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Mensch-Hannover Ein Topmodel gibt Gas - mit links
Menschen Mensch-Hannover Ein Topmodel gibt Gas - mit links
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06:16 27.07.2012
MIT VOLLGAS: Normalerweise steht Mario Galla auf dem Laufsteg, am Dienstag saß er nach langer Zeit mal wieder am Steuer. Quelle: Rainer Dröse
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Hannover

Aus dem Funkgerät knistert es. „Der Nächste“, meldet die Stimme der Fahrtrainerin. Und Mario Galla (27) gibt Vollgas. Er rast auf die Hütchen, die vermeintlichen Hindernisse, zu und bremst leider ein bisschen zu spät - eines schleift er nach dem Ausweichen noch ein paar Meter unter dem Auto mit. „Du musst von Anfang an zu hundert Prozent auf die Bremse treten“, mahnen ihn die Trainer. Galla nickt cool - und stellt sich wieder hinten an, für den nächsten Versuch.

Bremsen und Gas geben, das passiert bei Galla alles mit dem linken Fuß. „Das kann ich hier einstellen“, erklärt er und zeigt auf einen speziell eingebauten Schalter neben dem Fahrersitz. Am rechten Bein trägt er eine Prothese, die bereits 2010 für Aufsehen sorgte, als das Topmodel bei einer Schau von Star-Designer Michael Michalsky erstmals mit kurzer Hose auf dem Laufsteg stand. An diesem Tag sitzt er nach fast sechs Jahren erstmals wieder im Auto - beim Audi-Fahrsicherheitstrainig für Menschen mit Handicap auf dem ADAC-Gelände in Laatzen - und hat sichtlich Spaß. „Ich bin quasi der einzige Unsportliche hier“, scherzt der schöne Blonde mit Blick auf die vielen Profisportler mit Handicap, wie Handbiker Vico Merklein oder Skiprofi Michael Kröner, die ebenfalls über das Gelände heizen, Notbremsung oder Ausweichen üben.

Beim Autofahren hat Galla keine Probleme. Auch mit dem Wirbel um seine Beinprothese, die er trägt, weil er mit verkürztem Oberschenkel geboren wurde, geht er lässig um: „Ich finde das nicht schlimm, das verschafft mir neue Möglichkeiten.“ Dennoch setzt der Hamburger nicht nur aufs Modeldasein (obwohl es da „als Mann mit 27 erst richtig losgeht“) und den Verkauf seiner Biografie. Neben Schauen und Shootings in ganz Europa studiert er in seiner Heimatstadt Medien und Information. „Man braucht immer einen Plan B im Leben“, sagt er und tritt wieder aufs Gaspedal seines speziell umgerüsteten A5.

Am Rande der Strecke schwingt sich Roman Pott (39) gerade geschickt aus dem Rollstuhl in den Fahrersitz. Der querschnittsgelähmte Hannoveraner hat seine Auto-Leidenschaft zum Beruf gemacht - er berät Menschen mit Handicap rund ums Thema Mobilität, kennt Hersteller, Fahrschulen und Technologien. „So ein Sicherheitstraining macht Spaß, aber es hat für mich auch einen hohen Nutzen“, erklärt er. „Ich bin beruflich mehr als 50000 Kilometer im Jahr unterwegs.“ Gaspedal und Bremse bedient er problemlos mit einem Handgerät. „Es ist toll, dass man heute Hobby und Beruf nachkommen kann, ohne auf andere angewiesen zu sein.“

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