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Kommt im November nach Hannover: Michael Mittermeier.

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NP-Interview

Comedian Michael Mittermeiers Blackout in New York

Er sieht schwarz: Das neue Programm von Michael Mittermeier (47) heißt „Blackout“. Der bayerische Comedy-Star spielt es am 29. November in der Swiss Life Hall. Mit der NP sprach Mittermeier über Merkel, Bono und Bayern München.

Hannover. Das Programm heißt „Blackout“. Um welche Art von Blackout geht es?

Alle! Das fängt bei der kleinsten Form an, die jeder kennt: Der Alkohol-Blackout mit K.-o.-Bier und K.-o.-Schnaps. Alle wissen, was los war, nur man selber hat keine Ahnung. Früher war das noch einfach, aber in Zeiten von Youtube stellt man Tage später fest, dass einen die Leute in der U-Bahn angrinsen. Den Klassiker habe ich selbst erlebt: Ich war vor zehn Jahren in New York, als da der Strom ausgefallen ist.

Hatten Sie Angst?

New York ist ein Moloch, der immer leuchtet - und plötzlich ist alles finster. Das ist gewaltig! Und dann kommt die Angst, weil man es in dieser zivilisierten Gesellschaft gewöhnt ist, den Lichtschalter anzuknipsen. Und die Angst macht den nächsten Blackout. Das sieht man gerade: Wenn man Angst vor Terror hat, dann scheißt man auf die Demokratie. Menschenrechte? Privatsphäre? Och, jaaaa, brauch ma im Moment ned wirklich.

Haben Sie den Blackout in New York gut überstanden?

Statistisch war das eine der friedlichsten Nächte des Jahres! Aber bei mir kommt dann immer die Zombiephobie durch, die auch Thema im Programm ist. Das habe ich übrigens schon vor einem Jahr entwickelt - da konnte noch keiner ahnen, dass Brad Pitt mit „„World War Z“ einen Zombiefilm macht. Ich bin ein Prophet! Meine absolute Lieblingsserie, die mich aber wahnsinnig viel Energie, Schweiß und Kraft kostet, ist ja „Walking Dead“. Das ist übrigens eine Männersache: Vampire sind für Frauen, Zombies für Männer!

Gibts in der Politik auch Blackouts?

Klar, und jeder zieht einen Rattenschwanz nach sich. Angst führt zum Blackout und dann werden falsche Entscheidungen getroffen. Der Abhörskandal im Moment ist eine Form von Verdrängung. Merkel tut so, als ob sie von Tuten und Blasen keine Ahnung hat. Sie sitzt das aus und schickt den armen Tropf Hans-Peter Friedrich nach Amerika. Das war eine klassische Kaffeefahrt! Dem haben sie eine Heizdecke verkauft und ihn wieder heim geschickt.

Sie sind seit 26 Jahren auf der Bühne, erinnern Sie sich noch an die Anfänge?

Meine erste Tour war 1987, der Durchbruch mit „Zapped“ kam erst 1996. Man hält das durch, wie die anderen Hunderte von Kabarettisten und Comedians auf Ochsentour. Man hält das durch, wenn man weiß, dass man das Richtige macht. Ich habe das nie hinterfragt. Einen bürgerlichen Beruf als Alternative hat es noch nicht mal in der Theorie gegeben. Ich wäre auch glücklich geworden, wenn ich heute noch in kleinen Läden mein Programm vor Leuten spielen würde, denen meine Sachen gefallen.

Fühlen Sie sich als Triple-Sieger?

Fühlen? Ich bin es! Ich habe dem Fußballgott ein Opfer gebracht und ein Stückchen zum Sieg des FC Bayern beigetragen. Ich hatte Karten für das Champions-League-Finale, habe sie aber einem Freund gegeben. Es hätte ja eventuell mein drittes Finale werden können, in dem ich die Bayern verlieren sehe.

Sie haben vor Jahren in den USA gespielt, zuletzt waren Sie auf Tour in England und Schottland. Warum zieht es Sie ins Ausland?

Die Muttersprache der Stand-up-Comedy ist Englisch. Das war ein alter Traum von mir, ich wollte das ausprobieren. Und musste mich noch mal neu erfinden. Man ist zwar der gleiche Mensch, aber eine andere Person auf der Bühne. Es wird einem in den USA oder in England nichts geschenkt vom Publikum, nur weil man in Deutschland berühmt ist - es war wieder wie in den Anfangsjahren.

Kann man ein deutsches Programm einfach übersetzen?

Das geht nicht, so funktioniert Humor nicht. Wenn ich in London stehe, bin ich nicht der Bayer, sondern der Deutsche. Da gibt es ganz andere Themen und Erwartungen. Wenn ich meine deutschen Nummern gemacht hätte, hätte ich auch das Telefonbuch vorlesen können. Das war oft Blindflug, ein Suchprozess. Hat aber funktioniert!

Klappt denn auch Improvisieren auf Englisch?

Es hat eine Zeit gedauert, bis ich den Mut hatte. Nach vier Wochen in Schottland mit einem durchgetakteten 60-Minuten-Programm habe ich mich in London dann nur mit ein paar Ideen auf die Bühne getraut.

Und im Publikum saß in London an einem Abend ein prominenter Gast ...

Bono Vox von U2. Der Held meiner Jugend und inzwischen ein Freund. Wir sehen uns nicht oft, aber wenn, dann sind es schöne Abende. Ich war schon auf vielen U2-Konzerten. Und dann sitzt Bono mit 140 Leuten in einem Klub, um mich zu sehen? Das war schräg.

„Blackout“ am 29. November in der Swiss Life Hall. Karten (23,15 bis 36,35 Euro) gibt es in den NP-Ticket-Shops oder unter der Nummer 0511/12 12 33 33.