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Mensch-Hannover Cartoonist Uli Stein meidet Menschen – und liebt Rituale
Menschen Mensch-Hannover Cartoonist Uli Stein meidet Menschen – und liebt Rituale
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21:50 06.09.2018
MENSCHENSCHEU: Millionen lieben die Mäuse-Figuren von Cartoonist Uli Stein, er bevorzugt die Zurückgezogenheit. Quelle: Moritz Frankenberg
Hannover

Er ist der erfolgreichste und bekannteste Cartoonist Deutschlands, hat mehr als zwölf Millionen Bücher und mehr als 100 Millionen Postkarten verkauft, er lebt in der Wedemark, doch in der Öffentlichkeit bekommt man ihn kaum zu Gesicht: Uli Stein (71) gilt als ausgesprochen menschenscheu. Nur, wenn es um seine Kunst geht, zeigt er sich mal in der Öffentlichkeit – am 12. September kommt er zur Vernissage seiner neuen Ausstellung sogar persönlich nach Hannover ins „La Rock“ in die Voßstraße und wird mit den Gästen gemeinsam ein Vier-Gänge-Menü essen. Im Lokal hängen zurzeit einige seiner besten Cartoons mit Szenen aus Restaurants und zum Thema Essen. Das Gebiet ist für ihn unerschöpflich, bereits zwei Witz-Bücher aus der Welt der Gastronomie hat er veröffentlicht.

„Wenn ich noch etwas hasse, dann Kochen!“

Denn auch wenn Stein Menschenansammlungen mit mehr als fünf Personen nicht mag, überleben muss er trotzdem: „Ich gehe wirklich jeden Tag essen. Denn wenn ich noch etwas hasse, dann ist es Kochen!“, sagt er – völlig ernst – und erzählt, dass es in seinem Heimatort in der Wedemark einen Italiener gibt, bei dem ganzjährig ein Tisch nur für ihn reserviert ist. „Ich gehe da jeden Abend hin, habe immer die gleichen schwarzen Klamotten an und esse dort!“

Uli Stein liebt seine Rituale, er braucht seine festen Grenzen und vor allem seine Ruhe. Wenn er zeichnet, darf ihn nichts ablenken, alles ist ausgeschaltet und auf dem Tisch liegt nur ein kariertes Blatt Papier: „Dann überlege ich mir eine Szene – zum Beispiel, was passiert, wenn jemand sein Schwein an der Leine mit ins Restaurant nehmen will. Hunde sind ja schließlich auch erlaubt. Da entstehen sofort im Kopf Bilder.“ Der Ruhm, der ihm zweifelsohne durch seine unzähligen Mäuse-, Katzen-, Hunde-, Pinguin- und Menschen-Witze zuteil geworden ist, ist ihm persönlich ein lästiges Übel: „Ich muss nicht so im Vordergrund stehen“, sagt er, „ich habe schon vor 20 Jahren meiner Assistentin verboten, Anfragen vom Fernsehen anzunehmen.“

STOLZ: Uli Hahn (links) und Frank Ochotta (rechts) vom „La Rock“ freuen sich über die Werke von Uli Stein. Quelle: Moritz Frankenberg

Immer mal wieder habe sie trotzdem versucht, ihn mit den Namen großer Sender zu locken – vergeblich. „Mich wird man nie in einer Talkshow oder so etwas erleben. Ich will auch gar nicht wissen, wer da anfragt. Für kein Geld der Welt bekommt mich da jemand rein!“ Klare Worte...

Im „La Rock“ hat Uli Stein seinen 70.Geburtstag gefeiert

Stein aber liebt sein für die Öffentlichkeit so unsichtbares Leben: „So berühmt zu sein, dass jeder dich erkennt, ist doch furchtbar: Denkt nur an Boris Becker, der kann nicht mal heimlich eine Flasche Wodka kaufen!“

„La Rock“-Chef Frank Ochotta (54) kennt den Künstler schon rund 30 Jahre – noch aus der Zeit, als Ochotta im Gattopardo unter Ekkehard Reimann (76) Restaurantleiter war. Stein hatte damals ebenfalls in dem Restaurant Bilder ausgestellt, seitdem sind die beiden im Kontakt. Vor eineinhalb Jahren hat Uli Stein sogar seinen 70. Geburtstag im „La Rock“ gefeiert: „Das ist ein tolles kleines Restaurant mit sehr guter Küche“, lobt Stein.

SCHNELLE ZEICHNUNG: Für seine Mäuse ist Uli Stein berühmt. Quelle: Moritz Frankenberg

Als Ochotta und sein „La Rock“-Partner Uli Hahn (48) ihn jetzt fragten, ob er Lust zu einer Ausstellung bei ihnen habe, habe er gleich zugesagt – obwohl er derzeit viel zu tun hat. Denn die Kalender für 2020 müssen demnächst fertiggestellt sein, außerdem bereitet er gerade eine große Ausstellung im Goslarer Museum Ende Oktober vor. „An Ruhestand denke ich erstmal nicht“, lacht er: „Das hole ich dann nach, wenn ich tot bin!“

Es gibt noch Karten für Menü und Vernissage

Am Mittwoch, 12. September, ist Uli Stein bei der Vernissage der Ausstellung „Kulinarisches“. Zur offiziellen Eröffnung gibt es ein ausgewähltes Vier-Gänge-Menü (89 Euro). Anmeldungen sind beim „La Rock“ (Telefon 0511/66 63 22) noch möglich.

Von Maike Jacobs

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