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FREUEN SICH ÜBER IHREFOOD-FESTIVALS: Die SchwesternSonja und Mirjana Schütze (links)lassen bald am Ballhof schlemmen.Fotos: Petrow (2), fremd.essen

FREUEN SICH ÜBER IHRE FOOD-FESTIVALS: Die Schwestern Sonja und Mirjana Schütze (links) lassen bald am Ballhof schlemmen.© Florian Petrow

Hannover

Diese Schlemmer-Schwestern organisieren Food-Festivals

Streetfood-Märkte boomen: Auch Hannoveraner haben Appetit auf Essen aus Foodtrucks. Die Schwestern Sonja (32) und Mirjana Schütze (28) sind auf den Truck aufgesprungen und organisieren Food-Festivals - Freitag und Sonnabend am Ballhof.

Hannover. Hannovers Ballhofplatz, kurz nach zwölf. Hier und da ein paar Spätfrühstücker, Bummler und Hobbyfotografen - ansonsten herrscht auf dem Flecken Stadtidyll fast kleinstädtische Ruhe. Nicht nur deshalb fallen an diesem Tag zwei junge Frauen besonders auf: Mit Klemmbrett, Lageplan und Bleistift gerüstet stehen Sonja (32) und Mirjana Schütze (28) neben dem Ballhofbrunnen, den Rest des Platzes fest im Blick. Immer wieder diskutieren sie, schreiten das Pflaster ab und machen sich Notizen.

Unter dem Motto „Ballhof isst fremd“ planen die Schwestern von „fremd.essen“ mit Gastronom Michael Solms (41) zurzeit einen der schönsten Streetfood-Märkte Hannovers. Freitag und Sonnabend wird auf dem historischen Platz Slow Food auf höchstem Niveau gekocht.

Seit rund einem Jahr organisieren die Schützes solche Märkte in und um Hannover und zeigen, wie vielseitig Genuss to go sein kann. „Unser Fokus liegt auf frischen, hochwertigen Speisen, die gerne auch etwas untypisch sind“, erklärt Mirjana Schütze. Kein Wunder, dass es von frittiertem Eis über Burritos bis zu indianischen Cachangas schon alles gab. „Normalerweise ist Essen bei Veranstaltungen immer eine Randerscheinung - bei uns steht es im Mittelpunkt“, ergänzt die 28-Jährige. Im Gegensatz zu Initiatoren großer Food-Festivals setzen die Schwestern vor allem auf regionale Anbieter: „Wir brauchen keine Stände aus München, sondern nehmen lieber jemanden aus Linden“, erklären sie ihr Credo. Der Erfolg gibt den Hannoveranerinnen recht: Mehrere tausend Besucher schlagen sich regelmäßig bei ihren Märkten die Bäuche voll.

Dabei ist es noch gar nicht lange her, da hatten die beiden nicht mehr als eine fixe Idee im Kopf: „Wir haben letzten Juli im Fernsehen vom Streetfood-Trend erfahren - damals war das in Berlin groß im Kommen“, sagt Sonja Schütze mit verschmitztem Lächeln. Das wird noch breiter, als ihre ältere Schwester hinzufügt: „Und weil wir wissen, dass Hannover immer ein, zwei Jahre hinterherhinkt, ahnten wir: Das könnte unsere Chance sein.“

Rund zwei Monate später folgte dann die Premiere: Im September wurden beim Fest der Kulturen auf dem Trammplatz und im Maschpark die ersten Foodtrucks aufgefahren: „Da haben wir gleich gemerkt, dass unsere Idee auch bei den Hannoveranern ankommt.“

Also ging es mit Volldampf weiter: „Wir haben recherchiert, genetzwerkt und viele Gespräche geführt.“ Im Akkord besuchten sie Rechtsanwälte und Initiativen, die jungen Start-ups auf die Sprünge helfen. „Das hat uns sehr geholfen, auch wenn das eine oder andere Gespräch fast schon Kult-Charakter hatte“, verrät die jüngere Unternehmerin, „ein Berater hat uns zum Beispiel nahegelegt, eng mit den Hells Angels zusammenzuarbeiten - sicher sei sicher.“ Aber man müsse ja nicht alle Tipps berücksichtigen: „Es waren auch so viele gute Ansätze dabei.“

Doch die Mädels von „fremd.essen“ wissen mittlerweile auch, dass selbst die besten Ratschläge nur bedingt helfen, wenn das Wetter und andere Umstände für erschwerte Rahmenbedingungen sorgen. „Bei unserer Premiere hat es beispielsweise nicht nur viel geregnet - vor dem Bahnhof fand ausgerechnet auch noch eine große Konkurrenzveranstaltung statt“, erinnert sich Sonja Schütze. Einige Anbieter hätten am Anfang gedacht, dass sie da mitmachen sollen. „Einer ist sogar erst zum Bahnhof gefahren“, verrät Mirjana Schütze und lacht.

Mittlerweile wissen die mobilen Gastronomen, was sie an den Food-Schwestern haben, „viele kommen jetzt auf uns zu und wollen mitmachen“. Nach ihrem Erfolgsrezept gefragt, machen es die Frauen ähnlich kurz wie bei der Umsetzung ihrer einstigen Geschäftsidee: „Man braucht ein Gespür für den Zeitgeist“, antwortet Sonja Schütze. Sie seien sich außerdem sicher, dass sich am Ende die Streetfood-Markt-Initiatoren behaupten werden, die nicht nur an größtmögliche Umsätze denken, sondern bei denen der Blick fürs Detail, die Besucher und das offene Ohr für die Standbesitzer vorhanden blieben. Und wohin soll diese Strategie noch führen? „Vielleicht schaffen wir es ja irgendwann mal zum Maschseefest - aber das ist noch ein weiter Weg.“

Jacqueline Wynes


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