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Mensch-Hannover Christof Weigolds erster Mordfall in Hollywood
Menschen Mensch-Hannover Christof Weigolds erster Mordfall in Hollywood
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18:47 10.09.2018
DIE GOLDENEN ZWANZIGER: Christof Weigolds erster Krimi spielt in dem Zeitalter in Hollywood. Quelle: privat
Hannover

Er hat Theaterstücke geschrieben, war für viele Gags in der „Harald Schmidt Show“ verantwortlich, an Drehbüchern für Kino- und Fernsehfilme beteiligt. Nun hat Christof Weigold (52) seiner großen Leidenschaft die Krone aufgesetzt, er hat mit „Der Mann, der nicht mitspielt“ seinen ersten Roman veröffentlicht, der Auftakt einer Reihe. „Ich sitze auch schon am zweiten Buch, es erscheint im April“, verrät er im Gespräch mit der NP. „Ich bin sehr glücklich, auf diese Art zu schreiben.“

Diese Art? Das ist in Weigolds Welt eine, in der ihm keiner reinredet, er seine ganz eigene Geschichte aufschreiben kann. „Darauf habe ich lange hingearbeitet“, sagt er. Lange bedeutet in diesem Fall auch echt lange, die Grundidee für den Krimi um den deutschen Detektiv Hardy Engel und sein Treiben im Hollywood der 1920er Jahre hatte Weigold als er Anfang 20 war: „Ich habe Privatdetektivromane gelesen, fand das Milieu unheimlich spannend.“

Weigold steht 40-mal vor der Kamera

Später, Mitte der 90er, als er dann Autor, auch leitender, der „Harald Schmidt-Show“ gewesen ist, kam ihm die Biografie von Charlie Chaplin († 88) in die Hände, die Welt der Stummfilme weckte Weigolds Interesse. „Irgendwie haben wir ähnlich gearbeitet, die Filmbranche von damals und das Fernsehengeschäft, in dem ich tätig war: Jeder konnte vor die Kamera, ein Autor konnte zum Darsteller werden.“ In seinem Fall stimmt das tatsächlich: Gut 40-mal wurde Weigold in der erfolgreichen Unterhaltungssendung von Sat.1 für die Zuschauer sichtbar, hatte Auftritte als Meister Proper, Fußballheld Sepp Herberger, Yeti, Präsidentenaffäre Monica Lewinsky, als Faschist Benito Mussolini, Pandabär, Schauspieler Heinz Rühmann.

In seinem Roman-Debüt hat er beide Welten zusammengeführt, die echte aus seinem Erfahrungsschatz und die von vor 100 Jahren. Die aber keinesfalls eine rein fiktive ist, sondern eine, die auf einem wahren Fall basiert. „Ich habe vor Ort recherchiert, war einige Male in Hollywood“, so Weigold. Er besuchte das Polizeimuseum in Los Angeles, begab sich ins Hollywood Heritage Museum auf Spurensuche, stattete dem alten Polizeirevier von Pasadena einen Besuch ab. So recherchierte er zum Beispiel auf den Spuren von Carl Laemmle († 72), einem Deutschen aus Oberschwaben, der in die USA auswanderte, 1912 mit seiner legendären Firma Universal nach Kalifornien ging und so Hollywood zur Traumfabrik machte! „Zu der Zeit gab es viele Deutsche dort“, weiß Weigold, der auch beim Stöbern in seiner heimischen Bibliothek – darin stehen viele Filmmemoiren – immer wieder auf deutsche Charaktere stieß.

„Ich weiß wie Schauspieler ticken“

Der Autor machte sich ans Werk für seinen Erstlingsroman, schöpfte da auch aus seinem Erfahrungsschatz: „Ich weiß wie Schauspieler und Produzenten ticken, weiß, wie es ist, als kleines Licht unterwegs zu sein“, erläutert der 52-Jährige. Auch aus dieser Haltung heraus entstand der 640-Seiten-Wälzer rund um den Sündenpfuhl Hollywood.

Spannend: Als Weigolds Buch im Oktober 2017 in Druck war, brach der Skandal um Filmproduzent Harvey Weinstein (66) aus, Parallelen zum Roman waren unüberlesbar: „Missbrauch, Machtspiele, Skandale – all das war damals eigentlich genauso wie heute. Auch in der Stummfilmzeit gab es Skandale, die gewaltige Wellen geschlagen haben.“ Gab es denn zu seiner Fernsehzeiten handfeste Skandale? „Naja, wenn wir Helmut Berger in der ,Harald Schmidt Show’ zu Gast hatten, sorgte schon allein sein Verhalten für einen Skandal“, erinnert er sich an die Auftritte des exzentrischen Schauspielers.

Er macht 600-mal die „Harald Schmidt Show“

Weigold erlebte viele Stars wie Joe Cocker (†70), Mariah Carey (48) und David Bowie (†69), es kam nicht selten vor, dass das Team bis morgens um vier mit den Gästen um die Häuser zog. „Es war eine tolle Zeit, mehr Glamour gab es damals in Deutschland nicht.“ Nach dreieinhalb Jahren und gut 600 Shows machte Weigold aber mit der „längsten Klassenfahrt der Welt“ Schluss, vieles hatte sich in der Zeit dann doch wiederholt. „An meinem letzten Tag gab es eine rauschende Party“, erzählt sich Weigold. Sein Chef, Harald Schmidt (61) zahlte die Getränke. „Es hätte tatsächlich wehgetan, die Rechnung zu übernehmen.“

Im Anschluss richtete Weigold seinen Fokus wieder auf Drehbücher, fand sich häufig im Komödiengenre wieder: „Ich wusste gar nicht, dass ich lustig bin.“ So wie er auch nicht wusste, dass er vor der Kamera zu mehr als Meister Proper taugte: Ein Freund, der Regisseur Alexander Adolph (52), konnte ihn für „Der große Rudolph“ gewinnen. Eine Gesellschaftssatire angelehnt an das Leben des ermordeten Modezaren Rudolph Moshammer († 64), die am 19. September um 20.15 Uhr in der ARD ausgestrahlt wird. „Ironischerweise gebe ich mein Schauspieldebüt zu der Zeit, als mein erster Roman herauskommt. Dessen Hauptfigur Hardy Engel ist ein gescheiterter Schauspieler“, sinniert Weigold. Vielleicht hat er ja das Glück, das sein Stoff zurück nach Hollywood getragen wird.

Lesung am 11. September im Landesmuseum

Weigold stellt „Der Mann, der nicht mitspielt“ am 11. September ab 19.30 Uhr (Einlass 18.30) im Landesmuseum vor, „Game of Thrones“-Star Tom Wlaschiha liest aus dem Roman. Tickets kosten 19,20 Euro.

Von Mirjana Cvjetkovic

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