Navigation:
GENIESSER: Dieter Adler ist gerne in der List unterwegs, bummelt mit Frau und Freunden oder liest Krimis.

GENIESSER: Dieter Adler ist gerne in der List unterwegs, bummelt mit Frau und Freunden oder liest Krimis.© Behrens

|
Leute

Dieter Adler fliegt Ruhestand davon

Er ist längst eine Sportreporter-Legende: Dieter Adler. Jetzt denkt er über seine Memoiren nach.

Hannover. Sechs Mal war er als Reporter bei den Olympischen Spielen im Einsatz. Er kommentierte grandiose Siege und sportliche Niederlagen. Der heute 76-Jährige war Zeitzeuge bei dem Terroranschlag auf die israelische Olympia-Mannschaft 1972 in München und erlebte von seinem Hotelzimmer aus 1996 das Bombenattentat in Atlanta. Dieter Adler war für die Leichtathletik-Fans das Fernsehgesicht - mit Ernst Huberty und Adi Furler war er einer der ersten „Sportschau“-Moderatoren. 1988 kam Adler nach Hannover, war zunächst Leiter der Sportredaktion beim Hörfunk, moderierte „Hallo Niedersachsen“ und war Chef vom Dienst bei der Fernsehredaktion Aktuelles.

2002 wurde er pensioniert, danach saß er noch für Premiere bei internationalen Veranstaltungen am Mikrofon. Heute genießt er das Leben, Worte wie „Ruhestand“ oder gar „Rentner“ kennt er nicht. „Ich lebe ohne zeitliche und thematische Zwänge“ sagt ein sichtbar erholter Dieter Adler.

Seinen Haarkranz hat er abrasiert, die Glatze verleiht seinem gebräuntem Gesicht etwas Markantes: „Ich bin voller Schaffenskraft, aber ich lasse mir die gewonnene Freizeit nicht durch Arbeit verderben“, sagt er und lacht. Es sei wunderbar, wenn man erst mittags frühstücken könne, ohne Hektik und Ziel in „seinem Revier“ über die Lister Meile schlendern könne, einen Krimi lesen, ins Kino gehen oder mit Frau und Freunden im Kaffee Kreipe zu plaudern. Dreimal in der Woche gehts ins Fitnessstudio, sagt Adler, der während der WM in Sevilla 1999 einen Herzinfarkt erlitten hatte. „Ich habe heute viel mehr soziale Kontakte als früher.“ Zu Olympia nach London ist er nicht gefahren, er hat die Wettkämpfe am Fernseher gesehen. „Ganz ehrlich: Hinzufahren ist mir zu teuer. Und am Fernseher kann ich vieles besser sehen.“

Mit alten Kollegen hat er keinen Kontakt mehr, mit Gerd Rubenbauer, mit dem er jahrzehntelang als Reporterpaar gearbeitet hat, hat er in den letzten zehn Jahren nur „zweimal telefoniert“. Adler findet das nicht schlimm: „Das ist vorbei. Ich hänge nicht an der Vergangenheit und sitze nicht wie andere Ex-Kollegen in der NDR-Kantine am Maschsee. Man sollte sich rechtzeitig auf den neuen Lebensabschnitt einstellen“, rät Dieter Adler.

Ganz ohne Arbeit geht es aber nicht. Gerade hat er die Chronik der Sparda-Bank abgeschlossen, im August sprach er im SWR über das München-Attentat und die Folgen. „Ich überlege, ob ich meine Erinnerungen aufschreiben soll. Aber ich habe mir nie Notizen gemacht und müsste viel recherchieren“, wägt er ab. Seine Augen blitzen dabei fröhlich. Und man ahnt, dass ihn auch diese Arbeit nicht schrecken wird.