Navigation:
DER REISENDE: Mit seinen 
Romanen wandert Wolfhard 
Winkelmüller durchs Mittelalter.

DER REISENDE: Mit seinen
Romanen wandert Wolfhard
Winkelmüller durchs Mittelalter.© Wilde

|
Buch-Projekt

„Der Pionier“ Winkelmüller geht auf Zeitreise

Wolfhard Winkelmüller (74) ist emeritierter Neurochirurgie-Professor. Seit 2003 ist er im (Un)Ruhestand und schreibt an seinem zweiten historischen Roman.

Hannover. Ein Reihenhaus in einer Seitenstraße in Kirchrode: Die Sonne scheint durch die Oberlichter. An den Wänden hängen Zeichnungen vom jüngsten Sohn. Wolfhard Winkelmüller (74) führt den Besuch einige Treppenstufen hinab ins Wohnzimmer. Rechts von der Tür ein Bücherregal, daneben hängen einige Geigen. Ein kurzer Blick, der vieles über den Gastgeber verrät.

„Ohne Bücher könnte ich nicht leben“, erzählt der emeritierte Neurochirurgie-Professor lachend - und meint damit nicht nur die gekauften. Der 74-Jährige ist Autor, seit er 2003 in den Ruhestand trat. Gerade hat er die Fortsetzung seines Erstlingswerkes („Zwischen Kreuz und Schwert“, 2003) fertiggestellt. „Auf nach Jerusalem - mit Heinrich dem Löwen auf Pilgerreise“ lautet der Titel. Ein mittelalterliche Abenteuergeschichte. 2006 schrieb er über die romanische Grabeskirche in Idensen bei Wunstorf. Der Kirche mit den ältesten Fresken im deutschsprachigen Raum, betont er. Dem Bischof widmete Winkelmüller in seinem dritten Buch einen eigenen Pilgerweg zwischen Minden und Idensen. Seine Frau Anette (75), mit der er in diesem Jahr goldene Hochzeit feiert, teilt die Schreiberei.

Und dann ist da noch die Sache mit der Musik. Winkelmüller ist begeisterter Geigenspieler und ausgesprochener Bach-Liebhaber. Als Jugendlicher komponierte er eine Fuge, die bei seiner Abiturfeier aufgeführt wurde. Fugen seien „der Schlüssel zu Bach“, verrät Winkelmüller.

Was der Blick im Wohnzimmer nicht sofort verrät: Professor Wolfhard Winkelmüller ist eine Koryphäe der Neurochirurgie, speziell der Schmerztherapie. Von seinen Freunden wird er liebevoll „Der Pionier“ genannt. Nicht nur ein Ausdruck persönlicher Wertschätzung, sondern auch Hochachtung vor den medizinischen Leistungen. Vor 41 Jahren implantierte er den ersten Schmerzschrittmacher, 1989 die erste Medikamentenpumpe mit morphinähnlichen Substanzen. „Das wirksamste Mittel bei unerträglichen Schmerzen“, erklärt der Experte, der ursprünglich wie der Vater und drei Geschwister Theologe werden wollte. Kurz nach seiner Emeritierung vollendete er sein Werk am Patienten: 2004 weihte die damalige Bischöfin Margot Käßmann (heute 54) das erste Palliativzentrum der Region im Friederikenstift ein - ein anfangs ausschließlich über Spenden finanziertes Projekt.

Seine freie Zeit verbringt der passionierte Segler Winkelmüller gern mit seiner Frau, den drei Kindern und fünf Enkeln auf dem Steinhuder Meer. Denn die Familie ist seine größte Leidenschaft.

3 Heute Abend liest Winkelmüller um 19.30 Uhr in der Stiftskirche des Friederikenstifts. Der Eintritt ist frei, Spenden kommen den Patienten zugute.