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Interview

Bud Spencer übers Älterwerden und seine Frau

Der Bart ist grau, der Krückstock gibt ihm den nötigen Halt, die Augen sind klar: Bud Spencer, der 86-jährige Italo-Haudegen, fällt der Alltag körperlich nicht mehr so leicht wie noch in früheren Zeiten. Das Alter hinterlässt eben Spuren. Olympiaschwimmer, Schauspieler, Jurist, Unternehmer, Musikproduzent – Bud Spencer, 1929 als Carlo Pedersoli auf die Welt gekommen, ist ein Tausendsassa und längst nicht müde, Neues auszuprobieren. Der Italiener entdeckt das Internet als Plattform, um mit seinen Millionen Fans in aller Welt zu kommunizieren. Über seine digitalen ersten Schritte schreibt er im dritten Teil seiner Autobiografie.

Hannover. Seniore Spencer, Sie haben in den Fünfzigerjahren mit der Schauspielerei begonnen. Wie erleben Sie das Filmgeschäft heute? Was ist anders zu früher?
Um die Wahrheit zu sagen, ich gehe nicht mehr häufig ins Kino. Die Art und Weise, einen Film zu erleben, hat sich am meisten verändert. Technik und Computer haben massiv den Markt verändert. Das hat mitunter seine guten Seiten. Nahezu jeder hat Zugang zum Internet, wodurch die Filme heute ein größeres Publikum erreichen. 

Klingt doch nicht schlecht.
Das alles hat aber auch seine schlechten Seiten. Niemand besitzt mehr die Kontrolle darüber, wohin die Filme verteilt werden. Ein Prozess, der dem Musik- und Filmmarkt sehr geschadet hat.  Filme sollten doch auf den großen Leinwänden der Kinosäle erlebt werden. Vor allem aber sollten sich die Filme von Videospielen unterscheiden. Die großen Produktionen aber, besonders die Hollywood-Blockbuster, unterscheiden sich nicht mehr großartig von Videospielen.

Für die Spezialeffekte haben Sie damals selbst gesorgt, mit kräftigen Rechts-links-Ohrfeigen für die Bösewichte und den berühmten Bud-Hammer auf den Kopf. Sie genießen längst den Status als Mythos.
Ich sehe mich nicht als Mythos und ich verstehe auch diesen Vergleich nicht. Ich habe das gemacht, was sich damals richtig anfühlte. Gemeinsam mit Terence Hill haben wir unser Publikum mit dem größtmöglichen Respekt behandelt. Wir wollten nichts mit Sachen zu tun haben, die an der Kinokasse zwar gut funktionierten, aber nicht zu uns passten. Bei uns gab es nichts Vulgäres, keine Gewalt, keinen Sex oder böse Worte.  Damals schienen unsere Filme oberflächlich, aber offenbar  konnten wir einige wichtige Dinge dem Publikum vermitteln.

Sie sind mittlerweile 86 Jahre alt, sagen aber von sich selbst, im Kopf fühlten Sie sich wie 28. In welcher Zeit ist es schwieriger, 28 zu sein? 1957 oder 2016?
Für einen 28-Jährigen ist es heute viel schwieriger in Europa. In den späten Fünfziger- und Sechzigerjahren gab es einen Wirtschaftsboom, mit jeder Menge Enthusiasmus für neue Erfahrungen. In der Bevölkerung herrschte eine unglaublich positive Einstellung. Natürlich spürte man auch dann noch die Folgen des Krieges. Doch die und Aufbruchsstimmung war größer, die Menschen blickten nach vorne. Heute ist es so, dass sich die ganze Situation verkompliziert hat. Die Unterschiede in den sozialen Klassen wachsen, die europäische Gesellschaft wird immer älter und älter, die Zukunft sieht für jeden Einzelnen viel komplexer aus, als es früher der Fall war.

Als Sportler und Schauspieler waren Sie es gewohnt, immer schnell nach vorne zu marschieren. Das macht Ihr Körper heute nicht mehr mit. Wie schaffen Sie es dennoch, jeden Tag mit diesem Elan anzugehen?
Ich mache genau diese Dinge, die mir mein Körper erlaubt. Zum Glück kann ich noch klar und geradeaus denken. Bücher zu schreiben war die beste Medizin, gegen das Älterwerden im Kopf anzukämpfen. Ich habe in meinem langen Leben so viel erlebt. Diese Erinnerungen zu Papier zu bringen hat mit geholfen, jung zu bleiben. Auch arbeite ich noch immer an neuen Songs, ich spiele Klavier in meinem Haus. Ich versuche ja auch ein paar körperliche Übungen. Ich muss aber zugeben, dass ich ein wenig faul bin. Ein gutes Essen würde ich immer vorziehen, doch leider haben sie mich auf Diät gesetzt.

