Navigation:

KOMMT AM SONNTAG NACH HANNOVER: Cindy aus Marzahn© Britta Pedersen

|
Interview

Cindy: "An mir ist was dran!"

Sie ist die Prinzessin des Plattenbaus: Cindy aus Marzahn alias Comedy-Frau Ilka Bessin (44) droht Sonntag ab 20 Uhr in der Swiss-Life-Hall „Ick kann ooch anders!“. Die NP sprach mit ihr über Traummänner, 26 verlorene Kilos und Muttis Ratschläge.

In Marzahn wird gerade Geld gesammelt, um in zwölf Meter großen Lettern M-A-R- Z-A-H-N auf die höchste Erhebung des Berliner Stadtteils zu schreiben. Ein Denkmal für Sie?

Ooch nee, ein Denkmal ist ja was für Leute, die schon was erreicht haben. Wenn jemand mal ein Stück Kuchen nach mir benennen würde, das wäre was anderes!

Könnte der Schriftzug das miese Image des Viertels reparieren?

Ich finde, Marzahn braucht gar kein neues Selbstbewusstsein. Es ist nämlich wirklich schön da, es gibt tolle Ecken, viel Grün. Klischees und Vorurteile gibts ja auch für Neukölln. Wer nach Marzahn kommt, erlebt Überraschungen!

Das neue Programm heißt „Ick kann ooch anders“. Ist das eine Drohung?

Es geht darum, sich aufzurappeln, aus dem Trott auszubrechen. Ich finde, auch Politiker können anders. Wir müssen anfangen, in diesem Land etwas zu ändern. Diese Intoleranz heute gefällt mir nicht. Ich stamme ja aus dem Osten. Als damals die Mauer fiel, wussten wir ja auch nicht, wo die Reise hingeht - aber wir wurden herzlich willkommen geheißen.

Ganz schön ernste Botschaften ...

Na ja, ich mache ja kein schwergewichtiges Kabarett, aber ich hinterfrage viel. Meine Mutti hat immer gesagt: Räum erst mal deinen eigenen Haushalt auf, bevor du mit dem Finger auf andere zeigst und Ratschläge verteilst. Wenn wir stark sind, können wir auch anderen helfen. Ich fordere aber auch so Sachen wie „Mindestlohn nach Körpergewicht“ oder „Hosen runter und Mieten auch“. Ich verpacke das alles so, dass die Leute mit einem Schmunzeln nach Hause gehen.

Ist Humor eine Art Selbstverteidigung? Machen Sie lieber Witze über sich selber, statt Spott auf sich zu ziehen?

Die Leute sollen zusammen mit mir über mich lachen. Deshalb gehe ich ja auch in einem pinkfarbenen Jogginganzug auf die Bühne (lacht). Das Leben ist manchmal grau in grau - da kann ich ein buntes Ausrufezeichen setzen. Das hat aber auch den Vorteil, dass ich mir abends keine Gedanken darüber machen muss, was ich auf der Bühne anziehe.

Was ist aus dem Diadem in Ihrem Haar geworden?

Das trage ich nur zu besonderen Anlässen (lacht). Die rosa Blume ist für den Alltag.

2012 hat Ihnen die „New York Times“ eine große Geschichte gewidmet und Sie eine „Walküre von Weib“ genannt. Stolz darauf?

Da müsste ich ja erst mal nachschlagen, was Walküre so genau heißt (lacht). Ich bin nicht zierlich, daran wird sich auch nichts ändern. An mir ist was dran!

Aber deutlich weniger als noch vor zwei Jahren, oder?

Ich hab 26 Kilo abgenommen, nachdem ich an einem Abend auf der Bühne zusammengeklappt bin. Was ich mache, ist ja echt anstrengende Arbeit. Da muss man fit sein und auf seinen Blutdruck achten - da bin ich nun mal angreifbar. Also hab ich das mal mit Sport versucht. Wenn ich jetzt mit dem Hund rausgehe, werfe ich den Ball nicht nur nach links und rechts, sondern laufe mit - und habe festgestellt: Man stirbt nicht davon!

Wäre eine Cindy mit Idealmaßen noch Cindy?

Ach, das ist nicht von der Figur abhängig. Klar identifizieren sich die Leute mit mir. Ich bin dick, und das ist okay. Meine Botschaft ist ja: Ich kann trotzdem etwas erreichen - auch wenn ich lange arbeitslos war. Also: Arsch hoch!

Stimmt es, dass Matthias Schweighöfer Ihr Leben verfilmen will?

Na ja, soweit ich gehört habe, will er das Leben von Ilka Bessin verfilmen. Deshalb rede ich da nicht so gerne darüber.

Wie geht es eigentlich Enrico? Kommt der im neuen Programm auch vor?

Ich rede über Männer, klar. Man ist ja immer auf der Suche nach dem perfekten Typen. Wobei: Wo sind nur die Männer von damals hin? Heute sind die alle so verweichlicht und zupfen sich die Augenbrauen.

Wie sieht denn Ihr Traummann aus?

Er muss Humor haben. Vollständige Sätze sprechen können. Und zwei bis drei Zähne im Mund haben.

Sonntag kommen Sie nach Hannover. Wie finden Sie die Stadt?

Toll! Die Leute sind echt gut druff. Ich habe ja vor vielen Jahren klein angefangen. Da war ich nach einer Vorstellung in einem kleinen Hotel untergebracht und die Wirtin hat mir spätabends noch eine Suppe mit Würstchen gekocht. Diese Herzlichkeit ist rührend. Wenn man alleine auf Tour ist, ist das ein tolles Gefühl.

„Ick kann ooch anders“: Sonntag, 20 Uhr, in der Swiss-Life-Hall. Karten für 35 Euro gibt es in den NP-Ticket-Shops (zum Beispiel Lange Laube 10) oder unter

tickets.neuepresse.de

NPVISITENKARTE - Cindy aus Marzahn

Geboren am 18.?11.1971 in Luckenwalde. Ilka Bessin hatte viele Jobs (Köchin, Kellnerin, Animateurin auf der „Aida“) und einige Jahre Arbeitslosigkeit hinter sich, als sie 2000 die Kunstfigur „Cindy aus Marzahn“ erfand. 2004 wollte sie sich als Kellnerin im „Quatsch-Comedy-Club“ bewerben, geriet aber an den Mitarbeiter, der Bühnentalente buchte. 2005 gewann sie dort das Finale. Ab 2012 war sie Assistentin von Markus Lanz bei „Wetten, dass?..?“ im ZDF und moderierte mit Oliver Pocher „Promi-Big-Brother“ auf Sat.1. Im Sommer 2014 spielte sie eine Show am Broadway.


Bildergalerien Alle Galerien
Anzeige
Anzeige

Bild des Tages

Da geht der Weihnachtsmann baden - zumindest im Aquarium in Tokio. Das soll die Besucher in Stimmung bringen.

zur Galerie