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 © Christian Behrens

NP-Porträt

Dieser Lions-Club-Präsident will Hannover bewegen

Lions-Club? Da denkt man schnell an ältere Herrschaften, die in ihrer üppigen Freizeit Gutes tun. Anders sieht das bei Peter Haberrecker (39) aus: Er steht für die neue Charity-Generation und ist Gründungspräsident des Lion-Clubs „Hannover Hannah Arendt“. Die NP traf den Juristen, der erst seit 2015 in Hannover lebt.

Hannover. Zum NP-Termin im „Coffee-Time“ an der Oper kommt er mit dem Fahrrad. Kurz geschorene Haare, stylische Brille, Dreitagebart, das Hemd lässig aufgeknöpft – Peter Haberrecker (39) entspricht nicht dem Klischee eines Lions-Präsidenten. „Wir sind auch nicht der High-Flyer-Verein mit vielen Millionären“, rückt er das Vorurteil gerade. „Der Rentner-Anteil liegt bei gerade mal zehn Prozent. Und ich bin nicht mal der Jüngste“, erzählt der Jurist vergnügt über Hannovers neuen Lions-Club, der sich den Namen der in Linden geborenen Publizistin Hannah Arendt († 69) gegeben hat.

Haberrecker ist „Gründungspräsident“, etwa eineinhalb Jahre begleitet er die „Findungsphase“ des Vereins – traditionell rotieren die Mitglieder im Präsidenten-Amt. „Es braucht Struktur und Hierarchie, aber der Titel ist nicht so wichtig. Wir sind ein zusammengewürfelter Haufen“, berichtet der Mann, der erst seit September 2015 in Hannover lebt, aber schon darauf brennt, in der Stadt etwas zu bewegen. Seine Mitstreiter sind Ärzte, Juristen, Beamte, auch Studenten sind dabei. Haberrecker leitet die Rechtsabteilung von CBR Fashion in Isernhagen, die die Marken Cecil und Street One vertreibt. „Eine Kollegin hat mich mitgenommen, ich konnte mal in Lions-Club-Abende hineinschnuppern.“ Die Idee entstand, mit 24 Mitgliedern eine neue Hannoverabteilung zu gründen: „So kann man selber gestalten.“

Als Namensgeberin haben sich die neuen Löwen Hannah Arendt ausgesucht: „Bürde und Selbstverpflichtung“, sieht Haberrecker darin. Aber auch ein Signal für die Ausrichtung, denn der Club will sich vor allem um die Themen Integration und Migration kümmern. „Hannah Arendt ist selber vor den Nazis geflüchtet.“ Die neuen Lions arbeiten sich derzeit an das Thema heran, laden zu ihren Treffen (jeden zweiten Dienstag und vierten Mittwoch im Monat im Central-Hotel Kaiserhof) Referenten ein – „wir brauchen Basiswissen“, findet Haberrecker. Das lieferte unter anderem die Landesbeauftragte für Migration, Doris Schröder-Köpf (53). Neu-Lion Haberrecker ist immer noch beeindruckt vom „Ruf der Lions – alle Türen stehen einem offen“.
Berührungsängste haben die jungen Löwen nicht: Zur Gründungsfeier ging es ins syrische Restaurant Al-Dar („Auch ein Signal“), eingeladen wurden auch Flüchtlinge, den Fest-Vortrag hielt der Kriminologe Christian Pfeiffer (73). „Er hat auch das Thema Kriminalität und Flüchtlinge angesprochen.“ Haberrecker habe kurz gezuckt. Aber: „Das Credo von Hannah Arendt war, dass man sich der Wahrheit und den Fakten stellen muss.“

Das Flüchtlingsengagement der Arendt-Lions muss erst noch ins Laufen kommen, untätig war der Club in den vergangenen Wochen trotzdem nicht. Im Edeka-Markt in Ronnenberg sammelten die Mitglieder 34 Kisten mit Lebensmittelspenden für bedürftige Hannoveraner. „Wir wollen was tun für Menschen, die es nicht so leicht haben im Leben.“ Ein zweiter Grund: „Die Mitglieder müssen sich erstmal untereinander kennenlernen. Und das geht besser, wenn man stundenlang gemeinsam auf einem Supermarktparkplatz steht, als in einer Sitzung im Hotel.“ Ein bisschen Opferbereitschaft gehört auch dazu – seinen 39. Geburtstag hat der Lions-Präsident auf den Fun-Kinderfestival verbracht. „Ich habe sechs Stunden nonstop den Hau-den-Lukas betreut“, erzählt er von der Herkules-Aufgabe und lacht: „Da gab es keine Sekunde Pause.“

Von Andrea Tratner