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Musik

"Das Wichtigste ist, Musik zu machen", sagt Kuersche

Er ist ein unermüdlicher Einzelkämpfer und hat mehr als 1000 Konzerte auf dem Buckel – und nun auch feine Furchen, die das Gesicht mit der markanten Nase durchziehen. Mittlerweile ist Kuersche 51. Macht ihm das Alter zu schaffen? „Ich hab ordentlich gefeiert“, sagt er mit einem Grinsen über fünf Jahrzehnte Kuersche, die er vergangenes Jahr zelebrierte.

Hannover. Das Alter ist kein Thema, denn gerade ist es Zeit für eine neue Häutung des Musik-Phänomens Kuersche. Am Küchentisch seines kleinen Studios in Linden-Mitte sitzen zwei junge Talente, mit denen er die Zukunft plant. Die Zwillinge Jan und Lars Neumann (27) verstärken die One-Man-Band.

Drei Jahre galoppierte Kuersche mit den drei Members of Fury in the Slaughterhouse Christian Decker (45), Gero Drnek (57) und Rainer Schumann (53) auf der Bühne. „Als der 30. Fury-Geburtstag anstand, war klar, dass wir uns auflösen“, sagt er nüchtern. Seine Bilanz ist positiv, „der Name Fury hat gezogen“. Das weiß er seit 1995: Damals stand der Solo-Künstler als Vorband der Furys in Riesenhallen auf der Bühne. Allerdings in einem aus heutiger Sicht fragwürdigen Look: Markenzeichen damals waren Pudelmütze und Hochwasser-Hosen. „Ich hatte eine blöde Frisur, die Mütze war eine Notlösung“, erinnert er sich. Die Fans fuhren darauf ab: „Manchmal hab ich  nur Pudelmützen in der ersten Reihe gesehen.“

Es waren große Zeiten für den Musiker, der auch Nena (57) auf einer Tour begleitete. „Eine Super-Chance“, sinniert er. Mit Mitte zwanzig war er damals schon ein alter Hase: Mit seiner Kult-Band Store­mage  hatte er seit 1978 bei 500 Gigs Erfahrungen gesammelt, alte Fans geraten heute noch ins Schwärmen. Diverse Tapes, Singles, CDs, bundesweite Konzerte, Fernsehauftritte hatte die Band, die sich 1994 auflöste. Kuersche machte weiter – allein: „Ich wusste ja schon mit zwölf Jahren, dass ich Musiker werde.“ Und dass er es allein packen kann. „Solo funktionierte super“, sagt er – und schiebt ein trockenes Lachen hinterher: „Und man konnte die ganze Kohle alleine behalten ...“

Doch nun wird aus der One-Man-Band wieder ein Trio. Eines, das den Bogen zwischen zwei Generationen spannt. Jan Neumann sah einen Kuersche-Auftritt auf dem Kaliberg in Empelde und knüpfte Kontakte zu dem Musiker – der zufälligerweise gerade einen Bassisten suchte. Sein Studium an der Musikhochschule Osnabrück hat Jan bereits abgeschlossen, Bruder Lars braucht noch einige Semester. „Es macht Bock in der Kombination mit Kuersche, man kann sich austoben“, erzählt Schlagzeuger Lars. Einen Testauftritt in Bremerhaven hat die neue Formation auch schon hinter sich. Und große Pläne.

„Ein neues Album soll im Sommer fertig werden“, kündigt Kuersche an: „Es wird rockiger, der Ton etwas rauer.“ Beim Bandnamen bleibt es aber. Der entstand einst aus dem Spitznamen, den Andreas Kürschner von seinen Kumpeln in der fünften Klasse verpasst bekommen hatte. „Sogar meine Geschwister sind inzwischen umgeschwenkt und nennen mich so“, erzählt der 51-Jährige, der den Namen in seinem Pass ja am liebesten geheim halten würde. „Aber das geht nicht in Zeiten von Wikipedia“, seufzt er. Dabei könnte er auf den Eintrag durchaus stolz sein – die Liste seiner Alben ist beeindruckend lang. Für den ganz großen Durchbruch hat es (bisher) aber nie gereicht. Kuersche zuckt mit den Schultern: „Es gibt wahrscheinlich tausend Gründe.“ Und er stellt die fast philosophische Frage „Was ist Erfolg?“. Seine Karriere sei immer ein Auf und Ab gewesen, heute kümmert er sich selber um sein Booking, gibt Gitarrenunterricht und übernimmt nach Privat-Konzerten sogar noch die Rolle des DJs: „Ich habe keine Millionen auf dem  Konto. Aber ich kann davon leben, und zwar schon sehr lange. Das Wichtigste ist, Musik zu machen.“

Andrea Tratner