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DIE SCORPIONS IN ACTION: Rudolf 
Schenker, Klaus Meine und Matthias Jabs (von links) wollen zwar 
keine Mammut-Tourneen mehr, 
haben aber sonst jede Menge Lust 
aufs fortgesetzte Scorpions-Sein.

DIE SCORPIONS IN ACTION: Rudolf
Schenker, Klaus Meine und Matthias Jabs (von links) wollen zwar
keine Mammut-Tourneen mehr,
haben aber sonst jede Menge Lust
aufs fortgesetzte Scorpions-Sein.© Lusa Manuel Almeida

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NP Interview

Die Scorpions machen weiter

Eigentlich wollten die Scorps nach ihrer Welttour aufhören. Dann aber erlebten sie auf 200 triumphalen Konzerten rund um den Globus, dass ihre Fans für ein Weitermachen plädierten. 2012 waren sie die weltweit erfolgreichste deutsche Liveband – und jetzt geht die größte deutsche Rock-Story weiter.

Hannover. Klaus Meine, 2012 waren Ihre Scorpions in Sachen Umsatz die weltweit erfolgreichste deutsche Live-Band.

Das war ein schöner Nachklapp zu diesem Jahr. Wir stehen auf Platz 38, außer uns sind nur noch Rammstein auf Platz 63, sonst ist da weit und breit keine deutsche Band. Und auch wenn man die Stones und Springsteen mit reinnimmt, sind nur sechs, sieben Rockacts dabei.

Hat dieser Erfolg die Entscheidung beeinflusst, jetzt doch weiter zu machen?

(lacht) Wir haben zweieinhalb Jahre Abschied genommen. Jetzt ist mal Schluss mit Abschied. Aber nein, das hat damit nichts zu tun. Es schmeckt einfach nichts süßer als der Erfolg. In den letzten Monaten gabs ja schon das eine oder andere relativierende Statement von uns in Interviews, wobei da jeder seinen eigenen Emotionen freien Lauf ließ, ohne dass es ein einheitliches Bandvotum gegeben hätte. Als 2010 das Album „Sting in the Tail“ fertig war, dachten wir: ,Wer weiß, ob wir sowas in dieser Qualität nochmal stemmen können?’ Aber wir stellten fest, da ist noch so viel Leben in den Skorpionen - das hat Gedanken ans Aufhören sehr verwässert.

Also: Es geht weiter.

Aber anders. Was definitiv zu Ende ist, ist das lange Touren. Wir haben jetzt 200 Konzerte rund um den Globus hinter uns, sind aufrecht durchs Ziel gekommen. Solche massiven Tourneen wird’s nicht mehr geben.

Gabs Kollegen, die versuchten, Ihnen das Ende auszureden?

Ja, zum Beispiel Joe Perry, der Gitarrist von Aerosmith, der sagte: „Gibt’s gar nicht. No way!“

Welchen Anteil hatten die Fans?

Die haben uns das Aufhören-Wollen von Anfang an schwer gemacht. Egal, wo wir aus dem Flieger stiegen, sie haben uns abgeholt. Und da ist hinter den treuen alten Fans eine ganze junge Generation nachgewachsen. Du siehst von der Bühne runter in die Gesichter von 16-Jährigen, die unsere Songs aus vollem Halse mitsingen. Was da für ein Energieaustausch stattfindet!

Sie haben sich auf dieser Tour auch Frankreich zurückgeholt.

In Paris konnten wir vor ein paar Jahren keine Telefonzelle ausverkaufen. Diesmal war das Bercy rappelvoll, 15000 Franzosen.

Warum also nicht doch noch eine Welttour irgendwann?

Schau die Stones an. Dass die in ihrem Jubiläumsjahr nur vier Konzerte gemacht haben, ist auch eine Aussage. Du kannst das auf diesem Mammutniveau nicht ewig machen. Und du willst auch nicht dass dein Rock’n’Roll-Hurricane zum „tropical storm“ zurückgestuft wird. Man muss täglich topfit sein, dieselbe Leistung abliefern. Und da gibt es diese Tage, wo der Sänger sich sagt: Jetzt wärst du doch lieber der Bassist.

