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Keine Angst vor dem Altern: Für Brigit Schrowange hat jede Zeit im Leben ihre schönen Seiten.

Interview

Birgit Schrowange: „Ich will eine coole Alte sein“

Sie ist eine echte Powerfrau: Birgit Schrowange (57) ist Mama und berufstätig – und hat keine Angst vor dem Älterwerden. Am Sonnabend liest sie am Hannover-Airport (19 Uhr). Mit der NP sprach die RTL-Moderatorin über Diäten, Singen und Pläne für die Rente.

Hannover. Frau Schrowange, wer Ihr neues Buch liest, merkt: Sie haben keine Angst vor dem Älterwerden – und Sie finden sehr klare Worte. Ist das Buch auch ein Ratgeber?
Ich bin mittlerweile 57, Mutter, berufstätig. Ich wollte einfach meine Sicht der Dinge schildern. Und es soll auch ein Mutmachbuch sein für Frauen in den mittleren Jahren. Wir sind immer noch sehr bescheiden. Dabei wuppen wir so viel.

Deshalb auch der Titel „Es darf gerne ein bisschen mehr sein“, weil Frauen sich immer noch mit zu wenig zufriedengeben?
Ja! Ich bin noch so erzogen worden. Auf dem Dorf, wo ich groß geworden bin, gingen die Männer nach dem Gottesdienst in die Kneipe, die Frauen an den Herd und kochten. Ich fand das als Kind schon ungerecht. Heute ist es oft immer noch so. Im 21. Jahrhundert sind wir mit der Gleichberechtigung nicht weit genug. Wenn zwei Leute ein Kind bekommen, gibt meistens die Frau ihren Job auf. In den Großstädten geht jede zweite Ehe kaputt. Alleinerziehende Mütter sind sehr stark von Armut bedroht. Sie bekommen heute nur noch drei Jahre Unterhalt. Das sind Dinge, die ich in meinem Buch bespreche. Auch, dass Frauen sich manches von Männern abgucken sollten.

Was meinen Sie?
Frauen können sich erst mal oft nicht dazu durchringen, mehr Geld zu verlangen. Männer geben an, wenn sie was Tolles machen. Frauen sagen: „Nicht der Rede wert.“ Das ist so mit Scham behaftet. Frauen müssten sich auch viel mehr unterstützen – wie Männer das machen, Seilschaften bilden – und diese Stutenbissigkeit sein lassen. Ich bin eine Frauenfrau. Ich habe jüngere Freundinnen, unterstütze jüngere Kolleginnen. Die Moderatorin Nazan Eckes habe ich zum Beispiel zu meiner Agentur gebracht und mit Tipps versorgt, als sie anfing.

Hatten Sie eine Mentorin?
Ich habe das genauso erfahren von Petra Schürmann. Sie sagte mir immer: „Ab 40 ist man für sein Gesicht selber verantwortlich. Man sieht alles: Neid, Missgunst.“ Und man ist schnell in dem Alter. Jeder hat seine Zeit. Ich weiß, dass jetzt eben die jungen Frauen dran sind. Deshalb schaue ich nicht mit Neid auf sie oder versuche, mich krampfhaft jung zu halten.

Bei dem heutigen Wahn, schön sein zu müssen, aber keine leichte Einstellung, oder?
Es ist fürchterlich. Wir werden im Laufe eines Tages ungefähr mit 500 bearbeiteten Fotos konfrontiert. Beine werden verlängert, die Taille verschmälert, Falten wegretuschiert. Das kann heute sogar jeder mit Apps auf dem Handy. Ich weiß, dass die alle in natura nicht so toll aussehen. Selbst die Top-Models nicht. Auch meine Werbefotos werden bearbeitet. Junge Frauen halten das aber oftmals für die Realität – und so entstehen Essstörungen. Ich könnte nie hungern.

Nie eine Diät gemacht?
Früher war ich auch so bescheuert: Ananas-Diät, Kartoffel-Diät, Eier-Diät – was ich alles gemacht habe. Aber der Körper kommt immer wieder auf sein Gewicht zurück. Der liebe Gott hat die Menschen unterschiedlich geschaffen. Vielfalt eben. Ich bin ein östrogenbetonter Typ: Ich habe Hüften, Busen und Größe 38/40 – oft 40. (lacht). Da stehe ich auch zu. Ich möchte Lebensfreude haben.

