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Mensch-Hannover Rossini: Ein Großhändler wird richtig groß
Menschen Mensch-Hannover Rossini: Ein Großhändler wird richtig groß
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17:23 13.06.2018
Der Chef: Sauro Mariotti hat in seinem Großhandel an der Tillystraße rund 400 Sorten Wein im Programm – bald erweiterter sein Sortiment. Quelle: Frank Wilde
Hannover

„Ich wollte das gar nicht, aber es muss sein“, sagt Sauro Mariotti (59) und seufzt mit Blick auf den kleinen Hof voller Transporter und Pallettenberge. Voraussichtlich ab November werden der Händler und sein Team Wein, Kaffee, Fleisch, selbstgemachte Pasta, Käse, Öl, Essig und sizilianische Tomaten auf dem 17 000 Quadratmeter großen Gelände an der Mercedesstraße 3 neben dem Flugzeug-Restaurant „Silbervogel“ verkaufen. „Hier findet man ja seit zehn Jahren kaum noch einen Parkplatz“, sagt Mariotti über den alten Laden.

An der neuen Adresse gibt es nicht nur zahlreiche Parkplätze für Gastronomen und Privatleute – es ist auch viel Raum zur Erweiterung des Sortiments vorhanden. „Ich möchte mehr frische Lebensmittel von kleinen italienischen Produzenten, aber vor allem saubere Ware ohne Glyphosat und Genmanipulation anbieten“, kündigt der 59-Jährige an. Auch das wird die Stammkundschaft freuen: Im neuen Geschäft soll es auch ein Bistro geben, „mit Kleinigkeiten wie Frühstück, zwei Pastagerichten oder einem Salat“.

Die letzte Abnahme der Stadt ist für Oktober geplant, danach soll es im Rossini XXL losgehen, hofft der Händler. Kein günstiges Projekt. „Ich hatte mit ein paar Millionen Euro gerechnet“, sagt Mariotti, „aber das reicht nicht. In Deutschland brauchst du ja für alles eine eigene Tüv-Plakette.“ Rund 500 Gastronomen aus ganz Norddeutschland kaufen bei ihm ein, die 40 Sorten hausgemachte Pasta genießt man in etlichen Restaurants der Stadt. Dauerbrenner sind die Ravioli mit Steinpilzen. Kunden lieben aber auch Gnocchi mit Kichererbsen oder Pasta mit Ziegenkäse und Orangensenf.

Diese Erfolgsgeschichte war nicht abzusehen, als Sauro Mariotti in den 80er Jahren nach Hannover kam und zunächst mit Kunst handelte. „Meine Leidenschaft“, sagt er schwärmerisch, „ich hätte gerne Kunstgeschichte studiert, aber das hat mein Vater nicht erlaubt.“ Er jobbte als Kellner im „Piazza Navona“ am Raschplatz, schob in der Baggi-Disko Nachtschichten an der Bar – übrigens an der Seite des heutigen „Zaza“-Chefs Jürgen Uhlenwinkel (58). In dieser Zeit lernte Mariotti auch Kino-König Achim Flebbe (66) kennen, mit dessen finanzieller Unterstützung er 1988 das Restaurant Rossini an der Ferdinandstraße eröffnete. Als 1997 der Großhandel dazu kam, wurde es zu viel. Mariotti übergab das Lokal an seinen damaligen Koch Gaetano Bertini, der das Restaurant bis heute führt. „Man kann nur eine Sache richtig machen“, findet der Gastro-Experte.

Und die macht Mariotti, der bis zu 14 Stunden täglich arbeitet, offenbar richtig. Und nun auch richtig groß.

Von Julia Braun

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