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Menschen

Dagmar Berghoff: Wir müssen uns um Ältere kümmern

Für die meisten Menschen ist sie immer noch die Miss Tagesschau: Dagmar Berghoff (74) moderierte die Nachrichtensendung gut 24 Jahre lang. Die NP sprach mit ihr über die Weltlage heute, das Alter und den Tod.

Hannover. Frau Berghoff, was denken Sie, wenn Sie in diesen Tagen die „Tagesschau“ gucken?
Die Weltlage ist alles andere als beruhigend. Es geschieht so viel auf einmal, und ich empfinde es als bedrohlich – für alle Menschen.

Bilden wir uns das ein, oder ist die Welt tatsächlich eine gefährlichere, kriegerischere und berechnendere geworden?
Dadurch, dass mehrere Despoten und Diktatoren an der Macht sind, empfinde ich die Welt tatsächlich als eine gefährlichere. Diese Herrscher müssen nur einmal etwas falsch verstehen oder entsetzt und wütend über etwas sein, um Dinge zu tun, die sie gar nicht verantworten können! Diese Diktatoren haben sicherlich auch ihre Berater, sind aber letztendlich die hauptverantwortlichen Protagonisten. Damit meine ich etwa Erdogan, Kim Jong-un und auch Donald Trump.

Können Sie sich noch an die schönste Nachricht erinnern, die Sie in Ihrer Zeit als „Tagesschau“-Sprecherin verlesen haben?
Die gab es so eigentlich gar nicht. In den Nachrichten kommt ja meist nur das vor, was eben nicht so schön ist. Wenn ein Zug durch einen Tunnel fährt und dann den Bahnhof erreicht, ist es keine Nachricht. Bleibt er im Tunnel stecken, dann schon. Aber es gab doch ein paar nette News: etwa die Hochzeit von Lady Diana und Prinz Charles. Und wenn irgendwo eine Blumenausstellung eröffnet wurde, war das auch ganz schön.

Und die schlimmste?
Fürchterliche Unglücke und andere entsetzliche Dinge wie Attentate mit schlimmen Auswirkungen auf Menschen.

Können Sie eigentlich ganz unbefangen Tennisturniere gucken und auf öffentliche Toiletten gehen, ohne an Ihren legendären Versprecher von 1988 zu denken? Sie hatten gesagt, dass Boris Becker in Dallas ein WC-Turnier gewonnen hat, und dann einen Lachanfall bekommen. Es hätte WTC-Turnier lauten müssen ...
Das ist schon so lange her (lacht). Im Prinzip ist es ja erst durch mein anschließendes Lachen so lustig geworden. Die Zuschauer haben gemerkt, dass ich aus der Nummer nicht mehr rauskomme. Das hatte etwas Menschliches und hat ge­zeigt, dass wir keine Sprechmaschinen sind.

Sie erzählen bei uns im Ihme-Salon von sich und der „Tagesschau“. Das ist eine Veranstaltung des Seniorenservice Hannover. Ist es komisch, selbst eine Seniorin zu sein?
Nee, ich weiß ja schließlich, wie alt ich bin. Ich bin eine Seniorin und freue mich auf den Nachmittag. Die meisten Menschen dort werden mich – im Gegensatz zu den jüngeren – aus meiner Zeit vom Fernsehbildschirm kennen. Ich werde aber nur von dieser Zeit berichten können und nicht, wie die ,Tagesschau’ mit Computern funktioniert (lacht).

Sind Sie da denn firm mittlerweile?
Relativ. Ich nutze das Internet, Mails, und manchmal google ich.

Warum engagieren Sie sich besonders für Menschen Ihrer Generation?
Für Kinder wird so viel getan – und das ist auch wichtig und richtig. Aber wir müssen uns auch um ältere Mitmenschen kümmern. Und da gerade um diejenigen, die nicht so viel Geld haben und etwa aus Stolz oder Angst nicht zum Amt gehen, um sich Hilfe zu holen. Das sind die Menschen, die unsere Gegenwart und Zukunft aufgebaut haben!

Können Sie sich eigentlich noch erinnern, wie Sie mit, sagen wir mal, 40 Jahren darüber gedacht haben, 70 zu sein?
Das weiß ich nicht mehr (lacht). Aber das fängt ja schon eher an: Mit Anfang zwanzig kann man sich nicht vorstellen, 30 zu sein. das war jedenfalls bei mir so. Viele Kollegen haben mir da­mals gesagt: Du musst unbedingt in die private Rentenversicherung für Künstler! Ich habe gedacht: Ach, so alt wirst du nie. Heute bin ich froh, dass sie mich da quasi reingeprügelt haben.

Showmaster Frank Elstner hat gerade in einem Interview gesagt, er habe Angst vorm Sterben. Befassen Sie sich mit dem Tod?
Da geht es mir nicht anders. Die Phase des Sterbens sollte nach Möglichkeit kurz sein, vor langen Leidensphasen habe ich Angst. Jeder weiß, dass man sterben muss. Und jeder wird das schade finden, weil es immer noch so viel auf der Welt zu entdecken gibt.
Dagmar Berghoff ist am 26. April im „Ihme-Salon“ des Kommunalen Seniorenservice (Ihmepassage 5) von 15 bis 16.30 Uhr zu Gast. Der Eintritt ist frei.