In Ihrem Buch spielt das Thema Altersunterschied in Beziehungen eine große Rolle.
Ich finde es ungerecht, dass Männer mit jüngeren Frauen gesellschaftlich akzeptiert sind – andersherum ist es oft verpönt. Ich verliebe mich doch nicht nach Personalausweis. Ich finde, bei zehn Jahren gibt es noch keinen Generationenunterschied. Mein Ex Markus Lanz ist elf Jahre jünger, ich war aber auch schon mit einem 15 Jahre älteren Mann zusammen. Unmöglich finde ich hingegen, wenn Männer wie Flavio Briatore 30 Jahre jüngere Frauen haben. Ich sage immer scherzhaft: „Die sind doch nur Geldsäcke auf zwei Beinen.“ Liebe ist das nicht. Ich kenne jedenfalls keinen Versicherungsvertreter, der ein 30 Jahre jüngeres „Playboy“-Model am Arm hat (lacht).

Nach 35 Jahren beim Fernsehen: Welche berühmte Persönlichkeit hat Sie nachhaltig beeindruckt?
Da gibt es so viele. Ich weiß das alles gar nicht mehr (lacht). Ich habe beispielsweise Doris Schröder-Köpf drei Tage in Hannover begleitet, als ihr Mann Gerhard Schröder noch Ministerpräsident war. Das war sehr nett mit den beiden.

In Ihrem Geschäft gibt es immer wieder Pannen. An welche erinnern Sie sich heute noch?
Bei einer Modenschau wollte ich sagen: Beachten Sie den interessanten Hosenschnitt, und ich habe Hodenschnitt gesagt. Das war schlimm. Ich kann aber wirklich gut über mich selbst lachen. Ich wurde bei einer Lesung kürzlich für die Sendung „Versteckte Kamera“ reingelegt. Wirklich lustig. Ich habe mich totgelacht. Gucken Sie sich das auf Youtube an. Dann wissen Sie, was ich mit Humor meine.

Was soll man in 20 Jahren über Sie sagen?
Ich will eine coole Alte sein. Nicht eine, die immer nur meckert. Ich möchte auch mit jungen Leuten zusammen sein, von ihnen lernen – und ich habe ihnen auch etwas zu geben. Ich möchte immer neugierig und aufgeschlossen bleiben. Und in Würde alt werden. Ich finde Frauen peinlich, die überhaupt nicht alt werden können, mit Miniröcken rumlaufen, sich die Lippen und Brüste aufspritzen lassen und sich in Größe 34 hungern. Ich will zu meinem Alter stehen und irgendwann meine weißen Haare rauswachsen lassen. Jede Zeit hat ihre schönen Seiten.

Haben Sie Pläne für Ihre Rente?
Ich werde mich noch mehr ehrenamtlich engagieren, so wie das schon viele Menschen tun. Man sollte auch insbesondere vor der eigenen Haustür schauen. Es gibt so viel Elend. Ich kenne Leute mit viel Geld, die verkaufen alles bei Ebay. Das regt mich auf. Weil es viele arme Menschen gibt, an die man es verschenken könnte. Jeder kann was abgeben. Gerade jene, die viel Glück im Leben haben, wie ich zum Beispiel auch. Ich komme auch aus einfachen Verhältnissen und weiß, wie das ist, wenn man jeden Pfennig dreimal umdrehen muss.

Sie singen auch. Das weiß kaum jemand. Dem Buch liegt sogar eine CD bei. Wie kam es dazu?
Ich habe mein Buch ja nur geschrieben, damit ich meine CD herausgeben kann (lacht). Nein, ich werde keine Helene Fischer. Ich möchte mit meinem Buch auch anregen, das zu machen, was einem Spaß macht. Und nicht auf die Leute zu hören. So bin ich ja groß geworden im Dorf: „Was sagen die Leute nur dazu?“ Man sollte sich nicht von der Meinung anderer Leute abhängig machen und das tun, was einen glücklich macht. Mich macht zum Beispiel singen glücklich. Wenn ich vom Gesangsunterricht komme, fühle ich mich wohl. Jana Meyer


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