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Tolles Team (von links): Nico Kukeburg (Patissier), Robert Awakjan (Souschef), Elke Wacker (Service), Benjamin Gallein (Küchenchef), Oliver Fabris (Restaurantleiter und Sommelier). Foto: Sielski

Gastro-Szene

Ein Sternekoch „aus der Not heraus“

Ein Michelin-Stern für die „Ole Deele“ in Burgwedel: Erneut wurde das Gourmet-Restaurant ausgezeichnet –
 mit Benjamin Gallein (29) hat schon der dritte Küchenchef in vier Jahren die anspruchsvollen Kritiker überzeugt.

Burgwedel. Der Druck war gewaltig, die Erleichterung gestern Mittag groß: Um Punkt zwölf Uhr verkündete der Guide Michelin, welche Restaurants mit Sternen dekoriert werden. „Da hat sich ein kleiner beruflicher Lebenstraum erfüllt“, gesteht Benjamin Gallein (29) der Neuen Presse nur 35 Minuten später. Der Chefkoch der „Olen Deele“ in Burgwedel tritt in große Fußstapfen: 2011 hatte Andreas Tuffentsammer (29) den Stern geholt, zwei Jahre später hatte dessen Nachfolger Tony Hohlfeld (26) die Auszeichnung verteidigt.

„Das waren fünf ereignisreiche Monate“, sagt Gallein mit einem zufriedenen Seufzer. Erst seit Juni steht er in der „Olen Deele“ am Herd. Sein Vorgänger Hohlfeld hat gerade das erste eigene Restaurant „Jante“ in Hannovers Südstadt eröffnet. Viele Wechsel in dem Burgwedeler Gourmet-Restaurant – doch die Qualität in der Küche blieb über die Jahre konstant. 16 Punkte hatte auch vor wenigen Tagen der Gault Millau vergeben. „Das war ein Wink“, findet Gallein. Seine Chefin, Restaurantbesitzerin Elfrun Kühn, war angesichts des Michelin-Termins sogar so entspannt, dass sie trotzdem in Urlaub fuhr: „Sie hat aber gleich aus Kapstadt angerufen und gratuliert.“ Während in Burgwedel mit Champagner angestoßen wurde.

Dabei hätte Gallein einst sicher nicht gedacht, dass für ihn mal ein Stern glänzen würde. Warum ist er Koch geworden? „Aus der Not heraus“, gesteht er und lacht. Nach der zehnten Klasse habe der gebürtige Magdeburger nicht so recht gewusst, was er anfangen soll: „Da hat meine Mutter mir einen Ausbildungsplatz gesucht. Ich bin da reingerutscht, habe vorher nie gekocht oder daheim mal in der Küche geholfen.“ Doch sein Ehrgeiz war bald geweckt: „Ich habe kapiert, dass Gastronomie mehr ist als McDonald’s.“

Seine weiteren Stationen nach der Hotelfachschule in Dresden sind beeindruckend: Gallein arbeitete für Silvio Nickol (40) im Wiener Palais Coburg (zwei Sterne), für Peter Maria Schnurr (46) im Leipziger Falco (zwei Sterne) und zuletzt zusammen mit Achim Schwekendiek (50) im Schlosshotel Münchhausen (ein Stern).

Bleibt er der „Olen Deele“ länger treu als seine Vorgänger? „Da spricht nichts dagegen“, sagt Gallein und schwärmt vom tollen Team in Küche und Service. „Ich fühle mich wohl hier, habe freie Hand und kann unsere Ideen umsetzen.“ Nach Kapstadt zur Chefin schickt er ein „großes Dankeschön für ihr Vertrauen“. Andrea Tratner


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