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Schauspielerin Elena Uhlig© Tobias Hase

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Interview

Elena Uhlig: "Ich bin kein Bambi und keine Elfe"

Schluss mit Diäten! Schauspielerin Elena Uhlig (40) hat einen sehr humorvollen Anti-Fitness-Ratgeber geschrieben. Am 9. März liest sie aus „Mein Gewicht und ich“. Die NP sprach mit ihr über den Hüter ihres Gewichts, die beste Bolognese und erste Falten.

Was ist Ihr Lieblingsgericht?

Spaghetti Bolognese! Das Geheimnis ist, dass man die Sauce unheimlich lange köcheln lassen muss, dann entfalten die Tomaten ein ganz tolles Aroma. Ich mach die Bolognese abends, sie steht vier bis fünf Stunden auf dem Herd - und schmeckt am nächsten Tag am allerbesten.

Sie schreiben: „Essen ist die wahre Liebe“.

Das stimmt auch. Ohne Trinken stirbt man nach drei Tagen, Trinken ist viel lebensnotwendiger. Wenn man an Essen denkt, dann läuft einem doch das Wasser im Mund zusammen, oder? Allein die Vorstellung ist schon ein Glücksgefühl! Ich finde es schlimm, dass Essen heute so verpönt ist. Einerseits werden im TV massenhaft Kochshows gezeigt, auf der anderen Seite hält einem die Gesellschaft und vor allem die Filmbranche vor, dass man eben nicht futtern sollte. Zusammen kochen, an einem Tisch sitzen - das ist doch großartig!

Sie haben sich das oft versagt, oder?

Ich habe nie verzichtet. Ich bin eben ein Genussmensch. Aber zwischendurch hatte ich immer Phasen, in denen ich mich kasteit habe. Vor der Berlinale. Vor Filmpremieren. Vor Drehstarts. Dann steht „die Öffentlichkeit“ vor der Tür und erwartet ein Bild, das ich nicht erfüllen kann. Aber ich habe jetzt gesagt: Schluss damit! Ich mache keine Diät mehr.

Wann haben Sie Ihre erste Diät gemacht?

Ich glaube, mit 14 Jahren habe ich das erste Mal leicht gehungert. Ich hatte Liebeskummer, zweifelte an mir - und dachte, alle anderen sind schlanker als ich.

Welche Art Buch haben Sie geschrieben?

Keinen Ratgeber mit erhobenem Zeigefinger. Die Buchhandlungen haben „Mein Gewicht und ich“ aber zwischen Diättipps und Ernährungsratgebern eingeordnet - da gehört es aber gar nicht hin! Ich sehe es eher im Regal für Unterhaltung und Frauenliteratur, ich habe das ja alles sehr humorvoll aufgeschrieben, erzähle aus meinem Leben. Man soll mit mir lachen.

Wie sind die Reaktionen der Leserinnen?

Bisher durchweg positiv, das sehe ich vor allem in sozialen Netzwerken wie Facebook. Und das macht mich sehr glücklich. Denn es geht ja vielen Frauen so wie mir - bei Kleidergröße 42 ist in den meisten Läden die Welt zu Ende oder man landet in der Übergrößen-Ecke. Und ich verspreche auch: Ich schreibe nächstes Jahr kein Diätbuch (lacht).

Was erwarten Sie nun von Regisseuren und Casting-Agenturen?

Weiterhin gute Rollen. Ich bin ja zum Teil selber Schuld an der Misere, weil ich mich nie getraut habe, aus dem Teufelskreis auszubrechen. Ich bin 1,76 Meter groß und habe keine langen blonden Locken. Deshalb war ich eher immer auf den Typ „beste Freundin“ in Filmen abonniert. Ich bin, wie ich bin - kein Bambi und keine zarte Elfe. Aber auch für „normale“ Frauen gibt es genug Rollen. Ich bin 40, bekomme Falten. Man muss in diesem Beruf lernen zu altern.

Wollten Sie schon immer Schauspielerin werden?

Mit fünf Jahren wollte ich Taxifahrerin werden (lacht). Aber dann war Schauspiel mein Ziel. Ich bin Düsseldorferin, also ein Karnevals-Kind - da will man natürlich die Prinzessin spielen.

Was war das schlimmste Diät-Erlebnis?

Trennkost war schlimm. Noch nie war ich so hinter einer Scheibe Brot her, ich konnte keinen klaren Gedanken mehr fassen.

Sport war auch nichts für Sie?

Der Wahn rund um Sport ist nichts für mich! Ich gehe gerne stundenlang spazieren, auch eine Runde Minigolf oder Volleyball mit Freunden mache ich mit. Wenn wir baden gehen, schwimme ich auch mal fünf Bahnen - aber nicht 2000 Meter. Radfahren interessiert mich nur auf der Ebene, ich strample keinen Berg hoch.

Da hat auch der Personal Trainer nicht geholfen?

Meine Erlebnisse mit drei Personal Trainern waren sehr effektiv. Aber es hat mir keinen Spaß gemacht, ich habe null Glückshormone ausgeschüttet, die dauernd versprochen werden.

Was hat Ihr Lebenspartner Fritz Karl im Kampf gegen das Gewicht für eine Rolle gespielt?

Er war immer pro-Uhlig! Er ist der Hüter meines Gewichts. Wir sind beide Genießer, wissen aber auch, dass man für den Job eine gewisse Fitness braucht. Und dass die Branche das Gewicht von Frauen nun mal strenger beurteilt. Also sagt er mir: „Die zweite Cola braucht es jetzt nicht.“ Und er hat gesagt: „Schreib doch einen Anti-Fitness-Ratgeber“, als er nach der Geburt unseres dritten Kindes das Gejammer nicht mehr hören konnte.

Wie ging es Ihnen beim Schreiben?

Es war eine Befreiung! Ich habe in den drei Monaten mein Leben Revue passieren lassen - und einen Schnitt gemacht.

Ausverkaufte Lesung am 9. März ab 19.30 Uhr in der Buchhandlung Leuenhagen & Paris (Lister Meile 39).

NPVISITENKARTE - Elena Uhlig

Geboren am 31. Juli 1975 in Düsseldorf. Elena Uhlig hat eine deutsche Mutter und einen griechischen Vater. Studium an der Schauspielschule „Ernst Busch“ in Berlin. Ihre erste Rolle im Horrorfilm „Schwimming-Pool“ bringt eine Gewichtskrise – Uhlig muss für die Bikiniszenen massiv abnehmen. Und für die nächste Rolle im TV-Film „Problemzone Mann“ wieder 20 Kilo drauffuttern. Bekannt wird sie 2002 mit der Sat.1-Serie „Mit Herz und Handschellen“ an der Seite von Henning Baum, im Kinohit „Alles auf Zucker“ spielt sie die Lilly. Uhlig hat mit dem österreichischen Schauspieler Fritz Karl (48) zwei Söhne und eine Tochter, das Paar lebt in der Nähe des Traunsees.


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