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TEURER ZEITMESSER: Andora hat gestern Studenten die „Lebensuhr“ vorgestellt.

TEURER ZEITMESSER: Andora hat gestern Studenten die „Lebensuhr“ vorgestellt.© Frank Wilde

Andora

„Das ist mein letzter Frühling“

Dieser Hannover-Besuch war ein besonderer: Künstler Andora ging Dienstag zur Vorlesung an der Hochschule – als Dozent. Auf dem Expogelände hielt der 54-Jährige in der „Mitwisser“-Reihe einen Vortrag über seine Karriere: sein Lebenslauf als Vorbild für die Studenten. Die NP hat das Multitalent vorab getroffen.

Hannover. Die poppige „Lebensuhr“ hat er für die Marke Fortis entworfen, ein Exemplar kostet 6400 Euro. Ist seine bald abgelaufen? Man könnte es meinen: „Mein letzter Frühling ist angebrochen“, sagt Andora. Aus und vorbei? „Ich habe alles gesehen und erlebt“, sagt der 54-Jährige, der gerade seine Biografie schreibt.

Lektor ist Hollow Skai, alias Holger Poscich - ehemaliger Chefredakteur des „Schädelspalters“ in Hannover und Szenekenner. Andora selbst wohnte viele Jahre in der Landeshauptstadt und hat viel erlebt (siehe rechts). „Berlin war damals überfüllt mit zeitgenössischer Kunst“, sagt er über seine Geburtsstadt, „Hannover hatte wenig zu bieten, und so konnte ich hier mein Künstlerdasein installieren“, erklärt er. Dass er zurückkehren würde, war aber immer klar: „Meine Mutter wohnt in Berlin - ich muss ja auch mal bei ihr sein und nicht immer auf Weltreise.“ Auch sein Dialekt zeigt die Heimatverbundenheit: „Hochdeutsch rede ich nur, wenn ich mich unwohl fühle.“

Moskau, New York, Wien und andere Metropolen waren ebenfalls sein Zuhause. Aus jeder Stadt habe er etwas mitgenommen. Aus Wien: „Nur dort habe ich Keramik gefertigt.“ Aus Moskau: „Ich habe eine Kosmonautenausbildung gemacht - man muss sich einlassen auf das, was die Kulturen zu bieten haben.“ Aus Paris und London: „Die Städte gefielen mir nicht so gut. Die zeitgenössische Kunst hat mir nichts gegeben.“

Andora ist nicht gerade bescheiden: „In Deutschland bin ich der einzige Pop-Art-Künstler.“ Kein anderer habe sich mit dem Thema beschäftigt. „Pop ist Kommunikation. Pop muss sich nicht verstecken, ist stolz und lebt auf der Oberfläche, dem Overground“, doziert er - und gerät in Fahrt: „Pop ist unberechenbar, macht die entlegensten Dinge begehrlich und die umstrittensten Personen zu Idolen.“

Weitere Zitate und Weisheiten aus seinem Leben reichte Andora gestern an Studenten weiter. Es ist sein erster Vortrag an einer Hochschule - „das macht mich ein bisschen nervös“, gibt er zu. Gut, dass ihn die Wohnraumhelden um seinen alten Freund und Fury-Gitarristen Christoph Stein-Schneider musikalisch unterstützen.

Spricht er über Ruhm, Ehre und hohe Preise auf dem Kunstmarkt? „Nein. Es soll keine Schönfärberei des Künstlerlebens sein“, betont er. Weitergeben will er aber etwas: schöne Bilder, seine Biografie, sein Wissen. Andoras Traum: „Studenten, die merken, dass dieses Leben nichts für sie ist, sollten sich direkt nach dem Vortrag exmatrikulieren können. Die anderen sollen neuen Elan bekommen.“ Denn durchsetzen müsse man sich im Leben immer. Sogar im zähen Kampf mit der Telefongesellschaft. Den hat Andora gewonnen: „Jetzt habe ich eine Nummer, in der mein Geburtsdatum vorkommt“, sagt er - und klingt dabei ein bisschen stolz.