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Partner – in Vielerlei Hinsicht: Eva Padberg und Niklas Worgt sind seit Schulzeiten ein Paar.

Partner – in Vielerlei Hinsicht: Eva Padberg und Niklas Worgt sind seit Schulzeiten ein Paar.
 © Patrice Brylla

Party

Dapayk & Padberg legen im Weidendamm auf

Sie sind nicht nur eine Ehepaar, Eva Padberg (37) und Niklas Worgt (39) sind Lebenskomplizen – und as schon seit Teeniezeiten. Das Topmodel und der Musiker tingeln seit Jahren als Duo „Dapayk & Padberg“ durch die Clubs. Im Weidendamm in der Nordstadt machen die beiden beim Tanz in den Mai die Musik. Die NP sprach mit den Künstlern über ihr neues Album „Harbour“, Heimat und die Party in Hannover.

Hannover. Ich stelle mir vor, Künstler zu sein, der kreativ an einem neuen Projekt arbeitet. Dann kommt jemand und klaut alles. Das ist Ihnen passiert ...
Niklar Worgt: Beschissen ist das. Für uns war das ein ziemlicher Einschnitt, wir hatten gerade Energie gefasst und den Kurs für das neue Album gefunden. Von einem Moment auf den nächsten ist alles weg, wir waren echt frustriert. Im November waren wir zurück in Berlin, alles war nur grau. Das Warme des Albums, das bis dahin in Südfrankreich entstanden war, traf auf deutsche Kälte ...

Wie ist das denn eigentlich passiert? Und wo?
Eva Padberg: Wir waren eine Woche mit der Familie auf Mallorca im Urlaub. Dort fragte Niklas irgendwann: Wo ist eigentlich mein Laptop? Ich sagte nur: Liegt doch im Schlafzimmer, wie immer. Tat es aber nicht. Meins war auch weg, das iPad auch. Es war eingebrochen worden, sehr ärgerlich das Ganze. Den Rest des Urlaubs haben wir hauptsächlich auf dem Polizeirevier verbracht. Der erste Gedanke galt gar nicht dem Album. Aber als wir darauf zu sprechen gekommen sind, war es einfach nur frustrierend, und wir hatten zunächst gar keine Lust mehr, weiterzumachen.

Und wie fängt man wieder an? Versucht man, die Erinnerungen zu kopieren oder ist es ein kompletter Neuanfang?
Worgt: Man versucht schon, sich zu erinnern und guckt, was man sich so aufgeschrieben hat. Nicht das gesamte Album war futsch, sondern vier, fünf Titel, die den Stil der Platte vorgegeben haben. Auf einigen fehlten die Vocals, andere Sounds, die ich programmiert hatte, waren aber ganz weg, die bekommt man so auch nicht mehr hin. Wir haben gehofft, dass die Stimmung wiederkommt – und das passierte Gott sei Dank auch.

Die Landschaft um Ihren Bauernhof in der Uckermark inspiriert Sie. Wie kann man denn einen Acker oder einen Himmel in Musik verpacken?
Padberg (lacht): Das passiert ja nicht bewusst. Uns ist irgendwann aufgefallen, dass sich die Umgebung in unseren Alben immer widerspiegelt, bei einer Balireise war das einfach so. Niklas hat im Urlaub am ehesten den Kopf frei. Und vermutlich hat man in einer anderen Umgebung mehr Ruhe, dass sich das so niederschlägt. Es ist wie ein Filter, der die Musik durchläuft.

Ihre Musik wurde mal als soundtrackartig beschrieben: In was für einen Film könnte die Platte denn passen?
Padberg: Auweia, der Film der Uckermark (lacht).
Worgt:  „Tatort Uckermark“. Ich glaube eher, es ist ein Film, in dem sich jemand verliebt und es Frühling ist. Es spiegelt sich auch eine gewisse Entferntheit wider. Es herrscht Distanz zwischen den Protagonisten, weil es auch von Sehnsucht handelt.
Padberg:  Es wäre ein „Romantic Drama“.

Sie sagen, Sie trauen sich jetzt mehr als noch vor ein paar Jahren: gesundes Selbstbewusstsein oder gängige Weiterentwicklung?
Worgt: Da kommt so einiges zusammen. Auch Selbstbewusstsein, weil wir wissen, was wir wollen. Es hat aber auch was mit Trotz zu tun: Früher habe ich ein Album ewig gehört, manchmal sogar ein Jahr lang. Heute ist das anders: Es gibt eine schiere Flut an Neuerscheinungen. Ist ja auch cool, dass so viele kreativ sind, aber als Konsument ist das alles noch schwer zu begreifen. Die Wertigkeit von kreativer Arbeit gerät in den Hintergrund, jahrelange Arbeit verpufft manchmal schon nach Wochen. Und wenn das so ist, dann kann ich ja auch genau das machen, worauf ich Bock habe. Und das machen wir.

Der Track „Sink this Ship“ ist eine verschlüsselte Kritik am Social-Media-Wahn. Was stört Sie da?
Padberg: Es ist einer der ältesten Titel, etwa drei, vier Jahre alt. Er entstand in so einer Zeit, in der es echt anstrengend war, dass Leute immer ihr Handy gecheckt haben. Also nicht ihre Mails gelesen, sondern echt nachgeguckt haben, was jemand bei Facebook gepostet hat. Und bei mir selbst habe ich auch festgestellt, eine Art Druck zu verspüren, nur weil ich fünf Tage mal nichts gepostet hatte. Den Song kann man inhaltlich aber auch anders auslegen, etwa als Neuanfang.

„Rain“ ist ein Lied, das am offenen Fenster entstanden ist. Erzählen Sie davon.
Worgt: Nach all den Jahren in der Großstadt war ich echt davon beeindruckt, wie es sich anhört, wenn man den Regen prasseln hört. In der Stadt verliert man das Gefühl für Wetter. Es war Frühling in der Uckermark und die Tropfen plätscherten auf die Blätter, die es den Winter über ja gar nicht gegeben hat. Obwohl die Situation so banal war, war sie wahnsinnig beeindruckend.

Eins muss ich von Ihnen, Frau Padberg, noch wissen: Wo sind sehr mehr zu Hause – in der Musik- oder der Modewelt?
Padberg: Oh, ich denke, dass sich das mittlerweile die Waage hält. Bis vor ein paar Jahren habe ich Musik so nebenbei gemacht. Seit unserem Album „Smoke“ habe ich gemerkt, dass die Musik die zweite Hälfte von mir ausmacht. Müsste ich mich für eins entscheiden, könnte ich das nicht – der Balanceakt macht es so besonders. Kurz vor Neuerscheinung eines Albums hat die Musik aber Priorität.

In Hannover treten Sie im Weidendamm auf – es könnte eine lange Nacht werden. Schaffen Sie das locker oder müssen Sie vorschlafen?
Padberg: Wir kommen aus der Clubwelt und kennen es ja nicht anders. Ich bin ganz guter Dinge, dass wir gut in den Mai kommen und lange zusammen feiern.

Dapayk & Padberg legen Sonntag beim Tanz in den Mai im Weidendamm auf. Los geht’s um 23 Uhr, der Eintritt kostet zehn Euro.

Von Mirjana Cvjetkovic

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