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Mensch-Hannover Hayali: "Fehler verzeiht uns Journalisten keiner"
Menschen Mensch-Hannover Hayali: "Fehler verzeiht uns Journalisten keiner"
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00:21 09.03.2018
Dunja Hayali vor dem Talk bei der Sir-Grenne-Sitftung. Quelle: Schaarschmidt
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Hannover

Nein, dass sie diejenige ist, der die Fragen gestellt werden, mag sie eher nicht. „Aber es nützt ja nix.“ Denn aus diesem Grund ist Dunja Hayali (43) schließlich überhaupt nach Hannover gekommen: Die Journalistin war bei der Sir-Greene-Stiftung des Presseclubs Hannover zu Gast, sprach da über das Thema „Qualitätsjournalismus – und wie er möglich ist.“

Gut 200 Gäste, darunter Studenten, Professoren, Journalisten, Vertreter der Stadt (Kulturdezernent Harald Härke, 63) und Stadtgesellschaft (Bernd Voorhamme, 71, vom Einzelhandelsverband) waren Montagabend in die Räumlichkeiten des Sparkassenverbandes an den Schiffgraben gekommen, um Hayali zu sehen, ihr beim Gespräch mit Sat.1-Moderatorin Antonia Wellmann (35) zuzuhören.

Die 43-Jährige weist diese dann auch gleich darauf hin, dass es ihr manchmal gelingt, das Fragesteller- Antworter-Spiel umzudrehen – und beweist das auch gleich: „Haben Sie den Film vorher schon gesehen?“, will die Moderatorin des ZDF-„Morgenmagazins“ über den zuvor gezeigten kurzen Einspielfilm zu Hayalis Person von Wellmann wissen. Und da ist er, dieser Zug zum Tor, den die Sportreporterin von einst zu der erfolgreichen und gefragten Journalistin hat werden lassen. Ein Handy klingelt im Saal. Und wieder. „Wer ist das?“, frotzelt Hayali, „früher musste man dafür eine Kiste Bier ausgeben“, Gelächter.

„Meine Facebookseite ist wie mein eigenes Wohnzimmer"

Für Getränke ist der Zeitpunkt aber noch nicht gekommen, viel zu spannend ist das, was die Tochter irakisch-christlicher Eltern zu erzählen hatte. Zum Beispiel zum Thema Hassmails. Davon bekommt die Frau leider jeden Tag so einige: „Als ich mich zur Essener Tafel geäußert habe, ging es auf meiner Facebookseite ordentlich ab,“ berichtet sie. Aber nicht nur bei aktuelle Themen zieht Hayali den blanken Hass von Menschen auf sich – „meine Herkunft ist auch immer ein Thema“.

Sie erträgt das aber nicht stoisch oder duckt sie weg, im Gegenteil. Hayali stellt sich der Sache: „Ich gebe ihnen Raum“, sagt sie über ihre Hater, die zwar nur einen kleinen Bereich einnehmen würden, aber sehr laut seien. Sie tritt in Dialog mit den Menschen, die sie aus der Anonymität des Internets heraus beschimpfen und beleidigen.

Sie tut es nach einer (scheinbar) ganz einfachen Regel – der Netiquette. „Meine Facebookseite ist wie mein eigenes Wohnzimmer. Wer sich dort schlecht benimmt, den schmeiße ich auch raus.“ Es ist spannend, wie authentisch sie rüberkommt, wie durchdringend ihre Statements sind: „Schnellschüsse in unserem Beruf sind schwierig. Wenn wir Fehler machen, verzeiht uns das keiner“, sagt sie über ihre Arbeit. „Deshalb ist es wichtig, dass Journalisten Zeit für Recherche bekommen, ihr Handwerk richtig lernen, Kapazitäten haben.“

Schlimmstes Interview mit Ivanka Trump

Unterhaltsam plaudert sie von „einem der schlimmsten Interviews, die ich seit Langem geführt habe“, nämlich dem mit Ivanka Trump (36). Die Tochter von US-Präsident Donald Trump (71) beantwortete ihre Frage nämlich gar nicht, verabschiedete sich rascher als geplant. Hayali schlägt die Hände über dem Kopf zusammen: „Mein Vater ist auch Arzt. Deswegen operiere ich noch lange nicht“, erklärt sie ihre Haltung zur Trump-Familie mit klaren Worten. Offen – so kann man die Person, die 2007 als erste Frau mit Migrationshintergrund (sie sagt übrigens konsequent Migrationsvordergrund) die Hauptnachrichten eines öffentlich-rechtlichen Senders moderiert hat, beschreiben. Was ihr Privat- und Innenleben anbelangt, hält sich Hayali da deutlich bedeckter.

Eine Ausnahme war ihre emotionale Dankesrede, als sie 2016 die Goldene Kamera in der Kategorie „Beste Information“ erhalten hatte: „Wenn Sie sich rassistisch äußern, dann sind Sie verdammt noch mal ein Rassist“, hatte sie da gewettert – und stehende Ovationen erhalten. Darauf angesprochen, reagiert sie immer noch emotional: „Der Tag wird ein Highlight in meinem Leben bleiben.“

Als Highlight haben auch die Gäste den (leider viel zu kurzen) Talk empfunden. Die Sir-Greene-Stiftung, die junge Journalisten stärker fördern, mehr Stipendien verteilen will, möchte fortan mehr solcher Veranstaltungen machen. Vielleicht sollte man da einfach mehr Zeit für journalistische Fragen und Reaktionen aus dem Publikum einräumen – eine knappe Stunde war da wenig.

Mirjana Cvjetkovic

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