Ihre Freundschaft zu Terence Hill hält bis heute an. Sie verbindet ein inniges Verhältnis, das nicht gerade üblich ist für das Filmgeschäft. Was machen Sie anders als andere?
Meine Freundschaft zu Terence ist wirklich sehr besonders. Ich bin total glücklich, jemanden kennengelernt zu haben, der weder im Beruf noch in seinem sonstigen Auftreten irgendwelche Macken hatten. Wir haben uns nie gestritten, und das ist wirklich ungewöhnlich im Filmgeschäft, zumal wir als Schauspieler über 30 Jahre zusammen verbracht haben. Im Grunde sind wir total unterschiedlich und doch verbinden uns die gleichen Werte, für die wir einstehen: die Bedeutung von Familie und Freundschaft. Wir waren nie eifersüchtig aufeinander.

Wie läuft dann so ein Wiedersehen zwischen Ihnen ab?
Terence kommt mich dann mit seiner Frau Lori in Rom besuchen und es gibt immer ordentlich Spaghetti mit Tomatensoße. Der Klassiker.

In Ihrem Buch schreiben Sie über Ihr Leben, dass der letzte Gong geschlagen hätte. Denken Sie viel über den Tod nach?
Ob ich über den Tod nachdenke? Ja, weil ich hoffe, durch meinen Tod meinen Horizont zu erweitern. Ich bin sehr neugierig, was mich dann erwartet. Ich will es aber nicht beschleunigen. Mit 86 ist es doch ganz normal, über das Alter nachzudenken. Mein Körper erinnert mich jeden Tag daran. Oft denke ich aber nicht über den Tod nach. Ich habe noch Pläne für das Leben in dieser Welt.

Zum Beispiel entdecken Sie das Internet neu. Ihre „Facebud“-Seite hat über eine Million Fans. Ihre ersten Schritte im Web waren jedoch ein echter Wettkampf.
Für mich war es – und ist es nach wie vor – eine große Herausforderung, mit dem Internet und den sozialen Medien umzugehen. Es dauerte lange, bis ich überhaupt die vielen Möglichkeiten kapiert hatte. Kaum war ich online, erreichten mich plötzlich so viele Fragen aus aller Welt. Das alles zu verstehen war wirklich schwierig. Auf der anderen Seite hat es mich auch sehr berührt, wenn mir die Menschen ihre privaten Geschichten erzählt haben. Es war bewegend, diese ganzen verrückten Dinge zu sehen, wie sich Fans mein Gesicht als Tattoo haben stechen lassen. Was mich wirklich sehr glücklich macht, ist, dass die Mehrheit meiner Fans wirklich sehr, sehr jung ist. Das hält auch mich jung.

Seit 56 Jahren sind Sie nun mit Ihrer Frau Maria verheiratet. Was ist das Geheimnis Ihrer Ehe?
Als ich meiner Frau vor über 60 Jahren begegnet bin, war das wie ein Hauptgewinn im Lotto. Es gibt für so etwas kein Geheimrezept. Um eine Ehe über so eine lange Zeit aufrechtzuerhalten, braucht es mehr als Liebe. Gegenseitiger Respekt ist wichtig, man muss es genießen, zusammen zu sein und jeden Tag des Lebens gemeinsam zu erleben. Maria ist nicht nur meine Frau, sie ist die wunderbare Mutter unserer drei Kinder. Sie ist etwas ganz, ganz Besonderes. Heute nun passt sie auch auf mich auf, wir werden gemeinsam alt. Das ist eine neue Erfahrung für mich.

Mit Deutschland verbanden Sie stets eine besondere Beziehung. Warum ausgerechnet Deutschland?
Deutschland bedeutet mir sehr viel, beruflich wie privat. Während meiner Karriere als Schwimmer und für die Promotion meiner Filme war ich sehr häufig dort. Ich habe den Besuch immer sehr genossen. Ich muss auch zugeben, dass es mich immer wieder überrascht, wie groß das Publikum noch immer ist, wenn meine Filme im Fernsehen laufen. Die sind schließlich 50 Jahre alt. Immer wenn ich zu Besuch war, habe ich diese positive Einstellung mir gegenüber gespürt. Das war einfach nur toll.

Carsten Bergmann


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