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FREUT SICH AUF DIE KUNSTAKTION: Stefan Hoch ist gespannt darauf, was sich die Teilnehmer des kreativen Treffens einfallen lassen.

FREUT SICH AUF DIE KUNSTAKTION: Stefan Hoch ist gespannt darauf, was sich die Teilnehmer des kreativen Treffens einfallen lassen.
© Frank Wilde

Kunstaktion

Ein Denkmal für Edmund Koken

Vergangenheit trifft Zukunft: Der Hannoversche Künstlerverein lädt Freitag, 19. Mai, zur Kunst-Aktion in die Kokenstraße – eine Hommage an das Gründungsmitglied Edmund Koken. Street-Art-Künstler Stefan Hoch (41) ist gespannt auf die Ideen der Teilnehmer! Die NP traf den Mann, der Hannovers Straßen gerne etwas bunter macht.

Hannover. Die Kokenstraße in Hannovers Mitte. Parallel zur rummeligen Berliner Allee ist es hier fast so still und beschaulich wie auf dem Gemälde, das Freitag ab 17 Uhr bei der Kunstaktion des Hannoverschen Künstlervereins die Hauptrolle spielt. „Abendstimmung“ hat der Landschafts- und Porträtmaler (41), der Jugendliche und alle anderen Teilnehmer in die Mal-Aktion einbeziehen will.

Was hat er für eine Beziehung zu Koken? Hoch schmunzelt und gesteht: „Ich kannte ihn gar nicht, habe wohl an ihm vorbeigelebt. Schwitters finde ich spannender.“ Nachvollziehbar, da der gebürtige Bremerhavener, der in Hannover visuelle Kommunikation studiert hat, in Lindens Velberstraße der Dada-Ikone ein haushohes Denkmal gesetzt hat. 2011 schuf Hoch zusammen mit anderen Künstlern das Wandbild an einer Fassade – „jeder hat damals sein Puzzleteil entworfen“. Jetzt wird das Gemälde von einem Neubau verdeckt. „Ich war vergangene Woche da und hab mir das angeschaut“, sagt der Wahlberliner ein wenig wehmütig. „Das ist nun mal die Vergänglichkeit des Irdischen.“

Mit der kennt sich der Mann mit der Sprühdose aus, Hoch hat sich als Graffiti-Künstler und Illustrator (er zeichnet die Kinderrätsel auf der Familienseite in der Sonnabend-NP) einen Namen gemacht. Er hat oft erlebt, dass seine Werke eine Woche später schon wieder übermalt wurden.

Als 14-Jähriger stand er staunend vor bunt besprühten Wänden, zeichnete Graffitis nach – bis er die erste Srühdose in die Hand gedrückt bekam. „Ende der 80er gab es noch kein Internet, keine Graffiti-Magazine“, erinnert er sich. In Hamburg suchte er nach Ideen, verknipste von der S-Bahn aus bei jedem Besuch drei Filme – „und die Hälfte der Bilder war dann unscharf“, erinnert er sich.

Heute sei die Kunst anerkannter, die Akzeptanz steige. Der Grund: „Die Leute wachsen damit auf.“ Er sieht auch den „Banksy-Effekt“, seit der anonyme Brite seine Spuren in den Metropolen der Welt an den Wänden hinterlässt. Hoch, engagiert in der „Graffiti Lobby“ und bekannt für seinen Figuren-Stil, stellt aber klar: „Illegale Schmierereien sind Schrott.“

Freitag geht es nicht nur darum, mit Sprühdosen zu arbeiten, auf großen Leinwänden und Pappflächen kann auch mit Pinseln eine Koken-Hommage gestaltet werden. Los geht es um 17 Uhr. „Damit wir das Licht der Abendstimmung einfangen können“, hofft Hoch.

Von Andrea Tratner