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IN HANNOVERS SÜDSTADT: Davis Safier hat mit den Machern von Ambient Entertainment aus seinem Roman „Happy Family“ einen Animationsfilm gemacht – am 24. August kommt er in die Kinos.

IN HANNOVERS SÜDSTADT: David Safier hat mit den Machern von Ambient Entertainment aus seinem Roman „Happy Family“ einen Animationsfilm gemacht – am 24. August kommt er in die Kinos.
 © Nancy Heusel

NP-Interview

David Safier: Sein Roman wird in Hannover verfilmt

Mit seinen Romanen begeistert er ein Millionenpublikum: David Safier (50) hat als Autor alles andere als ein mieses Karma. In Hannover entstand aus seinem Roman „Happy Family“ im Studio von Ambient Entertainment in der Südstadt nun ein Animationsfilm. Die NP sprach mit dem Bestseller-Schreiber über galoppierende Fantasie, Vampire und die Erotik des Tango.

Hannover..  

Herr Safier, der Film entstand auf Basis Ihres Romans „Happy Family“. Sind Sie denn mit dem Ergebnis einverstanden?

Ich finde den Film super, er ist für mich ein Geschenk. Welcher deutscher Autor kann es schon schaffen, dass aus seinem Stoff ein Animationsfilm entsteht? Und es sind so viele Dinge, Ideen und Details im Film, auf die ich gar nicht gekommen wäre. Ein Beispiel: Dracula ist in seinem Lazarus-Bad, das ihn verjüngen soll – und dann schwimmen da kleine Gurkenscheiben drin (). Über so etwas freue ich mich. Ich habe den Film schon ein paar Mal gesehen, da schweift der Blick auf der Leinwand mal nach links oder nach rechts – und dann entdeckt man immer noch den besonderen Gesichtsausdruck einer Figur im Hintergrund oder liebevolle Einzelheiten.

Muss man als Autor mit dem Regisseur bei der Entstehung des Films viel diskutieren?

Es gibt ja zwei Gründe, warum man aus einem Roman einen Film machen will. Weil es ein Bestseller war und man sich erhofft, dass der Film dadurch Leute anlockt. Oder weil man die Geschichte schätzt. Holger Tappe als Produzent und Regisseur liebt die Geschichte – das ist eine super Voraussetzung. Wir waren uns auch einig, was das Herz der Handlung ist: Eine Familie in Schwierigkeiten, alle Mitglieder werden vom Alltag eingesogen, jeder guckt nur auf die Mängel des anderen – und am Ende lernen sie alle, dass die Menschen, die sie lieben, auch Stärken haben, dass man voneinander lernen kann. Wenn man sich in diesem Punkt einig ist, dann ist es ganz einfach.

Ist es einfacher, wenn man wie Sie auch Erfahrung als Drehbuchautor hat?

Sicher. Ich habe jetzt acht Jahre Pause als Drehbuchautor gemacht. Aber ich weiß, worauf es ankommt. Man muss sich auch von Szenen trennen können. Hätten wir das ganze Buch umgesetzt, wäre der Film vier Stunden lang geworden.

Was hat Sie zu dieser Geschichte inspiriert? Ist mit Ihrer eigenen Familie alles in Ordnung?

Es ist ein Doku-Drama (). Nein, im Ernst, ich habe das Buch 2010 geschrieben, damals waren meine Kinder genau in dem Alter wie Max und Fee. Die Probleme dieser „Happy Family“ kennt jede Familie, das höre ich auch immer bei Lesungen von den Leuten im Publikum, es kann sich jeder identifizieren. Ich kenne alle Figuren: Ich war als Kind selber ein Außenseiter in der Klasse wie Max, rumpubertiert wie Fee habe ich auch. Nur der Teil mit den Monstern und der Hexe, die man um die Welt jagt, der ist dann nicht mehr biografisch.

Aber warum gleich Frankenstein, Vampire, ein Werwolf und eine Mumie?

Ich mag das Abenteuer und das fantastische Element. In TV-Drehbüchern geht das nicht, aber in meinen Büchern will ich es richtig krachen lassen – da denkt man ja nicht an eine potenzielle Verfilmung oder an ein Budget.

Genießen Sie wie bei diesem Film die Arbeit mit einem Team?

Schreiben ist ein einsamer Job. Es ist eine Sekundärtugend, die man als Autor haben muss, dass man gerne mit sich selber und seiner Fantasie alleine ist. Wenn man unter Menschen kommt, hängt es davon ab, mit wem man zusammenarbeitet. Hier war es eine Freude. Holger Tappe ist ein Macher, hier in Hannover produziert er einen Film, der amerikanische Qualität hat, aber viel, viel weniger Geld kostet. Das kann man nur schaffen, wenn man an eine Sache glaubt – das ist bewundernswert.

Vom Buch zum Film wandelt sich aber die Zielgruppe ...

Stimmt, das Buchpublikum geht von zehn bis 77 Jahre. Der Film hatte Marketingtests mit sensationellen Ergebnissen bei Kindern – darauf haben wir auch geachtet. Nicht jeder muss alles verstehen, aber es muss genug für jede Altersgruppe dabei sein. Im Buch steigt Emma ja mit Dracula in die Kiste. Das geht in einem Familienfilm natürlich nicht (). Also tanzen sie Tango.

Wie gehts bei Ihnen weiter?

Mit einer Kino-Fortsetzung der Erfolgsserie „Berlin, Berlin“. Felicitas Woll schlüpft wieder in die Rolle der Lolle – die Handlung setzt zwölf Jahre nach der letzten Szene ein. Das wird spannend.

Von Andrea Tratner


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