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STRAHLEMANN: „Unter uns“-Star Stefan Bockelmann hat ein Buch geschrieben über seine Soap-Jahre.

STRAHLEMANN: „Unter uns“-Star Stefan Bockelmann hat ein Buch geschrieben über seine Soap-Jahre.
 © André Dahms

Soap-Star

Bockelmanns Rückblick auf 16 Jahre „Unter uns“

16 Jahre lebte er als Malte Winter in der Serie „Unter uns“ in der Schillerstraße, im Sommer ist Schauspieler Stefan Bockelmann (41) ausgestiegen. Jetzt hat er das Buch „Alles bleibt unter uns“ über seine Soap-Zeit geschrieben. Die NP hat mit ihm gesprochen – über kurze TV-Schwangerschaften, den Abschied von Freunden und den Neustart auf der Theaterbühne.

Was machen Sie zurzeit unter der Woche um 17.30 Uhr denn so?

Da sitze ich im Auto und fahre nach Düsseldorf. Dort stehe ich in „Ein Traum von Hochzeit“ auf der Bühne. Vorher gehe ich eine Runde ins Fitnessstudio. Aber davon mal abgesehen, habe ich es auch sonst nicht geschafft, „Unter uns“ zu gucken. Wir haben eigentlich immer bis 18.30 Uhr gedreht.

Es gibt durchaus Leute, die ihren Tagesablauf nach der Sendezeit ihrer Lieblingsserie ausrichten.

Das weiß ich (). Der Großvater meiner Frau zum Beispiel. Er hat immer um halb sechs Abendbrot gegessen – bis ich angefangen haben, bei „Unter uns“ mitzuspielen. Ab dem Zeitpunkt wollte er es dann um 18.05 Uhr aufgetischt bekommen, „erst will ich den Jung‘ gucken“, pflegte er zu sagen.

Warum schauen Menschen so gerne Soaps?

Weil sie Alltagssituationen widerspiegeln, die Geschichten drehen sich um Freunde, Familie und das Berufsleben. Außerdem sind sie wie eine Sucht, wenn man erstmal angefangen hat, will man wissen, wie es weitergeht. Zugegeben dauerten bei uns Schwangerschaften nur viereinhalb Monate und 22 Kilo zugenommen wie meine Frau hat dort auch keine (), sie hatten nach zwei Wochen wieder den perfekten Körper.

Sie haben den Großteil Ihres Erwachsenenlebens bei „Unter uns“ verbracht. Wie Ihr Leben wohl ohne die Rolle verlaufen wäre?

Da denke ich durchaus öfter drüber nach. Vor der Schauspielausbildung habe ich Bauzeichner gelernt, bin Sohn eines Handwerkers. Ich habe noch mit Tuschestiften gelernt, heute sieht das schon anders aus. Aber ich war immer darauf bedacht, ein zweites Standbein zu haben. Der Beruf Schauspieler war ein großer Glücksgriff, aber so fest ist der Boden unter den Füßen da nicht.

In Ihrem Buch steht: „Manchmal ist es einfach an der Zeit, etwas Neues zu beginnen.“

Ich hatte einen inneren Impuls, wollte als Schauspieler mal was anderes machen, als in einer Serie mitzuspielen. Als ich die Entscheidung getroffen habe, war ich 40, bin ruhiger und besonnener geworden, dachte mir, wenn nicht jetzt, wann dann? Außerdem hatte ich da schon drei Jahre lang parallel abends Theater gespielt.

Wie haben die Macher von „Unter uns“ reagiert?

Wir haben Gespräche geführt, sie wollten wissen, ob es nicht nur eine Phase sei. War es aber nicht. Nach drei Jahren wurde mir angeraten, aufzuhören, da wollte ich aber nicht, weil es mir so richtig Spaß gemacht hat. Jetzt war Zeit für was Neues.

Ihr Buch handelt nicht nur von der Serie. Sie schildern eine Situation, die für werdende Eltern schrecklich ist – es hieß, mit ihrem ungeborenen Kind sei etwas nicht in Ordnung. War das auch ein Grund, sich aufs echte Leben zu besinnen?

Es hat mir gezeigt, dass sich das Leben schlagartig verändern kann. Ich habe das Glück, zwei gesunde Kinder zu haben, mir ist in der Hinsicht so viel Glück widerfahren, da kann man es schon etwas Neues wagen. Meine Familie erdet mich und die Aufgabe als Papa genieße ich in vollen Zügen. Auch wenn sie mich manchmal zur Weißglut bringen (). Als mein Sohn ohne Stützräder Fahrrad fahren konnte, war ich dabei, bei meiner Tochter habe ich es verpasst. Ich habe jetzt einfach mehr Zeit.

Wissen Ihre Kinder, dass Ihr Papa ein TV-Star ist?

Meine Tochter hat mich mit 13 erst gefragt, ob ich berühmt bin. In der Hinsicht ist es mir wirklich gut gelungen, sie aus dem ganzen Rummel rauszuhalten. Ich will meine Kinder beschützen und versuchen, dass sie ganz normal Freunde haben, die nicht nur etwas mit ihnen machen wollen, weil ich Schauspieler bin.

Ist es Ihnen schwer gefallen, der Figur Malte Winter adieu zu sagen?

Oh ja! Am letzten Drehtag wurde mir bewusst, dass ich meine Kollegen, von den viele Freunde geworden sind, so erst einmal nicht mehr sehe. Was Malte betrifft: Er war Opfer seiner selbst aber auch ein Kämpfer im Leben. Und auch die Reaktion der Fans hat mich sehr berührt, eine schrieb mir: „Ich verliere mit Malte einen Freund.“ Vielen meiner Kollegen ist gar nicht bewusst, welche Aufgabe wir mit unseren Rollen haben, dass wir eventuell sogar Problemlöser sind.

Manche können nicht so leicht zwischen Realität und Fiktion unterscheiden: Ihre Frau wurde gewarnt, weil Sie ja – wohlgemerkt in der Serie – dem Alkohol verfallen sind.

Das war auch nicht ohne, als wir heiraten wollten (). Zu dem Zeitpunkt war Malte in der Serie mit Pauline zusammen. Da kam eine Kundin in die Boutique von meiner Frau und riet ihr: „Überleg‘ Dir das gut, der Stefan hat ja noch eine andere Freundin!“ Davon gibt es viele Beispiele.

Zwei kurze noch, bitte!

Malte war Betreiber der Kneipe „Schiller“. Und einer hat mich mal gefragt, ob er einen Tisch reservieren kann, weil er seine Freundin überraschen will. Wenn im Serienhaus eine Wohnung frei geworden ist, wollten Menschen allen Ernstes einen Besichtigungstermin vereinbaren. Bewerbungen gab es auch, wenn der Bäcker einen Auszubildenden gesucht hat.

Von Mirjana Cvjetkovic