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Mensch-Hannover „Die Helden meiner Kindheit waren Frauen“
Menschen Mensch-Hannover „Die Helden meiner Kindheit waren Frauen“
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13:46 22.02.2018
Quelle: Foto: NDR
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Hannover,


Im Vorwort des Buches „Frauengeschichten“ schreiben Sie von Ihrem „prügelnden und oft alkoholisierten Vater“. Mit welchem Männerbild sind Sie aufgewachsen?

Ich hatte eine tolle Mutter, eine tolle Großmutter. Mein Vater war kein gutes Vorbild. Aber, pragmatisch wie ich bin, habe ich mir die fehlende Männerfigur bei den Vätern meiner Klassenkameraden gesucht. So konnte ich verschiedene Meinungen und Erfahrungen zusammenfügen.

Was ist das Wichtigste, das Sie von Ihrer Mutter gelernt haben?

Disziplin in Verbindung mit Herz. Auch wenn das jetzt pathetisch klingt (schmunzelt). Sie hat mir einen gewissen Leistungs-Protestantismus vermittelt. Andererseits konnte sie unglaublich gut feiern. Obwohl wir nicht viel Geld hatten, stand immer eine Flasche Wein auf dem Tisch, um Gäste zu bewirten. Ein anderer Spruch von ihr war: Wenn Mut sich lohnen würde, wären alle mutig. Was meinte sie? Sei niemandes Untertan, sag, wenn dir etwas nicht gefällt – aber erwarte für Zivilcourage keinen Applaus.

Hat Ihnen Ihre Oma auch etwas mitgegeben fürs Leben?

Sie hatte eine „Trotzdem“-Haltung. Sie hat zwei Weltkriege erlebt, wurde ausgebombt, erlebte großes Leid. Ihr Motto? Lebe trotzdem. Lache trotzdem. Sie war eine Kämpferin mit einem Lächeln im Gesicht.

Warum machen Sie „Frauengeschichten“?

Ich bin als einziger meiner Kumpels zwischen Frauen aufgewachsen, die Helden meiner Kindheit waren Frauen. Ich liebte Margaret Rutherford als „Miss Marple“, ich habe die Bücher von Enid Blyton gelesen. Ins Kino bin ich ausschließlich wegen Frauen gegangen – ich war schwer verliebt in Jacqueline Bisset. Isabelle Huppert und Meryl Streep fand ich auch toll. Auch in der Musik war ich Fan von Janis Joplin, Joni Mitchell und Cher – die Ausnahme war Rod Stewart (lacht).

Was leiten Sie daraus ab?

Dass Frauen wahnsinnig reich an Geschichten sind. Das liegt vielleicht – vorsichtig formuliert – daran, dass Frauen in einem Spannungsfeld groß werden. Sie haben Verantwortung für ihren Körper, die Männer nicht haben. Sie schaffen den Spagat zwischen Mutterschaft und Beruf. Sie sind Ehefrau, Partnerin, Geliebte, Freundin. Das ist ein vielfältigeres Anspruchsprofil. Ich glaube, daraus entstehen die reicheren Geschichten.

Welche Frauen laden Sie ein in die Radio-Show?

Ich finde Frauen toll, die etwas zu erzählen haben. In der Diskussion mit meiner Frau fiel mir neulich auf, dass ich so wenig jüngere Frauen einlade. Die meisten Gäste sind über 45. Das passiert aber unbewusst. Je älter Frauen werden, desto anarchischer werden sie. Männer hingegen werden eher bedeutungsschwanger.

Was meinen sie damit?

Männer leiten ihre Macht oft aus ihrer Funktion ab. Ich kenne Männer, die sind fleischgewordene Visitenkarten (lacht).

Warum laufen die „Frauengeschichten“ im Radio?

Ich bin mit Radio aufgewachsen. Kleine Wohnung, wenig Geld – aus dem Radio kam die große Welt in Form von Rockmusik. Im ersten Beruf bin ich Produzent, im zweiten bin ich Autor, außerdem moderiere ich ein bisschen im Fernsehen. Radio fehlte. Ich liebe dieses Medium, sie können sich mit einer Frau unterhalten, die Sweatshirt, Turnschuhe und vielleicht eine Pudelmütze trägt, vorher nicht in die Maske muss. Das Gespräch hat dadurch eine andere Intimität, als wenn sechs Kameras auf einen Menschen gerichtet sind.

Warum darf sich jeder Gast drei Lieder wünschen?

Jeder Mensch hat seinen eigenen Soundtrack. Die erste Single, der Song zum ersten Kuss. Es gab ein Lied, dass mich in meinen Studienjahren in Berlin begleitet hat, in denen es mir nicht so gut ging. Solche Songs sagen etwas aus.

Welche „Frauengeschichte“ bleibt in Erinnerung?

Sollte meine letzte Stunde eines Tages kommen, dann will ich meine Frau an meinem Bett haben – und Marianne Sägebrecht. Sie ist barocke, bayrische Lebensfreude gepaart mit Melancholie. Erika Pluhar hat mich sehr beeindruckt. Sie hat zwei Männer und ihre Tochter verloren. Und sagt trotzdem: „Das Leben ist auch dann ein Geschenk, wenn dir nichts geschenkt wird.“ Ein großer Satz.

Wie gehen sie ran an diese Interviews?

Ich versuche mir eine Unschuld zu erarbeiten, die mir die Möglichkeit gibt, zu staunen. Man hat ja ein Bild, eine Assoziationskette bei einer Person. Ein Beispiel: Ich war Produzent des Films „Fremde Freundin“, der in Hannover gedreht wurde. Hauptdarstellerin Ursula Strauss habe ich vorher als kühl und reserviert empfunden. Am Set haben wir uns kennengelernt – sie ist eine wahnsinnig liebenswürdige, warmherzige, kluge Person. Noch ein Beispiel: Mike Krüger ist ein nachdenklicher, feingeistiger Kopf! Was die Leute ins Schaufenster stellen, lässt keine Rückschlüsse darauf zu, wer sie wirklich sind.

Wie bringen Sie alle Ihre Berufsfelder als Produzent, Autor oder Moderator unter einen Hut?

Ich bin nur meiner Familie und meiner Lebenszeit verpflichtet. Die will ich so einrichten, dass ich Spaß und Vergnügen habe.

Was ist aus Ihren roten Kniestrümpfen geworden?

In 400 Sendungen habe ich zehnmal rote Kniestrümpfe getragen! Das letzte Mal vor sieben Jahren. Ich wurde in jedem Lokal, in jedem Taxi darauf angesprochen – ein Beweis dafür, dass wir heute völlig farbentwöhnt sind.

Hubertus Meyer-Burckhardt: „Frauengeschichten – was ich von starken Frauen gelernt habe“, Random House, 256 Seiten, 19,99 Euro

Von Andrea Tratner

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