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ABSCHIED: Im Dezember geben Jürgen und Heike Piquardt „Paradies“ auf.

ABSCHIED: Im Dezember geben Jürgen und Heike Piquardt „Paradies“ auf.© Ralf Decker

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Gastronomie

Bio-Aktivist Jürgen Piquardt gibt das "Paradies" auf

Hannovers Bio-Aktivist verabschiedet sich aus der Gastronomie. Jürgen Piquardt (71) gibt das „Paradies“ in Ricklingen auf. Boule-Fest, Catering und Öko-Seminare will er weiter machen.

Hannover. Das Alter hat nichts damit zu tun! „Mit 25 Jahren habe ich mich steinalt gefühlt. Seitdem bin ich immer jünger geworden“, beteuert Jürgen Piquardt. 71 ist er jetzt, seine Frau Heike ist 64 geworden. Trotzdem soll am 15. Dezember das letzte Mal im „Paradies“ Ziegenkäse mit Oliventapenade oder Entrecôte mit Anchovisbutter serviert werden. „Nach 35 Jahren ist Gastronomie für mich ausgereizt, es gibt nichts Neues mehr“, sagt er.

Mit Piquardt haben Hannoveraner den G-Punkt entdeckt: „Genuss, Gesundheit, Geselligkeit, Gemeinwohl und Ganzheit“ war seine Botschaft. Erst im Fachwerkhaus „La Provence“, dann im „Paradies“. 80 Hochzeiten im Jahr werden hier gefeiert, dazu Geburtstage, Firmenfeste. 2007 hatte er ein Gewächshaus aus Bayern nach Ricklingen verpflanzt. „Da steckt meine Lebensversicherung drin. Wir haben viel investiert, sind volles Risiko gegangen.“ Das ganze Leben habe er in der Gastronomie „ohne Netz“ gearbeitet. Jetzt soll Schluss sein. „Nicht in der Phase des Niedergangs, sondern in der Hochform“, betont er.

Für das „Paradies“ sucht er einen Nachfolger, der das Kleinod am Ricklinger Bad kauft. Kann irgendjemand seinen Ansprüchen gerecht werden? „Es gibt einige Kandidaten“, erzählt Piquardt. „Aber die müssen auch nicht 100-prozentig alles so machen wie ich“, fügt er mit einem Schmunzeln hinzu. Das heißt: Lebensmittel mit den Stempeln bio, fair, regional „und vielen Ausrufezeichen“. Die machten seine „heile“ Gastronomie aus. „Stimmung schafft man nicht mit 100 Kerzen, das Licht im Herzen muss brennen.“

Bei Piquardt brannte es lichterloh: Mit Spitzenköchen wie Heinrich Stern, Helmut Amman und Andreas Gehrke gründete er die „Tafelrunde“ und lud am Ballhof zum Gourmet-Festival ein, er führte das Boule-Fest auf der Herrenhäuser Allee samt Pfingst-Tafel ein, er ist einer von bundesweit 20 Vertretern im Verband der „Bio-Spitzenköche“, mit der „Öko-Bande“ fesselte er einst OB Herbert Schmalstieg im Rathaus, um ihm vier Wochen Bio-Essen schmackhaft zu machen.

Mit Boule-Fest und Caterings für große Event will Piquardt weitermachen. Ansonsten aber mit Frau Heike viel Zeit in der echten Provence verbringen. Auf seinem kleinen Gut nahe Aix, das er seit 1972 besitzt. 260 Olivenbäume wollen gepflegt werden.


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