warum eigentlich?
Ich liebe es, mit Emotionen zu spielen. Ich glaube, ich schreibe am besten, wenn ich müde oder krank bin. Oder verkatert. Weil ich dann emotionaler bin.

Wie viel Persönliches geben Sie in Ihrer Musik preis?
Ich würde sagen, dass all meine Tracks, ob als Eliot Sumner und auch Vaal, eine solide Zusammenfassung meiner Persönlichkeit sind.
Welche Themen platzieren Sie besonders gern – gehört Gender dazu?

Ich lasse so ziemlich alles einfließen. In meinem Song „Species“ geht es um eine neue menschliche Gattung. Eine Spezies, bei der alle gleich sind und auch anerkennen, dass sie derselben Spezies angehören. Ich möchte in einer Welt leben, in der wir uns alle als Einheit begreifen – unabhängig von Ge­schlecht, Hautfarbe und Religion. Wir sind alle eine Spezies. Wir sind alle Menschen. Ich möchte in einer toleranten Welt leben. Das bedeutet, alles zuzulassen, ohne es zu verurteilen. Dafür müssen wir die Etiketten, Stempel und Schubladen erst einmal loswerden.

Vaal ist das komplette Gegenteil von „I Blame Coco“. Wie kam es zu der Verwandlung?
Es war weniger eine Transformation als die Tatsache, dass ich endlich die Musik machen konnte, die ich eigentlich von Anfang an machen wollte. Ich war sehr jung, als ich mit „I Blame Coco“ Musik machte. Viele Leute um mich herum haben damals von mir erwartet, dass ich ein Popalbum mache, dass ich ein Popstar werde,  weil sich das am besten verkauft. Aber ich bin kein Popstar.

Warum glauben Sie das?
Ich habe diesen X-Faktor einfach nicht. Er interessiert mich auch nicht. Also habe ich meine Karriere systematisch sabotiert, sie bald zum Erliegen gebracht, um die Möglichkeit zu bekommen, das zu tun, was ich wirklich tun möchte. Ich musste erst lernen, ich selbst zu werden.

Und wie sieht das aus?
Ich habe gern unterschiedliche Projekte, eines davon ist Vaal. Das Konzept dahinter ist, die Musik pur für sich selbst sprechen zu lassen. Und das tat ich – ganze vier Jahre lang, bevor ich meine elektronischen Produktionen jemandem vorgespielt habe! Ab diesem Zeitpunkt ging es relativ schnell bergauf für mich in der elektronischen Musikszene.

Es heißt, Sie finden deutsche Musik super.Ich höre sehr gerne Kraftwerk. Die sind gut darin, ihre Musik zu konzeptionieren und gleichzeitig zu vereinfachen. Meine Musik tendiert dazu, oft etwas kompliziert zu sein. Deswegen liebe ich Songs, die brillant klingen, aber gleichzeitig einfach gestrickt sind. Aber bewusst beeinflussen lasse ich mich nicht.

Wie gut sprechen Sie mittlerweile Deutsch?
Ich stehe noch am Anfang. Für den Bäcker reicht es gerade so.

Lernen Sie die Sprache aus Liebe zu Ihrer Freundin, weil es Ihnen leicht von der Hand geht oder weil Sie mittlerweile in Berlin leben?
Ich lerne gerne Sprachen, wenn ich mal nicht im Studio oder auf Tour bin. Und da ich nun häufig in Berlin weile, bin ich sehr interessiert, auch die Sprache zu lernen. Ich spüre eine ganz bestimmte Verbindung zu der Stadt: die Menschen, die Atmosphäre - das ist genau das, was ich brauche. Ich brauche diesen ständigen Austausch. Ich brauche diese Gegensätze. Das Chaos auf der einen Seite. Und die Ruhe auf der anderen Seite. Berlin bietet all das.

Wenn Sie zu uns nach Hannover, auf die „Ramba-Zamba“-Party an den Weidendamm, kommen, haben Sie dann Schokolade im Plattenkoffer?
(Lacht) Ich durfte früher als Kind nie Süßigkeiten essen. Jetzt habe ich Schokolade für mich entdeckt und bin – fast – süchtig danach. Zum Glück finde ich ja an jedem Flughafen einen Duty-Free-Shop, um den eventuell aufkommenden Heißhunger zu stillen.

Ihr Vater Sting auf der Tanzfläche – würden Sie das wollen, er das mögen?
Wohl eher nicht. Ich versuche das zu trennen: hier meine Eltern, dort meine Musik.

Mirjana Cvjetkovic

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