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HARMONIEREN GUT: Ecki Stieg (links) und George Kochbeck.

HARMONIEREN GUT: Ecki Stieg (links) und George Kochbeck.
© Nancy Heusel

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Dieses Duo lässt Emil Noldes Bilder erklingen

Eine große Doku, die am Sonntag im Fernsehen läuft, würdigt zum 150. Geburtstag das Wirken des norddeutschen Malers Emil Nolde. Komponist George Kochbeck (61) hat für den film die Musik geschrieben und Journalist Ecki Stieg (56) hat aus dem Material eine CD zusammengestellt.

Hannover. Unterschiedlicher können zwei Menschen kaum sein – der eine exzentrisch in Schwarz gekleidet, die Augen mit Kajal geschminkt; der andere lässig in Jeans, langes Haar, offenes Hemd, die Ärmel hochgekrempelt. Auch musikalisch haben Ecki Stieg (56) und George Kochbeck (61) einen ganz und gar unterschiedlichen Geschmack: „Ich glaube, nicht eine Platte aus unseren Plattensammlungen ist deckungsgleich“, sagt Stieg, schmunzelt und fügt hinzu: „Naja, vielleicht doch, David Bowie.“ Doch Kochbeck winkt gleich ab: „Nee, den findest du eher in der Sammlung meiner Frau.“

Trotzdem sind die beiden musikalisch ein eingespieltes Team. Gerade diese Woche haben sie ein neues Album herausgebracht. 15 Titel sind darauf, „Nolde“ heißt es. Es ist die Filmmusik zu dem Dokumentarfilm „Emil Nolde – Maler und Mythos“ des Regisseurs Wilfried Hauke (60) zum 150. Geburtstag des norddeutschen Malers. Am Wochenende läuft die Doku im Fernsehen (Sonntag, 6. August, 10.15 Uhr bei 3sat und 11.30 Uhr beim NDR). In dem Film zeichnet Hauke nicht nur das Leben Noldes nach, sondern setzt sich auch mit seiner Nähe zum Nationalsozialismus auseinander.

George Kochbeck hat die Musik zum Film geschrieben und aufgenommen. Ecki Stieg hat dann aus dem Material die Titel herausgesucht, die jetzt auf dem Album zu hören sind. „Ich habe die Musik so geordnet, dass das Album auch für sich eine gute Eigendynamik hat“, sagt Stieg. „Den Film habe ich auch noch gar nicht gesehen, aber das Album soll ja auch ohne Film die Menschen erreichen.“ Zu hören sind ruhige, teils mystische, teils verträumte Klänge. Ein interessantes Crossover ist Kochbeck bei den Instrumentals gelungen, bei denen er mit der Gambenspielerin Irmelin Heiseke aus Hannover zusammenarbeitet. Die Gambe ist ein Mittelalterinstrument, das ein wenig an ein Cello erinnert. Bei der Musik kann man sich in eine andere Welt träumen, wer Emil Noldes Bilder kennt, wird sie vor seinem inneren Auge sehen. Ecki Stieg wird übriges in seiner Radiosendung Grenzwellen (Radio Hannover, ab 21 Uhr) am kommenden Mittwoch das Stück „At Lago Maggiore“ vorstellen. „Das ist überhaupt das erste Mal, dass ich es in diese Sendung geschafft habe“, lacht Kochbeck dazu.

Es ist übrigens nicht das erste Album, für das die beiden verantwortlich zeichnen: In der gleichen Fotm zusammengearbeitet haben sie auch bei dem Doppelalbum „The Luther-Code“ – die Filmmusik zu der sechsteiligen Arte-Dokumentation zu 500 Jahren Reformation.

Für die Kirche engagieren sich die beiden musikalisch auch mit großen Konzertprojekten: Für die 400-Jahres-Feierlichkeiten der Stadtkirche Bückeburg haben sie 2015 ein Mega-Konzert zusammengestellt und sich mit fast 200 Musikern auf eine musikalische Zeitreise begeben. Auch dieses Jahr treten sie live mit weiteren Musikern auf: Am 23. September (19 Uhr) geben sie das Abschlusskonzert der Reformationsfeierlichkeiten von Schaumburg-Lippe in der Bückeburger Stadtkirche. „Seit einem Jahr arbeiten wir daran“, erzählt Kochbeck. „Es ist eine Art Oratorium, in dem wir uns mit der Reformation beschäftigten und fragen, was sie heute für einen Stellenwert hat.“

Zwischen den Musikstücken gibt es auch Textblöcke, die Ecki Stieg geschrieben hat und vortragen wird. „Man muss nicht Martin-Luther-Fan sein, wir wollen zu einer Auseinandersetzung über seine Ideen anregen. Denn schließlich ging es ihm darum – und das ist auch immer noch hochaktuell – dass die Menschen sich nicht auf vorgefasste Interpretationen verlassen, sondern selbst hinterfragen und Eigenverantwortung übernehmen.“

Rund 100 Musiker sind an dem Projekt beteiligt, mit einem reduzierten Ensemble gehen Kochbeck und Stieg vorher auf Tournee. Übrigens – ein alter Bekannter ist dabei, mit dem Soulsänger Phill Edwards hat Kochbeck in den 1980er Jahren die Band Georgie Red gegründet hat. Nur eine Sache bedauert Kochbeck sehr: „Wir würden das Oratorium auch gern in Hannover aufführen, aber bisher haben wir noch keine Kirche gefunden, die bereit wäre.“

Von Maike Jacobs