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Fröhlich, frech, frei heraus: Tan Caglar macht jetzt auch in Comedy.

Fröhlich, frech, frei heraus: Tan Caglar macht jetzt auch in Comedy.
 © Petrow

Comedy

Caglars Leben auf der Comedybühne

Eher zufällig bemerkte Tan Caglar (36), dass er auf seine Zuhörer ziemlich lustig wirkt: Deshalb versucht sich derBasketballer im Rollstuhl nun als Comedian. Die NP sprach mit ihm über die Idee, seine Motivation und wo wir ihn demnächst überall im Fernsehen erleben können.

Hannover. Wenn er Vorträge zum Thema Inklusion und Integration  hält, dann sind das keine langweiligen Monologe: Tan Caglar (36) erzählt von Begebenheiten aus seinem Alltag, authentisch, ansprechend, amüsant. „Ich berichte etwa davon, wie Leute damit umgehen, wenn man mit Proletenkarre, Lederjacke und Drei-Tage-Bart auf einen Behindertenparkplatz fährt“, so Caglar. Er grinst – schließlich darf er das, der 36-Jährige sitzt seit zwölf Jahren im Rollstuhl. Grund ist die Erkrankung Spina bifida, ein offener Rücken.
Zu seinem Alltag gehört auch das Einkaufen, „und das fällt echt günstig aus, weil die billigsten Sachen ja immer unten im Regal stehen. Aber an der Kasse bin ich das Eingesparte wieder los, da stehen die ganzen Süßigkeiten bei mir auf Augenhöhe.“
Es ist die Art, mit seiner Behinderung umzugehen, die seinen Zuhörern Spaß macht, „viele sind im An­schluss immer wieder zu mir gekommen und haben ge­sagt: ,Das ist ja wie Comedy.’“ Feedback, das ihn nachdenken lässt: „Kann das funktionieren, ich als Comedian?“ Caglar schreibt eine Agentur an und fragt nach, was sie von seiner Idee hält, als Comedian im Rollstuhl auf die Bühne zu gehen. Die Antwort lässt nicht lange auf sich warten: „Ich habe Talent und ein Alleinstellungsmerkmal. Ein Segen!“ Wenig später hat er sein Programm für zweimal 45 Minuten zusammen und geht im Herbst auf Tournee. „Rollt bei mir“ heißt das Programm, mit dem er bundesweit auf Tour geht, am 2. November kommt er in den Pavillon.
„Mehr Inklusion geht nicht“
„Ich mache mich nicht lustig über Menschen mit Behinderungen“, betont er im Gespräch mit der NP, „ich mache mich lustig über Menschen, die damit nicht umgehen können.“ Der Profibasketballer will aber vor allem eins: Unsicherheiten entge­genwirken: „Ich nehme die Leute mit auf eine Reise. Und mit Humor lässt sich unheimlich viel transportieren – mehr Inklusion geht nicht!“ Man merkt, dass Caglar voll in seinem Element ist. Neben seiner größten Leidenschaft, dem Sport, hat er nun noch etwas gefunden, das ihn ausfüllt, ihn fordert und besonders sein lässt. „Und im Comedian-Dasein habe ich echt Glück, quasi eine doppelte Flatrate: Ich bin behindert und Ausländer.“
In der Szene hat sich sein neuer Weg längst rumgesprochen: Dieter Nuhr (56) hat sich gemeldet, kürzlich war Caglar in Berlin und drehte mit dem Kultcomedian für dessen Show. Außerdem ist er am 7. Juli in der Talk-Show von Bettina Tietjen (57) und Alexander Bommes (41) zu Gast und geht dann noch beim NDR-Comedy-Contest an den Start, ausgestrahlt wird das in der Nacht vom 30. Juni auf den 1. Juli im NDR. „Es ist das größte Kompliment, das ich kriegen kann“, so der 36-Jährige, „wenn Menschen mit Behinderung im Fernsehen keine Randerscheinung sind, sondern ganz einfach, ganz normal dazugehören, dann ist es richtig.“
Sportliche Karriere bleibt
Seine Basis soll aber weiterhin der Sport sein, seinen Vertrag mit den Baskets 96 Rahden (Club bei Minden) wurde um zwei Jahre verlängert. Mit dem Modeln da­gegen ist er kürzergetreten, „ich versuche, nicht auf ganz so vielen Hochzeiten zu tanzen“. 2016 war er ja der erste Rollstuhlfahrer gewesen, der auf der Berliner Fashion Week Kollektionen von De­signern vorstellte: „Da ging es echt ab! Aber dass ich damals so viel Aufmerksamkeit bekommen habe, zeigt uns leider auch, dass es nicht normal war.“
Deswegen hat er es sich zu seiner Lebensaufgabe ge­macht, dem Leben von Be­hinderten sowie Nicht-Behinderten so viel Normalität im Umgang miteinander wie möglich einzuhauchen. Chapeau!

Von Mirjana Cvjetkovic