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Mensch-Hannover Dieser Mexikaner leitet den größten Irish Pub in Hannover
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08:26 12.03.2018
HERZLICHER GASTGEBER: Pepe Sanchez García-Cubas betreibt vier Irish Pubs. „The Wild Geese“ am Raschplatz ist sein „Mutterschiff“. Quelle: Fotos: Behrens (3), Heusel
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Hannover

 An den Wänden tiefgrüne Tapeten mit verschnörkelten Goldornamenten, Bilder in wuchtigen Goldrahmen, auf den Regalen Schmöker, Flaschen, Tonkrüge, in denen einst Whiskey gelagert wurde. Den Kamin in seiner Lieblingsecke des Irish Pubs „The Wild Geese“ hat Pepe Sanchez García-Cubas (34) in der Nähe von Dublin entdeckt, ausgebaut und mitgebracht. Viele Schätze hat er auf irischen Flohmärkten gefunden. Seit Oktober hat der Pub am Raschplatz geöffnet – „ich nerve meine Mitarbeiter immer noch damit, dass ich Sachen verschiebe und umdekoriere“, gesteht Sanchez und lacht.

600 Quadratmeter hat das Lokal auf zwei Ebenen, vom ehemaligen „Mr. Q“ sind kaum noch Spuren übrig, zumal der Pub durch die Rundum-Vertäfelung eine dunkle, gemütliche Höhle geworden ist. „Vorher war das eher eine Vitrine“, sagt Sanchez über die Glaswände. „Das hatte kein Herz.“

Wärme und Lebensfreude, das will der 34-Jährige mit seinem Irish Pub vermitteln. „Das kenne ich aus meiner Heimat.“ Das Herz des Mexikaners schlägt für die grüne Insel – aber auch für Deutschland. Der Sohn eines Import-Export-Unternehmers besuchte in Mexiko-Stadt die deutsche Schule. „Meine Eltern fanden das System gut. Es war unbestechlich, für gute Noten musste man hart arbeiten.“ Die Grammatik- oder Aussprachefehler, die Sanchez macht, sind winzig, schon mit 14 Jahren kam er zum Schüleraustausch nach Deutschland – „ich habe mich hier gleich wohl gefühlt“.

In Bremen und Göttingen studiert er, in Hildesheim jobbt er in einem Irish Pub. „In einer Kneipe treffen sich Generationen, man unterhält sich mit Fremden, gewinnt neue Freunde oder neue Erkenntnisse – und am Ende gibt einer eine Runde aus“, umreißt er das Prinzip irischer Gastfreundlichkeit. Als der Pub 2012 dicht macht und er und die anderen kellnernden Studenten auf der Straße stehen, schreibt er einen Business-Plan, geht zur Bank und übernimmt den Laden. Dabei hatte er Arbeitsverträge von VW und Siemens auf dem Tisch liegen – „und ein Rückflugticket nach Mexiko“. Doch auch seinem Vater gibt der umtriebige Sanchez einen Korb. Denn: „Der Ball fing an zu rollen.“

Nach Hildesheim kommt ein „Wild Geese“ in Braunschweig dazu, dann übernimmt er die „Cille“ in der Asternstraße, 2014 hat er die nächste „verrückte Idee“. Sanchez kauft einen 7,5-Tonner, installiert zwölf Zapfhähne auf der Ladefläche, fährt damit auf Bier- und Stadtfeste. Vergangenes Jahr füllt er am Südufer die Maschsee-fest-Lücke, die die Temple Bar gerissen hat. „2018 wird alles noch viel größer und besser“, verspricht er.

Sein Herz und seine volle Konzentration gelten aber dem „Mutterschiff“ seines kleinen Imperiums am Raschplatz, dafür ist er auch im Herbst von Hildesheim in die List gezogen. „Die Investition war brutal, höher als ich eigentlich wollte“, sagt er über mehr als eine halbe Million Euro, die im Lokal stecken. „Aber viele Leute haben an mich geglaubt. Und ich kann gut kalkulieren“, sagt der Mexikaner, der „System und Struktur“ in seinem Leben sehr schätzt.

Und gleich noch eine kleine Revolution angezettelt hat: „Ich führe die einzigen Pubs in Niedersachsen, in denen kein Guinness ausgeschenkt wird.“ Stattdessen kommen englisches Newcastel („Ein Stilbruch – aber ich liebe dieses Bier!“), Murphy’s und die Eigenkreationen „Rebel Red“ und Crazy Mic“ aus den Zapfhähnen.

„Ein Mexikaner macht einen Irish Pub? Die Guinness-Leute haben sich totgelacht, die Brauerei hat mir sechs Monate bis zum Bankrott gegeben.“, erinnert sich Sanchez an den Hochmut der Iren. Der Mexikaner lacht nun zuletzt. Und könnte mit seinen Flohmarkschätzen locker noch einen fünften Pub eröffnen. „Ich habe da noch ein Lager ...“

Von Andrea Tratner

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