Es gibt Leute, die sagen: Das war denen nie ernst mit dem Aufhören.

Klar, die sagen, das war alles nur eine Marketingidee. Aber dem ist nicht so. Es war ernst gemeint mit dem Aufhören, nur bin ich immer zu Tode erschrocken, wenn ich zwischen den Tour-Teilen in Hannover unterwegs war, und jemand rief über die Straße: „He, Klaus, wie fühlt sich das so an als Jungrentner?“ Kreativ sein geht mit Rente nicht zusammen. Die Golfplätze der Welt müssen noch eine Weile auf uns warten.

Wie sind die konkreten Pläne?

Ich habe bereits vor einem Jahr in den Tourpausen begonnen, an unvollendeten Songs aus den 80ern zu arbeiten, die eine fantastische Energie haben. Zum Teil haben sie nur Arbeitstitel, zum Teil singe ich von vorn bis hinten Unsinnstext darauf. Wir werden einiges fertigstellen, anderes völlig neu aufnehmen und ein schönes Paket für unsere Die-Hard-Fans schnüren. Unsere schwedischen Produzenten sind auch Feuer und Flamme. Und die lieben Hannover und die Wedemark …

Also gibt’s 2014 ein neues Album?

Obs schon 2014 herauskommt - so konkret sind wir noch nicht. Aber das Label will unbedingt. Das ist eine schöne Situation, wenn man im Herbst seiner Schaffenszeit nicht vom Hof gejagt wird.

Werden Sie die alten Alben remastert?

Mal schaun. Was auf jeden Fall kommt, ist ein Scorpions-Kinofilm. Kann sein, dass wir ihn zur Berlinale 2014 vorstellen.

Gibts schon ein nächstes Konzertdatum?

Am Wochenende sind wir in Moskau unplugged. Aber es ist kein öffentliches Konzert.

Apropos Moskau. Es war erstaunlich, von den Scorps nichts zu Pussy Riot zu hören.

Das war schon traurig, was da passiert ist. Es war natürlich auch eine extreme Provokation - in einer Kirche, das wäre auch bei uns keine Lappalie.

Aber niemand käme dafür in ein Lager. Warum haben die Scorps nichts gesagt?

Es hatten sich alle üblichen Verdächtigen zu Wort gemeldet. Und wir halten uns seit vielen Jahren zurück, was Politik, auch die innerdeutsche betrifft. Wir sind da viel vorsichtiger geworden.

Aber in diesem Fall wurde Ihre Kunst, der Rock’n’Roll, mundtot gemacht, in ein Lager gesteckt. Die staatliche Reaktion war völlig überzogen.

Absolut. Das mag mit der unfassbaren Größe und der Geschichte des Landes zusammenhängen, aber es war völlig unverhältnismäßig und aus westlicher Sicht nicht nachvollziehbar.

Haben Sie nach diesem Vorfall Schwierigkeiten, in Russland „Wind of Change“ zu singen, das Lied vom Ost-West-Wandel Ende der 80er, wenn in Moskau wieder autoritär regiert wird?

Das Lied steht für einen besonderen geschichtlichen Moment. In anderen Regionen der Welt, im Nahen Osten etwa, ist es ein Song der Hoffnung. Wenn wir eine politische Band wären, die wir ja nicht sind, könnte man ihn jetzt natürlich anders interpretieren. Aber wenn wir „Wind of Change“ in Russland spielen, sehen wir vor allem die glücklichen Fans, die den Song ganz klar mit Erinnerungen an jene Zeit verbinden.

Wie findet Ihre Familie das Aufhören mit dem Aufhören?

Es ist schon schön, jetzt mal Zeit für die Familie zu haben. Auch die Möglichkeit zu haben, den Tod meiner Mutter, die ja im Oktober starb, bewältigen zu können. Die letzten Monate waren da nicht einfach. Aber wenn ich hier zu lange rumore, ist Gabi wahrscheinlich froh, wenn ich wieder für ein paar Konzerte verschwinde.


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