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RUHEPOL: Den Teich auf dem Messegelände steuert Carola Schwennsen gern in der Mittagspause an.© Dröse

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Porträt

Carola Schwennsen - Die kluge Frau hinter dem Infa-Flaggschiff

Das Wort „Hausfrauenmesse“ hört sie gar nicht gerne: Carola Schwennsen (55) ist nach 26 Jahren bei der Messe mehr als die Infa-Chefin. Altenpflege, Rassehunde, Dentalbranche: „Wir haben den Fokus erweitert“, sagt sie stolz.

Die Zahl von Frauen in den Führungsebenen deutscher Wirtschaftsunternehmen ist überschaubar, bei der Deutschen Messe war Carola Schwennsen (55) zwölf Jahre lang allein unter Männern. Wie beschreibt sie ihren Führungsstil? Die Managerin, die seit 2002 an der Spitze des Tochterunternehmens Fachausstellungen Heckmann steht, zieht nachdenklich die Nase kraus. „Da habe ich noch gar kein Schlagwort dafür gefunden“, sagt sie lebhaft. Aber: „Ich kann sehr klar sein, in dem, was ich möchte.“ Das glaubt man der Frau in dem schwarzen Business-Kostüm, die auf den ersten Blick streng wirkt: „Aus meiner Sicht bin ich nah dran an den Mitarbeitern, an den Projekten.“

Über Projekte spricht sie mit Leidenschaft. Wenn die Messe bei der „Pferd & Jagd“ zum größten Pferdestall Niedersachsens wird, „geht mir das Herz auf“, sagt die 55-Jährige, die eigentlich mal Englischlehrerin werden wollte, aber während eines Auslandssemesters in Yorkshire merkte, dass sie für den Schulbetrieb nicht gemacht ist.

Am ersten Infa-Tag steht sie stets am Nordeingang und beobachtet die Menschenmassen, die auf das Gelände strömen. „Bis zu 40 000 Menschen. Da ist eine ganze Kleinstadt in Bewegung“, schwärmt sie über das „Flaggschiff“ des Messegeschäfts. Die Infa ist eine Erfolgsgeschichte: 265 Euro gibt jeder Besucher im Schnitt aus - ohne Essen und Trinken. Die Hälfte der Aussteller kommt aus der Region, „das gibt wichtige Impulse“. Schwennsen hat den Fokus auf Aktivitäten wie „Freundinnen-Tage“ oder die neue „Kreativ-Nacht“ verschoben. Klar, dass sie das Wort „Hausfrauenmesse“ nicht gern hört: „Das Bild passt heute nicht mehr.“

Und auch das Bild des Unternehmens kann man nicht auf die Infa reduzieren. 2017 richtet Heckmann erstmals mit „Hund & Co.“ eine Messe für Halter und Züchter aus. In Wettbewerben bekam Schwennsens Team den Zuschlag für Altenpflege- und Dentalmessen an Standorten in ganz Deutschland: „Wir haben den Fokus erweitert“, sagt die Geschäftsfrau.

1990 kam sie über eine Zeitungsanzeige zum Messegeschäft. „Ich sollte mich trauen, nach Moskau zu gehen“, erinnert sie sich. Nach eineinhalb Jahren Arbeit für ein Handelsunternehmen in London war das aber „eine ganz andere Hausnummer. Russland war noch sehr restriktiv, die Kommunikation schwierig, das Land war im Umbruch.“ Einmal habe sie eine Woche erfolglos versucht, ihren Mann in Hannover anzurufen.

Neun Jahre blieb sie im Auslandsgeschäft, reiste nach China, Vietnam, in die Türkei. „Man bekommt großes Verständnis für die Leute vor Ort. Urlaub ist danach nicht mehr so spannend“, sagt sie und lacht. „Es waren aber auch extrem harte Zeiten“, fügt sie hinzu. Zeiten, die sie geprägt haben. Schwennsen bringt so leicht nichts aus der Ruhe: „Man entwickelt Routinen - und weiß aus der Erfahrung, dass man aus Krisen wieder herauskommt.“

Ist da der jährliche Rhythmus mit den immergleichen Messen in Hannover nicht langweilig? „Auslandsmessen klingen glamourös“, sagt Schwennsen und hält kurz inne, „aber jetzt bin ich richtig angekommen.“ Ihr werde warm ums Herz, wenn sie auf der Hannover-Messe chinesische Delegationen sehe, dann stürze sie sich aber wieder mit Freude in die Messeplanung mit ihrem Team aus 35 Mitarbeitern.

Wie sieht eigentlich die Wohnung der Infa-Chefin aus? „Das Sofa habe ich auf der Infa gekauft, das Klavier auch. Und natürlich jede Menge Accessoires und Klüngelkram. Mein Haushalt explodiert dann immer“, gibt sie zu - und hat sich eine eiserne Regel auferlegt: „Ich gehe immer erst am letzten Messetag shoppen.“ Kluge Frau!

NPVISITENKARTE

Geboren am 7. Oktober 1960 in Rendsburg, aufgewachsen in der Nähe von Wolfenbüttel. Nach dem Abitur studiert sie Anglistik und Geschichte und sattelt noch ein Marketingstudium drauf. Ihr Vater, Vertriebsleiter einer Verpackungsfirma, setzt sie immer wieder als Dolmetscherin ein. „Mein Lebenslauf ist eigentlich ganz schlicht“, sagt sie bescheiden über 26 Jahre bei der Deutschen Messe, seit 2002 leitet sie Fachausstellungen Heckmann. Schwennsen ist verheiratet, lebt in der List, ist glühender England-Fan und verehrt William Shakespeare.


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