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Seele des Hauses: Sybille Dickti ist seit 50 Jahren bei I.G. von der Linde.

Seele des Hauses: Sybille Dickti ist seit 50 Jahren bei I.G. von der Linde.
© Heusel

I.G. von der Linde

Dickti ist seit 50 Jahren „Mutti für alles“

So ein Dienstjubiläum gibt es nicht oft: Sybille Dickti (65) arbeitet seit 50 Jahren bei I.G. von der Linde. Sie ist nicht nur Mitarbeiterin in der Geschäftsführung, sondern vor allem die gute Seele des Hauses „Mutti für alles“, wie sie selber sagt. Ihre heutigen Chefs, Felix Meiners (51) und Sebastian Rechenbach (51) kannte sie schon, als diese noch Kinder waren.

Hannover, .
1967 war der 1. April ein Sonnabend. Und Sybille Dickti (65), damals 15 Jahre alt, ging zum ersten Mal in ihrem Leben zur Arbeit. Als neue Auszubildende betrat sie die Verwaltung von I. G. von der Linde. „Wir hatten eine 42,5-Stunden-Woche, in der Verwaltung wurde jeden zweiten Samstag gearbeitet“, erinnert sie sich: „Vom ersten Tag an fühlte ich mich wohl und wusste, dass ich hier gut aufgehoben bin.“

Seitdem arbeitet sie für das inhabergeführte Traditionshaus, das Wäsche, Bademode und Haus- und Heimtextilien bietet. 50 Jahre treu verbunden mit nur einem Arbeitgeber, dieses Jubiläum ist etwas ganz Besonderes. Ihre heutigen Chefs, Felix Meiners (51) und Sebastian Rechenbach (51), kannte Sybille Dickti schon als Kinder.

Aufregende Zeiten und viel Wandel

Sie erlebte spannende Zeiten im Haus, zum Beispiel den großen Run auf die Waren nach der Wende, die Expo, immer wieder musste mit Sortimentwechsel auf neues Kundenverhalten reagiert werden, es gab Umbauten im Haus, das Aufkommen des Internethandels, sie sah, wie sich Hannovers City wandelte, bekam das Sterben anderer hannoverscher Traditionshäuser wie Brinkmann, Otto Werner oder Erdmann mit – und war froh, mit welcher Umsicht ihre Chefs I. G. von der Linde erfolgreich weiterführten.

Heute ist Sybille Dickti nicht nur Mitarbeiterin der Geschäftsführung und für die Gehälter des Hauses zuständig. Die kleine, quirlige Frau ist die gute Seele des Hauses. Sie hat immer ein offenes Ohr für die Mitarbeiter, vermittelt bei Meinungsverschiedenheiten, hilft, plant, denkt mit, sucht nach Alternativen, berät beruflich, aber auch mal privat. Sie ist Ersthelferin, sie pflegt die Homepage, kümmert sich um Werbung, den Briefverkehr, Reklamationen, „und wenn Toilettenpapier fehlt, organisiere ich das auch“. So ist es nicht verwunderlich, dass es bei I. G. von der Linde unter den Mitarbeitern tatsächlich den Spruch „Nicht verzagen, Dickti fragen“ gibt. „Ich bin Mutti für alles“, sagt sie mit einem Lachen und fügt voller Überzeugung an: „I. G. von der Linde ist mein erstes Zuhause.“

So etwas kann nur jemand sagen, der mit seinem Leben, seiner Arbeit absolut zufrieden ist. Sybille Dickti steht mit beiden Beinen fest im Leben, sie ist Realistin, genießt, was sie hat, und trauert nicht irgendwelchen Alternativen hinterher: „Ich habe zwei Chefs, zwei Kinder, zwei Autos, einen Mann, was will ich mehr? Ich habe viel Glück gehabt im Leben, nie etwas bedauert.“ Dabei hätte es Gründe gegeben – zum Beispiel, dass ihren Eltern von Schulseite abgeraten worden war, sie Abitur machen zu lassen: „Ich war eben ein Arbeiterkind, das war die Zeit.“

„Stets gern für Sie beschäftigt“

Bei I. G. von der Linde hat sie schnell Karriere gemacht. Noch während ihrer dreijährigen Lehrzeit holte der damalige Chef sie als Sekretärin in sein Büro. „Damals beendeten wir offizielle Briefe mit dem Satz ,Stets gern für Sie beschäftigt’, schmunzelt sie. Nur ein einziges Mal war Meiners sauer auf sie. Da hatte sie die Briefe von Kunden vertauscht. „Er hat mit mir geschimpft – völlig zu Recht. Und ich habe mir geschworen, dass so etwas nie wieder passiert“, sagt sie.

Ihr Jubiläum feiert sie zu­nächst mit ihren Chefs im kleinen Kreise. „Das Datum steht noch nicht fest, aber dann will ich auch noch alle Mitarbeiter zu einer Party einladen“, verspricht sie.

Auf alle Fälle vor August, denn dann geht sie in Rente. Ein Leben ohne von der Linde? Nein, nicht ganz: „Die Löhne und Gehälter werde ich weiter in Teilzeit verwalten.“ Immerhin. „Natürlich müssen sich alle hier umstellen, wenn ich gehe, aber das werden sie schaffen. Zwar ist nicht der Mensch, aber doch jede Arbeitskraft ersetzbar.“

Von Maike Jacobs

Hannover i.g. von der linde