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Edouard Neumann bringt als Clown Edouardissimo sein Publikum nicht mit Worten, sondern durch seine ausdrucksstarke Pantomime zum Lachen.
Foto: Wilde

Clown Edouardissimo

Edouard Neumann erzählt Geschichten ohne Worte

Edouard Neumann (45) ist weitgereist und einer der Besten seiner Zunft. Beim Zirkus Roncalli war er Hauptclown. In der neuen GOP-Show „Clowns Comedy“ macht er reichlich Quatsch auf der Bühne und führt Regie. Die NP hat ihn getroffen.

Hannover. Auf der Bühne kennt man ihn mit dicker Clownsnase, ganz viel Schminke und noch mehr Charme – den hat er auch hinter den Kulissen. Ansonsten ist Edouard Neumann (45) in seinem grauen Nadelstreifenanzug mit rosafarbenem Hemd kaum wiederzuerkennen. Bei seinen Pantomime-Szenen als Clown ist er eher wortkarg. Privat scheint er die auf der Bühne gesparten Wörter unbedingt loswerden zu wollen. Kein Wunder! In dem 45-Jährigen steckt eine Riesenportion Leidenschaft: „Leute zu unterhalten, ist wie eine Droge für mich. Mit der Körpersprache einen Gegenstand, eine Situation und dadurch eine Geschichte darzustellen, ist für mich immer wieder eine Entdeckung“, sagt der in Russland geborene Künstler.

Durch die Vorliebe seines Vaters für den Zirkus stand der Artist bereits mit fünf Jahren das erste Mal auf der Bühne, interessierte sich dann aber doch mehr fürs Ringen und Boxen. Mit zwölf nahm ihn dann ein Freund mit ins Pantomime-Thater von Pensa – und er blieb hängen. Von seinen Anfängen erzählt der Profi besonders gern und viel. „Ich entwickelte Schritt für Schritt eine Liebe für diese Kunst. Pantomime hat etwas mit Körperplastik und Eleganz zu tun“, beschreibt der Künstler, „es ist wie eine Lupe, die Alltägliches in übertriebenen Emotionen darstellt.“

Dabei geht er als Clown Edouardissimo auf der Bühne nicht nach dem Lehrbuch vor. „Ich habe einen großen Rucksack voller Erfahrungen, die mir beim Geschichtenerzählen ohne Worte helfen“, so der Künstler. Und den packt er liebevoll und trickreich auch in seiner neuen Show im GOP-Varieté aus. Dank seiner Tochter hat der Wahl-Berliner eine besondere Beziehung zum GOP. „Als ich 2000 im GOP Essen spielte, kam meine Tochter kurz vor der Show auf die Welt. Ich bin vom Kreißsaal auf die Bühne gehüpft“, so der Comedy-Clown. Da seine Frau kurz nach der Geburt wieder tanzen wollte, nahm er ihre Tochter mit zu seinen Auftritten. „Sie hat unter meinem Schminktisch in den Varietés gelegen und geschlafen“, erzählt der Vollblut-Entertainer.

Nach etlichen Jahren im Job holt er sich neue Ideen auch beim Publikum. „Die Zuschauer sind wie ein visuelles Buch. Ich achte auf jede Pointe und Reaktion, verändere immer wieder Nuancen“, erklärt Neumann seine Kniffe. Deshalb lugt der selbsternannte Perfektionist auch zwischen seinen Auftritten immer wieder durch die Vorhänge. Sein Handwerk hat Edouard Neumann übrigens vier Jahre an der Kiewer Zirkusschule in der Ukraine gelernt. „Meine Mutter sah mich als Arzt“, erinnert er sich. Und der Papa war sicher begeistert, oder? „Er war Feuer und Flamme.“ Der 45-Jähirge lächelt.

Schon im Abschlussjahr reiste er mit seiner Clowns-Gruppe durch die damalige Sowjetunion und wurde international bekannt. Zirkus Roncalli engagierte ihn als Hauptclown. Mit Sergej Maslennikow (33) tourte er als Duo „KGB-Clowns“ (eine Abkürzung für „Kunst der Gestik und Bewegung“) ziemlich erfolgreich um die Welt. „Wir sind auch in Frankreich, England und Deutschland aufgetreten, doch das beste Publikum gibt es in Deutschland“, sagt der Komiker, „das liegt an der Mentalität. Die Deutschen verstehen den Humor, nehmen ihn an.“ Damit meint Neumann die Art von Clown, die er verkörpert. „Die Menschen kannten doch nur banale Clowns, die viel zu derbe waren. Ich hasse solche Clowns seit meiner Kindheit. Es steckt so viel mehr dahinter“, sagt der Mann mit den vielen Gesichtern. Das zeigt er den Zuschauern auf der Bühne auch: mit liebevoll ausgedachten Geschichten, trickreicher Akrobatik und urkomischer Pantomime.

Der Comedian ist stolz auf seinen Beruf: „Es ist mit Mut und Zusammenreißen verbunden. Es kostet Kraft, Zeit und Überwindung, aber es lohnt sich für das Schmunzeln, Lachen und Klatschen der Zuschauer.“ Er ist eben als Bühnenmensch geboren. Aber privat ist Edouard Neumann auch ganz liebenswert – und natürlich immer für einen Scherz zu haben. Chiara Olthoff


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