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Mensch-Hannover Dieses Duo lässt die Artisten im GOP tanzen
Menschen Mensch-Hannover Dieses Duo lässt die Artisten im GOP tanzen
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22:29 04.02.2019
Kennen sich seit 2012: Lih Kun Wong und Teloy komponieren die Musik zur aktuellen GOP-Show „Dummy Lab“. Quelle: Michael Wallmüller
Hannover

Während die Artisten in der GOP-Show „Dummy Lab“ an Reifen durch die Luft schwingen oder über die bewegliche Bühne tänzeln, lässt Lih Qun Wong (38) die Saiten ihres Cellos erklingen. Teloy (50), der sich den Künstlernamen Reecode gegeben hat, pumpt dazu harte Bässe in den Raum. Sein Gesang und die sphärischen Melodien wirken emotional, aber nicht kitschig. Schnell wird dem Publikum klar: Diese Show ist anders.

„Niemand spricht oder erzählt Witze und keiner fordert Applaus ein“, erklärt Teloy, „das irritiert anfangs viele.“ Seine Musiker-Kollegin Wong ergänzt: „Für das Publikum ist das eine tolle Möglichkeit, völlig in die Show einzutauchen.“

Emotionen bei Elektro

Die gebürtige Australierin versteht ihr Handwerk. „Mit sechs Jahren begann ich, Cello zu spielen“, erzählt sie. Zu dem Zeitpunkt hatte sie schon drei Jahre Klavierunterricht hinter sich. „Meine Mutter wollte eigentlich, dass ich wie mein älterer Bruder Violine spiele“, gesteht sie lachend, „aber als ich zum ersten Mal jemanden Cello spielen sah, wollte ich das unbedingt auch tun.“ Später studierte sie klassische Musik in ihrer Heimat Melbourne. Damals lernte sie elektronische Musik kennen und lieben. „In der Klassik geht es um Perfektion“, sagt sie, „in der Elektromusik steht die Emotion mehr im Vordergrund.“

In Aktion: Das Duo spielt sphärische Klänge, die gut zu der besonderen Show passen. Quelle: Frank Wilde

Teloy wuchs in Heilbronn auf und entdeckte seine Passion für Elektro mit 14 Jahren. „Mein erstes Instrument war jedoch meine Stimme“, betont der Klangkünstler, der seine auffallend blauen Augen meist hinter einer dunklen Sonnenbrille verbirgt. Neben der Musik begeistert er sich für Architektur. „Mein Plan war es, bis zu meinem 30. Lebensjahr meinen Rock’n’Roll-Traum zu leben und dann Architektur zu studieren“, erinnert er sich. Genau so sollte es kommen. Doch nach drei Jahren musste eine Entscheidung her. „Ich konnte Musik und Studium nicht länger unter einen Hut bringen“, so Teloy. Er wählte die Musik und zog 1988 nach Berlin.

2015 verließ auch Wong ihre Heimat, um in Berlin zu leben. „Ich fühle mich sehr wohl in Deutschland, aber ich vermisse die Sonne“, gibt die Mutter einer sechsjährigen Tochter zu.

Dicke Freundschaft seit 2012

Bei den Proben für die erste Dummy-Show, die 2012 als Wintervarieté aufgeführt wurde, begegneten sich Teloy und Wong zum ersten Mal. Seitdem verbindet die beiden eine dicke Freundschaft. „Er muss mich nur ansehen und weiß, ob ich traurig oder müde bin oder ob ich Hunger habe“, sagt Wong und lacht. Eine gute Verbindung zueinander ist nicht selbstverständlich, aber hilfreich. „Unsere Musik ist live“, stellt Teloy klar, „wir reagieren auf die Artisten und ihre Bewegungen und sie reagieren auf uns.“ Wong fügt hinzu: „Wenn die Künstler eine Bindung zueinander haben, entsteht auf der Bühne eine besondere Energie.“

Damals beim Wintervarieté erfuhr Teloy zum ersten Mal, was Lampenfieber bedeutet. Eine Woche musste er wegen Krankheit pausieren. Als er wieder auf der Bühne stand, erwischte es ihn. „Es kam wie aus dem Nichts“, erzählt er, „sogar der Boden schwankte.“ An der beweglichen Bühne lag es nicht. Die war nämlich kaputt. „Ein Desaster“, stellt Teloy fest. Wong nahm ihn nach der Show tröstend in den Arm. „Und plötzlich stand die ganze Künstlertruppe da in einer großen Gruppenumarmung“, so der Musiker, „danach spielten wir alle Shows, als wären wir eine einzige Person.“

Alle Songs selber komponiert

„Dummy Lab“ ist nun die Weiterentwicklung aus der früheren Dummy-Show. Alle Songs haben Teloy und Wong selbst komponiert. Ein bestimmtes Genre bedienen sie mit ihrer musikalischen Arbeit nicht. „Es lässt sich kaum in Worte fassen“, fasst Teloy zusammen. Muss es vielleicht auch gar nicht. Schließlich inszeniert auch die Show Realitätsebenen, die nicht immer greifbar sind. „Ich habe so viele Jahre immer die Musik von anderen gespielt“, resümiert Wong, „in dem, was wir tun, kann ich endlich mich selbst ausdrücken.“

Die Show „Dummy Lab“

„Sind alle drin?“, fragt eine körperlose Stimme in den Zuschauerraum des GOP. Elektronische Bässe wummern, sphärische Klänge versetzen das Publikum gedanklich an einen anderen Ort – ins „Dummy Lab“. So heißt die aktuelle GOP-Show.

Sie ist in vielerlei Hinsicht besonders. Beeindruckende Artistik trifft auf überraschende Videokunst, hochmoderne Bühnentechnik und fast surreal anmutende Live-Musik.

Vivian Spiral spinnt ein Netz aus Lichteffekten, grafische Muster klettern über ihren Körper. Der schwerelose Tanz mit einer Schaufensterpuppe ist ein optisches Funkenfeuerwerk in glühendem Orange. Die Bühne hebt sich. Fortan bewegen sich die Künstler auf dem um 45 Grad gekippten Boden. Klangkünstler Reecode vereint seine elektronischen Kompositionen mit den weichen Tönen von Lih Qun Wongs Cello. Was sich unter Alessandro Di Sazios Füßen biegt und dehnt, ist kein Netz, sondern clevere Lichtkunst. Realität und Illusion verschwimmen. Genau das ist die Kernfrage im Dummy Lab: Was ist echt und was nicht?

Wer das erleben will, hat im GOP (Georgstraße 36) bis zum 28. April Gelegenheit dazu. Tickets für die Show gibt es ab 24 Euro. Alle Informationen findet man online unter

www.variete.de

Von Janina Scheer

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